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16.03.12Kommentieren

Trend

Pretotyping – Gründen ohne zu Gründen

Prototyp – klar das Wort kennt man. Doch es geht noch reduzierter – in seinem Gratis-E-Book "Pretotype It!" definiert Alberto Savoia eine neue, dynamische und risikoarme Art des Gründens. Absolut lesens- und lebenswert!

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Wer gründet, der kann sich nie sicher sein, ob aus seinem Start-up etwas wird. Man schraubt monatelang an einem Prototyp herum, nur damit nach dem Start der Länge nach auf die Nase zu fallen. Geld futsch, Zeit futsch, wenigstens hat man dabei etwas gelernt. Hat man? Zumindest Alberto Savoia, Google Mitarbeiter und aufmerksamer Beobachter seiner Umgebung hat viel dabei gelernt und teilt sein Wissen mit uns. Und das auch noch beinahe gratis. 99 Cent kostet das revolutionäre kleine Buch für den Amazon Kindle oder aber per Gratis-Download unter diesem Link.

Begriff Pretotyping

Doch was ist so anders an seiner Herangehensweise? Savoia fast seine Theorie unter dem Begriff "Pretotyping" zusammen, zu deutsch: ein Vor-Prototyp. Um diesen Begriff zu erklären, erzählt der Autor eine kleine Geschichte aus den Archiven von IBM. Irgendwann kam das Thema "Text to Speech" - also das computergestützte Wandeln von gesprochenem Wort in geschriebenen Text auf das Unternehmen zu. Man war sich klar darüber, dass die Entwicklung revolutionär war, aber man war sich nicht sicher, ob man große Kapazitäten des Unternehmens hinein investieren sollte. Das Entwickler-Team entschloss sich dazu, einen Prototypen zu testen – sie hatten aber keinen. Also sammelten sie die Testpersonen in einem Raum zusammen, stellten ihnen einen Monitor hn und alles was sie ins Mikrofon sprachen, erschien in nahezu Echtzeit auf dem Bildschirm. Eingegeben, von einer Stenotypistin im Nebenraum. Am Anfang waren alle begeistert, waren sich sicher, dass sie das Produkt wollten. Doch nach Stunden des Gebrauchs kamen die Nachteile zum Vorschein: laute Arbeitsatmosphäre, die Stimmen wurden heiser und zudem musste man genau wissen, was man denn nun dort hineinspricht. Diese wertvolle Erfahrung nahm IBM auf, entwickelte die "Text to Speech"-Funktion, aber mit wesentlich weniger Ressourcen und viel langsamer – man wusste nun, es ist cool, eignet sich aber nur in manchen Situationen. Aus dieser Geschichte leitet Alberto Savoia nun das Prinzip "Fake it before you make it!" (Täusch es vor, bevor Du's baust) ab. Man fertigt nicht den Prototypen selbst – sondern ein Ding, was wie einer aussieht.

Ein weiterer zentraler Punkt in Savoias Thesen ist das "It". Also die Essenz dessen, was man machen will – der Kern der Sache, sei es Start-up, Film oder Weltrekord. Und man solle doch bevor man etwas startet überprüfen, ob es sich auch um das "Right It" handelt. Das kann man nun durchs Pretotyping herausfinden. Doch wie genau macht man das? Allein schon von einer Idee zu erzählen ist bereits schon eine Art Pretotype. Ein Gründer erzählt einem Bekannten: "Ich habe einen Online-Handel, der Kühlschränke nach Grönland exportiert. Es läuft wie geschmiert, aber ich brauche noch Kohle für größere Kühlaggregate." Der Gründer hat aber noch keinen Online-Handel, sondern hat sich alles nur ausgedacht und will die Reaktionen überprüfen. Savoia führt mehrere Methoden des Pretotypings auf:

Das Mechanical Turk-Prinzip: Tu so, als gäbe es eine Funktion schon, obwohl sie in Wirklichkeit von einem Menschen erledigt wird.

Das Pinocchio-Prinzip: Baue ein lebloses Ding, das aussieht, wie das, was Du bauen möchtest und tu so, als würde es funktionieren. Spiel die Funktionen durch, auch wenn Dich alle für verrückt halten.

Das Reduktions-Prinzip: Fertige einen Prototypen, der auf das absolute Minimum reduziert ist, ohne alles außer der Kernfunktion

Das Provinz-Prinzip: Teste erst in einem Dorf, bevor Du's ins ganze Land trägst.

Das "Falsche Tür"-Prinzip: Baue einen Zugang zu dem Produkt, ohne das Produkt selbst zu bauen. Oft gesehen bei vielen Teaser-Seiten, die bereits viel Buzz in der Fachpresse erzeugen, ohne das jemand je das Produkt gesehen hat.

Das "Dicke Hose"-Prinzip: Bevor Du etwas baust, leih es Dir und tu so, als gehöre es bereits Dir.

Das "Umlabel"-Prinzip: Packe Dein Logo oder Dein Design auf ein existierendes Produkt und tu so als sei es Deins.

Ziel des Pretotypings ist es einerseits die emotionalen wie auch ökonomischen Kosten eines gescheiterten Projekts zu vermeiden, oder wie Savoia es ausdrückt: "it helps to fail fast". Andererseits hilft das Pretotyping dabei viele Schubladen-Ideen umzusetzen, da die Schwelle der Realsierung des Pretotyping extrem niedrig liegt. Zudem können fremde Meinungen und die eigene Welt, die man sich um seine Idee aufbaut einem "Realitätscheck" unterzogen werden.

Fail -also das Scheitern spielt in Savoias Theorie eine große Rolle. Anders als oft propagiert, wird hier nicht "akzeptiert" zu scheitern, sondern das Scheitern wird als ganz bewusstes Mittel zur Überprüfung seiner Idee eingesetzt. Man versucht mit allen Mitteln, den Pretotype zum Scheitern zu bringen, anstatt sich seiner zu bestätigen. So lange, bis man davon überzeugt ist, dass die Idee Müll oder eben das "It" ist, wonach man so lange gesucht hat.

Jedem Gründer ist dieser äußerst lehrreiche Text voller hervorragender Beispiele und Gleichnisse empfohlen – er liest sich schnell und recht amerikanisch. Auf förderland gab es übrigens kürzlich einen interessanten Beitrag zu dem Thema, den man genau hier findet.

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