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12.10.10Kommentieren

Interview mit Chris Schiebel, deinblick.com

"Offerten gab es bereits, noch habe ich aber alle abgelehnt"

Ein Print-Life-&-Style-Magazin, dessen Inhalte zu 100 Prozent durch Online-Benutzer erstellt werden – wegen dieser Idee verabschiedete sich Chris Schiebel vor etwa einem halben Jahr von einem gut bezahlten Job und seinem Firmenwagen. Ob das die richtige Entscheidung war, erzählt er im Interview mit förderland.

Chris Schiebel, Managing Director deinblick.comChris Schiebel, Managing Director deinblick.com

förderland: Hallo Chris, stell dich doch bitte kurz unseren Lesern vor …

Chris Schiebel: Ich bin 26 und, so würden andere über mich urteilen, ein bisschen verrückt. Schmiss vor einem halben Jahr einen gut bezahlten Job mit Firmenwagen und allem drum und dran, um einer eigenen Geschäftsidee nachzugehen und mich als Verleger selbständig zu machen.

Deinblick ist das erste Print-Life-&-Style-Magazin, dessen Inhalte zu 100 Prozent durch Online-Benutzer erstellt werden. Was ist die Idee dahinter?

Schiebel: deinblick ist ein Print-Magazin, dass dem Leser ganz neue und persönliche Einblicke (d + einblick) ermöglicht. Mit jeder Ausgabe begibt man sich auf eine Weltreise unter dem von uns voran gestellten Motto. Unter diesem sammeln wir Beiträge von Leuten wie dir und mir, authentisch und individuell. Von Menschen aus aller Welt, die etwas zu erzählen haben, wovon man sonst wohl aber nie etwas gehört hätte. Alles was spannend und druckbar ist, kommt ins Magazin.

Sie geben für jede Printausgabe ein weit gefasstes Motto vor, aktuell beispielsweise "MY HOME IS MY CASTLE". Wie geht es dann weiter?

Schiebel: Da das Motto immer ein aus dem Leben gegriffenes Thema behandelt, und das Leben selbst so unglaublich vielseitig und abwechslungsreich ist, wird uns der Stoff wohl nie ausgehen. Das Motto mit jeder Ausgabe zu wechseln ermöglicht es uns, alle 2 Monate ein wieder frisches und aufregendes Magazin heraus zu bringen. So entwickeln wir uns ständig weiter, erfinden uns von Ausgabe zu Ausgabe neu. Denn auch wir wissen ja nicht, was die User einsenden werden. Es macht sehr viel Spaß sich darauf einzulassen und so inspiriert das jeweilige Magazin zu gestalten.

Welches Motto wir im kommenden Magazin behandeln wird natürlich noch nicht verraten. Es wird aber wieder viel Spielraum zur Interpretation und für spannende Assoziationen bieten.

Nach welchen Kriterien wählt die Redaktion aus, welche Beiträge es ins Heft schaffen?

Schiebel: Natürlich wollen wir, dass das Magazin unsere Handschrift trägt und so sind wir es, die schlussendlichen die Beiträge auswählen. Die Kriterien sind schnell benannt: Der Beitrag sollte möglichst individuell sein und eine besondere Geschichte oder Person in den Mittelpunkt stellen. Alles was uns kickt, bringen wir rein. Je ausgefallener desto besser. So versuchen wir verschiedene Perspektiven auf das Motto darzustellen und das aus möglichst vielen Winkeln der Erde.

Wer haftet für den User Generated Contend, beispielsweise wenn ein User falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet?

Schiebel: Hier sind wir natürlich in der Pflicht jede Einsendung zu prüfen und hinsichtlich der Plausibilität zu bewerten. Mit dem Hochladen und der Bestätigung unserer AGB durch die User sichern wir uns ferner rechtlich ab, dass zumindest keine Urheberrechte verletzt werden.

Wir gestalten die Beiträge immer möglichst persönlich, beziehen alle Inhalte auf den User, der stets als Autor genannt wird. So ist dem Leser auch klar, dass wir das Magazin als Medium der Selbstdarstellung anbieten, also mit Inhalten nicht zwangsläufig übereinstimmen.

Hilfreich ist auch: Mit unserer Art der Kommunikation auf Augenhöhe und dem direkten Kontakt zu den Usern, haben wir eine Art Frühwarnsystem. So fällt schneller auf, wenn etwas verdächtig ist.

