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28.04.09Kommentieren

Kolumne von Rüdiger C. Olschowy

Private Equity aus dem Nahen Osten - eine Option für deutsche Gründer?

Bei der Suche nach frischem Kapital stoßen Jungunternehmer in Zeiten problematischer Liquidität am heimischen Finanzplatz oftmals an die Grenzen des Machbaren. Rüdiger C. Olschowy, Vorstand und Gründer der Beteiligungsgesellschaft MIT Munich Industrial Technologies AG in München, erklärt in seiner förderland-Kolumne, warum, ob und wie Start-ups Private Equity aus dem Nahen Osten interessant finden können.

Rüdiger C. Olschowy ist Vorstand und Gründer der Beteiligungsgesellschaft MIT Munich Industrial Technologies AG.Rüdiger C. Olschowy ist Vorstand und Gründer der Beteiligungsgesellschaft MIT Munich Industrial Technologies AG.

In der letzten Kolumne ging es darum, wie man in Zeiten der Finanzkrise bei Banken an weiteres Geld kommt. Der heutige Teil ist den Fragestellungen gewidmet, ob Private Equity aus dem Nahen Osten eine Option darstellt und was ein solcher Kapitalgeber für den Jungunternehmer bedeutet.

Prüfend aber nicht abgeneigt

Wenn es gilt, als Gründer oder Jungunternehmen an Kapital zu kommen, sollte man grundsätzlich nicht nur an inländische Kapitalgeber denken, sondern auch einmal den Blick über den Tellerrand hinaus ins Ausland wagen – beispielsweise in den Nahen Osten. Auch wenn aufgrund der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise jeder Investor, auch derjenige aus dem Nahen Osten, genauestens prüft, ob es sich lohnt Geld in die Hand zu nehmen.

Auch viele arabische Investoren haben Milliardenbeträge verbrannt und nehmen eine tendenziell abwartende Haltung ein. Nichtsdestotrotz wird traditionell gerne in Europa investiert und vornehmlich in deutsche Technologie beziehungsweise deutsche Industrieunternehmen. Das jüngste und wohl prominenteste Beispiel hierfür ist der milliardenschwere Einstieg eines arabischen Staatsfonds beim Stuttgarter Autobauer Daimler. Aber auch private kuwaitische Investoren sind seit Jahren stark in Deutschland engagiert - zum Beispiel in die Michael Weinig AG.

Gute Chancen für Produkte mit arabischer Zielgruppe

Im Bereich der Start-up-Finanzierung im deutschsprachigen Raum tummeln sich Kapitalgeber aus dem Nahen Osten allerdings kaum. Frühphaseninvestitionen werden meiner Erfahrung nach in den Fällen unternommen, in denen es sich um Technologien handelt, die in Produkten zum Einsatz kommen, die für den Nahen Osten von gesondertem Interesse sind. So zum Beispiel alles rund um Ölderivate, Infrastruktur, Wasser (Entsalzung, Aufbereitung, Abwasser, etc. ), Abfallwirtschaft und -technologien, Energie, und Automotive.

Wie komme ich an den Investor aus dem Nahen Osten?

Für den Jungunternehmer ist der Zugang zu den arabischen Investoren nicht leicht, da diese für gewöhnlich mit Anfragen überhäuft werden. Außerdem sollte man viel Geduld mitbringen. Der Prozess bis zu einer Entscheidung ist normalerweise ein äußerst langwieriger. Zahlreiche Besuche sind vonnöten, um  das Vertrauen aufzubauen. Und ohne diese persönliche Ebene sind berufliche Beziehungen mit dem Nahen Osten undenkbar. Helfen kann hier etwa die Zusammenarbeit mit deutschen Private-Equity-Gesellschaften, die auf langjährige Kontakte zu arabischen Investoren zurückblicken können.

Der hochprofessionelle internationale Partner

Wer sich einen Kapitalgeber aus dem Nahen Osten sucht, sollte an einer wirklichen Partnerschaft interessiert sein. Arabische Investoren wollen nicht als reine Geldgeber angesehen werden. Den Jungunternehmer erwartet ein hochprofessionelles Arbeiten in einem meist international erfahrenen, exzellent ausgebildeten und in der Regel auch international verflochtenen Umfeld. Nur mit langen Horizonten bis zum Return kann man das Morgenland nicht ins Abendland locken.

Die nächste Kolumne beschäftigt sich mit der Fragestellung auf was man im Umgang mit arabischen Investoren achten sollte.

Zur Person:
Rüdiger C. Olschowy, (50), Diplom-Kaufmann, ist Vorstand und Gründer der Beteiligungsgesellschaft MIT Munich Industrial Technologies AG mit Evergreen-Struktur. Seit 1991 ist er als Unternehmer und seit 1999 als Investor tätig. Er war Gründungsmitglied und Geschäftsführender Gesellschafter sowohl bei der GAM GmbH (Consulting und Interim Management) als auch bei der Alta Vista Equity Partner GmbH & Co. KG (VC Fond). Später war er Vorstand bei der PRICAP Venture Partners AG (Investment Unternehmen).

Er war Mitgründer der Buchanan Industrial Technologies GmbH und dreier Fonds (Buchanan Industrial Technologies Fund I/II, Deutschland, und Gulf One Buchanan Industrial Technologies Fund I, Cayman Islands). Rüdiger C. Olschowy ist ein ausgewiesener Experte im Produktionsbereich und in der High Tech Industrie. Zu seiner Berufserfahrung zählen über 16 Jahre Mittelstandsberatung und Interims Management (General Management, Marketing, Sales), zehn Jahre als Investor und Investment Manager von kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie zehn Jahre als Beirat in verschiedenen mittelständischen Unternehmen.

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