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10.02.09Leser-Kommentar

Interview mit Christian Klemenz, Munich Venture Summit

"Nirgendwo ist die Lernkurve so steil wie bei der Gründung eines Unternehmens"

Der Hintergrund: Christian Klemenz ist derzeit Student im sechsten Semester an der Munich Business School und veranstaltet mit weiteren Kommilitonen unter dem Motto "Gründen - Jetzt erst recht!" den ersten Munich Venture Summit. In den Räumen der Munich Business School in München kommen am 14. März Studenten, Gründer und Kapitalgeber zum gegenseitigen Austausch und Networking zusammen. Ebenfalls auf dem Programm stehen Vorträge erfolgreicher und – zumindest in der Gründerszene auch prominenter – Gründer: So werden beispielsweise Lukasz Gadowski, Felix Haas und Ehssan Dariani dabei sein.

förderland: Herr Klemenz, worum geht es beim "Munich Venture Summit"? Was erwartet die Teilnehmer bei der Veranstaltung?

Christian Klemenz: Der Munich Venture Summit versteht sich als studentischer Gründerkongress von Studenten für Studenten. Wir wollen gründungsinteressierten Studenten (und natürlich auch Absolventen, Azubis und Jungunternehmern) eine Plattform zum Austausch bieten, auf der sie sich vernetzen, Ideen austauschen und Projekte realisieren können. Neben Fachvorträgen und Paneldiskussionen von einigen der namhaftesten Venture Capitalists und Business Angels des deutschsprachigen Raumes werden Start-ups und Gründungsorganisationen auf dem Kongress ausstellen und es wird verschiedene Workshops geben, bei denen sich die Teilnehmer aktiv in die Veranstaltung mit einbringen können. 

Das Motto des Gründerkongresses lautet "Gründen – Jetzt erst recht!". Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen? 

Klemenz: Unser Kongress findet mitten im viel zitierten Krisenjahr 2009 statt. Viele Betriebe haben Einstellungsstopps verordnet und fahren ihre Investitionen zurück. Doch unternehmerische Möglichkeiten für Gründer bieten sich in jeder Situation. Insbesondere wirtschaftlich schwierige Zeiten eröffnen jungen Unternehmensgründern die Chance, in Marktnischen vorzudringen, die bis dato von etablierten Unternehmen besetzt waren. So zeigte bereits die Vergangenheit, dass aus Wirtschaftskrisen heraus einzigartige unternehmerische Erfolgsgeschichten geschrieben werden. Diese Tatsache wollen wir auf unserem Kongress thematisieren und die Teilnehmer somit für eigene unternehmerische Aktivitäten sensibilisieren.

Mit dem Munich Venture Summit wollen Sie ja speziell Studenten ansprechen und zum Gründen animieren. Denken Sie, dass auf diesem Gebiet in Deutschland zu wenig geschieht?

Klemenz: Definitiv! Vor dem Platzen der ersten Internetblase und in jüngster Vergangenheit gab es zwar eine gewisse Gründerwelle, die nun durch die Finanzkrise jäh beendet zu seien scheint, doch wirklich nachhaltig konnte sich Unternehmertum als attraktive Alternative zum Angestelltenverhältnis in der Breite nicht durchsetzen. 

Was denken Sie, muss an deutschen Hochschulen passieren, um Gründergeist zu wecken und die Unternehmensgründung zu einer echten Alternative zur Jobsuche nach dem Studium zu machen?

Klemenz: Die Einrichtung von fakultätsübergreifenden Entrepreneurship-Lehrstühlen sowie die Gründung von gründungsfördernden Organisationen an Hochschulen sind sicherlich der erste Schritt in die richtige Richtung, doch um einen radikaleren Wandel in den Köpfen zu erzielen, ist sicherlich ein tief greifender Mentalitätswechsel notwendig. Unternehmensgründung muss auch im Falle eines Scheiterns als wertvolle Erfahrung im beruflichen Werdegang anerkannt und nicht als Versagen stigmatisiert werden. Eine höhere Risikobereitschaft muss gesellschaftlich nicht nur akzeptiert, sondern sogar gefördert werden.