Das Magazin erscheint nur in englischer Sprache. Warum?

Schiebel: Der internationale Austausch ist uns wichtig. Dies ist in englischer Sprache am besten zu verwirklichen. In Zusammenarbeit mit den Autoren, achten wir darauf die Texte leicht verständlich zu präsentieren. Das Magazin wirkt zudem über seine Bilder, Aufnahmen und Grafiken. Oft sprechen diese schon für sich alleine.

Wie finanziert sich das Magazin?

Schiebel: Im Wesentlichen durch Werbeanzeigen. Diese sind immer nur sehr selektiv gewählt und stets auf das jeweilige Motto oder das Gesamtkonzept des Magazins abgestimmt. So trifft der Werbende seine Zielgruppe und wird positiv wahrgenommen und der Leser fühlt sich nicht gestört, sondern viel eher angesprochen.

Konnten Sie Business-Angels/Investoren von ihrem Konzept überzeugen und was raten Sie anderen Gründern, um erfolgreich Investoren ins Boot zu holen?

Schiebel: Derzeit sind keine fremden Investoren am Geschäft beteiligt. Offerten gab es bereits, noch habe ich aber alle abgelehnt. Mir ist es zu Beginn des Projektes sehr wichtig, das Unternehmen und auch das Produkt so zu gestalten, wie es meiner ursprünglichen Idee entspricht. Für die Zukunft will ich Beteiligungen aber keineswegs ausschließen, gerade wenn es um größere Wachstumssprünge geht.

Die User füllen das Magazin mit Inhalten. Wer hat die Uhrheber- und Verwertungsrechte daran? Und werden die User am Umsatz beteiligt?

Schiebel: Der User bleibt ganz klar Urheber seines Werks. Uns räumt er ein einfaches Nutzungsrecht ein, um es unter Nennung seines Namens im Magazin und im Download-Bereich zu veröffentlichen. Hat ein Leser Interesse an einem einzelnen Beitrag, z. B. einem Bild aus dem Magazin, so kann er dies im Download-Bereich bestellen. Am Nettoerlös ist der entsprechende Autor zu 40% beteiligt.

Sie haben sich mit der Unternehmergesellschaft (UG) als relativ junger Rechtsform (seit 2008 möglich) für eine „Mini-GmbH“ entschieden. Warum diese Wahl der Rechtsform?

Schiebel: Alleine der Umgang mit so heiklen Themen wie dem Urheberrecht und das Auftreten als seriöses, internationales Unternehmen veranlassten mich eine Kapitalgesellschaft zu gründen. Als UG sind wir rechtlich gestellt wie eine GmbH, nur genügt zunächst ein geringeres Stammkapital als Einlage. Auch die Anmeldung ging super schnell. Als Einstieg mit nur einem Gesellschafter ist die UG einfach ideal.

Deinblick ist on demand, d. h. gedruckt wird nur die Anzahl an Magazinen, die vorab an Bestellungen auf der Homepage eingegangen ist. Ab wie vielen Exemplaren arbeiten sie wirtschaftlich?

Schiebel: Mit dem bloßen Umfang der Auflage lässt sich diese Frage nicht beantworten. Erlöse generieren wir neben dem Verkauf des Magazins durch Anzeigen und den Download-Bereich. Auch kostet das Magazin weltweit einheitlich 5 Euro. Je Magazin ergibt sich folglich ein anderer Ertrag, betrachtet man den Versand innerhalb Deutschlands oder in den Rest der Welt.

Ein Vorteil des Verfahrens ist, dass sich weitere Exemplare immer nachdrucken lassen. Warum limitieren sie trotzdem die Auflage und schließen Nachdrucke aus?

Schiebel: Der Inhalt eines Magazins bezieht sich stets auf die User und deren Leben im Hier und Jetzt. Und das sollen exklusive Einblicke bleiben. Vintage hin oder her …

Es gibt natürlich immer wieder Studien, die zeigen, dass nur ein geringer Teil der Nutzer interessiert ist am "Mitmach-Netz" und dass die Mehrzahl lieber in der Konsumenten-Rolle verharrt. Warum glauben Sie trotzdem an die Zukunft des User Generated Contend?

Schiebel: Der Anteil mag gering sein, aber international betrachtet, bin ich der Meinung, wird das Konzept auf eine ausreichend große Menge von Leuten treffen, die das Magazin als Bühne betrachten.

Vielen Dank für das Interview!

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