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06.10.08Leser-Kommentar

Interview mit Dr. Hubert Jäger, SGL Carbon AG

"Ohne Marketing wird Innovation nicht stattfinden"

Dr. Hubert Jäger ist Senior Vice President und Chairman Technology & Innovation bei der SGL Carbon AG. Das Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden ist eines der führenden Unternehmen bei der Herstellung von Produkten aus Carbon. Beim Wettbewerb Top 100 schaffte es das Unternehmen gleich in drei Kategorien - Innovationserfolg, Innovationsmarketing und Innovative Prozesse & Organisation - in die Top 10. Der Wettbewerb prämiert jedes Jahr die 100 innovativsten Unternehmen im Mittelstand.

Dr. Hubert Jäger ist Senior Vice President und Chairman Technology &amp; Innovation bei der SGL Carbon AGDr. Hubert Jäger ist Senior Vice President und Chairman Technology & Innovation bei der SGL Carbon AG.

förderland: Herr Dr. Jäger, was zeichnet Ihrer Ansicht nach ein innovatives Unternehmen aus?

Dr. Hubert Jäger: Ein innovatives Unternehmen muss neue Wege gehen, ja sie immer wieder suchen, und es hinterfragt seine Angebote. Wir als Management leben diese Haltung. Deshalb achten wir auch bei der Personalauswahl auf dieses Kriterium.

förderland: Wie wichtig sind Innovationen für ein Unternehmen?

Jäger: Ich zitiere den großen Peter Drucker: "…the business enterprise has two – and only these two – basic functions: marketing and innovation…."

förderland: Und was macht den Erfolg einer Innovation aus?

Jäger: Eine Innovation muss ein aktuelles Marktbedürfnis bedienen. Eine erfolgreiche Innovation erfordert also einen Markt, für den die Innovation eine neue, bessere oder kostengünstigere Lösung darstellt.

förderland: Wie können Jungunternehmer den Innovationserfolg möglichst frühzeitig in die Unternehmensphilosophie aufnehmen?

Jäger: Bereits in der Gründungsphase muss das Unternehmen sich klare Innovationsziele setzen, das heißt einen Anspruch an seine Innovationsfähigkeit formulieren und seine 3 P – Policies, Processes and People – darauf ausrichten.

förderland: Welche Instrumente kann man nutzen, um Ideen in einem Unternehmen zu identifizieren? Was macht eine innovationsfördernde Unternehmensstruktur aus?

Jäger: Innovation muss und kann gemanagt werden. Kennzeichnend für eine innovationsfreundliche Struktur sind flache Hierarchien, wenige, aber klare Standards und interdisziplinäre Kooperation. Wir nutzen Ideengenerierungsworkshops mit internen und externen Partnern und Scouts. Integrierter Bestandteil der Ideenidentifizierung ist die frühe technologische, kommerzielle und strategische Bewertung und Auswahl.

förderland: Woran scheitern die meisten Ideen bzw. aus welchen Gründen können Ideen nicht umgesetzt werden?

Jäger: Gründe für das Scheitern sind beispielsweise das Fehlen einer Marktanalyse, kein realer Kundenbedarf (Pain Points) und eine zu ambitionierte, kostengetriebene Zeitplanung.

förderland: Kann man mit zunehmender Erfahrung gute Ideen schon in der Diskussionsphase von schlechten Ideen unterscheiden? Gibt es allgemeingültige Kriterien zum Aussieben?

Jäger: Ja, durchaus. An sich gibt es, neben der technologischen Machbarkeit, aber nur ein Kriterium: den Markt!

förderland: Werden Forschung und Entwicklung Ihrer Ansicht nach ausreichend vom Staat gefördert?

Jäger: Neben der finanziellen Förderung ist es Aufgabe des Staates, für eine Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu sorgen. Dazu bedarf es entsprechender Rahmenbedingungen und einer forschungsfreundlichen Gesetzgebung. Hier sehe ich nach wie vor einen Nachholbedarf.

Bei Direktförderung von Innovationen wird zwar die Forschung gefördert, aber dabei wird  die Unterstützung der Markteinführung - etwa von Start-ups - vergessen.

förderland: Wie wichtig ist die Unterstützung des Marketings für Innovationsprojekte eines Unternehmens? Gibt es eine Marketingkampagne für eine Innovation, die Sie besonders beeindruckt hat?

Jäger: Marketing ist neben der technischen Lösung die andere Säule des Innovationsangebots. Mit anderen Worten: Ohne Marketing wird Innovation nicht stattfinden.

Versteht man unter Marketing nur Promotion und Vertrieb ist zum Beispiel die Kampagne rund um das Apple iPhone beeindruckend.

förderland: Was sind die häufigsten Fehler, die beim Marketing von Innovationen gemacht werden können?

Jäger: Der häufigste Fehler ist sicher die (zu) späte Beteiligung des Marketings am Innovationsprozess und die Reduzierung von Marketing auf Werbung und Vertriebsunterstützung. Dabei besteht die Gefahr, den Marktbedarf unzureichend berücksichtigt zu haben.

förderland: Wo stehen die deutschen Unternehmen beim Innovationsmarketing im internationalen Vergleich?

Jäger: Das ist meiner Ansicht nach weniger eine länderspezifische Frage, sondern branchen- und unternehmensabhängig. In diesem Zusammenhang sind in jüngster Zeit Unternehmen der Unterhaltungselektronik (Apple) oder der Automobilindustrie (Audi A5) hervorzuheben.

förderland: Welche drei Tipps können Sie Gründern und Jungunternehmern beim Innovationsmarketing mit auf den Weg geben?

Jäger: Erstens: Kein Projekt ohne vorherige Marktanalyse starten. Zweitens: Früh den (Lead-) Kunden einbinden und drittens: Auf jeden Fall eine klare Markteintrittsstrategie entwickeln.

förderland: Und welche drei Tipps würden Sie Gründern und Jungunternehmern ganz allgemein beim Aufbau eines Unternehmens mit auf den Weg geben?

Jäger:
1. Fokus auf das Wesentliche
2. Mut zum Verzicht
3. Glaube an den Erfolg 

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.


Weitere Ausgaben der Interview-Serie:

Kommentare

  • J?rg-Ulrich Bunge

    09.10.08 (11:25:20)

    Vielen Dank f?r diesen Artikel.
    Da ich nunmehr als Patentinhaber meine Innovation "Volksbauhaus" bislang selbst gestaltet und akquiriert habe, wei? ich jetzt, dass ich bislang alles richtig gemacht habe. Meine Gr?ndung soll am 01. November 2008 stattfinden.
    Der Gr?ndungsstandort ist noch nicht fixiert.
    Mit freundlichem Gru?
    Dipl.Ing. J?rg-Ulrich Bunge

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