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22.04.09Kommentieren

Serie: Secondhand – Das haben wir gerade noch gebraucht - Teil II

Secondhand – internationale Beispiele aus einer noch jungen Branche

Gründer und Unternehmer denken bei der Beschaffung überwiegend an den 1. Markt für Neue Produkte, Arbeitsplätze, Herstellungsverfahren, etc. Das ist der klassische Weg. Doch es gibt auch einen 2. Markt. Dieser Secondhand-Markt ist eine vielfältige Ergänzung des 1. Marktes und aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht betrachtet der ganzheitlichere und oftmals - aus Sicht der finanziellen und persönlichen Ressourcen-Schonung - sogar der sinnvollere.  Diese sechsteilige Serie möchte einen Einblick über den Gebrauchtmarkt mit seinen Kennzahlen, Funktionsweisen und auch Stolpersteinen geben und soll dabei helfen, "neue" Beschaffungswege für die Ausstattung (Material, Personal, Verfahrenstechniken, etc.) eines Unternehmens kennenzulernen.

Ein Beitrag von Christine Müller

Vorbemerkung zur internationalen Verwendung der Begriffen "Secondhand" und "Gebraucht"

Der Begriff "Secondhand" wird nur sehr selten branchenübergreifend genutzt. Allgemein wird dieser Begriff länderübergreifend fast ausschließlich für gebrauchte Bekleidung oder Schuhe verwendet. In anderen Branchen werden wechselnde Begriffe benutzt, aber überwiegend von Gebraucht-Handel, Gebraucht-Autos, Gebraucht-Büromöbel, Gebraucht-Maschinen, etc. gesprochen.

Davon abweichend wird hier und in den folgenden Beiträgen den Begriff Secondhand branchenübergreifend als Gegensatz zu Firsthand nutzen.

Internationale Erscheinungsformen des Secondhand-Marktes

Frankreich: Troc International – Depots für gebrauchte Haushaltswaren auf Kommissionsbasis

Die Kaufhauskette Troc International ist europäischer Marktführer in Sachen Handel mit gebrauchten Haushaltsgütern. 1987 entstand das Unternehmen nach Aussagen des Gründers "als Antwort auf schwierige wirtschaftliche Situationen". Inzwischen sind dem ersten Standort in Frankreich über 150 "Depots" in Europa als Franchise-Nehmer des Konzeptes gefolgt.

Das an der Börse notierte Unternehmen bietet heute alles was man in und an ein Haus stellen kann (Möbel, Elektrogeräte, Sanitär- und Küchengeräte, Antiquitäten, etc.). Wie das nun in der Praxis aussieht erläuterte 2001 der Troc Franchise-Pionier in Deutschland, Alexander Troc, Standort Bonn: "Wir sind Einzelhandel im Gebrauchtbereich." Das französische Erfolgskonzept funktioniert auf Basis der Kommissionsnahme der Waren nach Preis- und Absatzchancen-Bewertung. Die Ware kommt für eine Kommissionszeit von zwei Monaten mit monatlichem Abschlag in das Troc-Depot.

England: Marken Secondhand-Bekleidung und Schuhe 

Dass es auch in England Anfänge eines sich etablierenden Secondhand-Marktes gibt, zeigt das Beispiel "Yellow Octopus Limited". Der Gründer Jack Ostrowski in 2008 die Auszeichnung als Entrepreneur of the year 2008 und den IAB 2008 Business Award von der Handelskammer für das Geschäftskonzept gekommen. Ziel ist es nach eigenen Worten, der Marktführer in Europa für Bekleidung und Schuhe zu werden. Es sind bisher in 12 verschiedenen Ländern in Central- und Osteuropa vertreten mit ihren britischen Marken-Outletshops für Bekleidung und Schuhe; auch eine Secondhand-Bekleidungsserie gefertigt von der UK Recyclingindustrie gibt es.

Amerika: Ebay & Co. – Entdeckungen der Secondhand-Kultur

Es gibt eine unterhaltsame Untersuchungsreise von Naton Leslie durch die Secondhand-Kultur Amerikas: That Might Be Useful: Exploring America's Secondhand Culture by Leslie, Naton 2005. Leslie hat auf seiner Reise keine Neuwaren, sondern wenn möglich immer Gebrauchtes gekauft. Er beschreibt in seinem Buch die Bandbreite von gut organisierten Auktionshäusern mit exklusiven Waren, Antiquitäten-Geschäften, etc. Er stellt dabei fest, dass, der Secondhandhandel in Gemeinschaften verblieben ist (außerhalb der großen Konzerne), während Einzelhändler in den letzten Jahren von den Vororten in die großen Malls/Einkaufszentren gezogen sind.

Nur die Umsätze von Antiquitätengeschäften, Auktionen und ebay zeigen die Billionen von Dollar die der Handel mit Gebrauchtem heute schon erzielt. Doch diese Geschäfte werden unter der Ladentheke, Flohmärkten und anderen weniger sichtbaren Orten gemacht.

Diese Schlussfolgerung von Leslie deckt sich auch mit meiner bereits im 1.Teil gemachten Aussage, dass sich der Secondhand-Markt erst zu formieren beginnt und noch bewusst/unbewusst "verdrängt wird aus der öffentlichen Wahrnehmung".

Ausblick

In der nächsten Folge geht es um die Secondhand-Branche als neuer Arbeits- und Ausbildungsmarkt.

Haben Sie schon mal gebrauchte Waren gekauft? Schreiben Sie mir entweder an einrichten@das-curriculum.de oder diskutieren Sie mit in meiner XING-Gruppe. Ich werde in meinem nächsten Beitrag auf Ihre Antworten eingehen. Ich bin gespannt von Ihnen zu hören.

Autor: Christine Müller

Gründerin und Geschäftsführerin
Website des Autors
Christine Müller

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