Halten Sie es für ratsam bereits während des Studium bzw. kurz nach Abschluss ein eigenes Unternehmen zu gründen oder können ein paar Jahre Berufserfahrung hilfreich sein?

Klemenz: Grundsätzlich ist es aus jeder Situation heraus, ob mit Berufserfahrung oder ohne, möglich, unternehmerisch aktiv zu werden. Doch sollte sich niemand allein aufgrund mangelnder Erfahrung davon abhalten lassen, das Abenteuer Unternehmertum einzugehen. Nirgendwo ist die Lernkurve so steil und der Zuwachs an Know-how so groß wie bei der Gründung eines Unternehmens, für das man selbst die Verantwortung übernimmt. Sicherlich ist nicht jeder ein geborener Unternehmer und für diese Herausforderungen geeignet, doch der internationale Vergleich verdeutlicht, dass sich deutsche Studenten ruhig etwas mehr Mut zutrauen könnten.

Mit Lukasz Gadowski (Spreadshirt-Gründer, Business Angel und Venture Capitalist), Felix Haas (Gründer und CEO von amiando) und Oliver Jung (u. a. Dawanda.de) konnten Sie namhafte Unternehmerpersönlichkeiten als Redner gewinnen.  Wie können junge Gründer davon profitieren?

Klemenz: Die deutsche Gründerszene lebt vom Erfahrungsaustausch und Netzwerken, die es ermöglichen, Projekte schnell umzusetzen. Erfreulicherweise haben sich die bedeutendsten Akteure in der Szene dazu bereit erklärt, auf unserem Kongress zu referieren. Ich denke wir können von uns behaupten, das "who is who" der Branche aufzubieten. Dies bietet für alle Teilnehmer die einmalige Chance, mit den Entscheidungsträgern und Finanziers persönlich ins Gespräch zu kommen und eigene Ideen zu bewerben. 

Gibt es Ihrer Meinung nach in Deutschland genügend dieser Erfolgsgeschichten und werden diese ausreichend in den Medien kommuniziert ?

Klemenz: Leider nicht. Viele bedeutende deutsche Unternehmer sind in der öffentlichen Wahrnehmung kaum präsent. Denn erfolgreiche Unternehmensgründer müssen sich in Deutschland leider auch allzu oft einem verdeckten Sozialneid ausgesetzt sehen, obgleich ihre Leistungen hohe Anerkennung verdienen. Dennoch bin ich optimistisch, dass die veränderten ökonomischen Rahmenbedingungen und der soziologische Wandel in der Gesellschaft einen Mentalitätswechsel hervorrufen werden, der Unternehmertum in Deutschland zukünftig einen angemessenen Stellenwert beimessen wird. Wir wollen mit unserer Veranstaltung dazu einen Beitrag leisten.

Vielen Dank für das Interview.

Kommentare

  • Steffen

    01.03.09 (13:36:55)

    Ich finde es gerade gut, wenn man direkt nach oder sogar schon w?hrend seines Studiums ein Unternehmen gr?ndet.

    In der Zeit hat man noch keine finanzielle Verantwortung (Famile, Hausfinanzierung, etc.) und auch keine gro?en anspr?che, die es zu bezahlen gilt.

    Man kann also mit einem eher m??igen Gehalt starten und ist keinem Druck ausgesetzt.

    Wir haben das so gemacht und ich w?rde es wieder machen.

    Nat?rlich ist es wichtig mit erfahrenen Unternehmern oder Gr?ndern zu sprechen. Man kann von Ihnen viel lernen und vor allem "teure" Fehler vermeiden.

    Wenn auf der summit solche Redner sind, dann kann ich nur empfehlen ein Ohr daf?r bereit zu halten.

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