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10.01.13Kommentieren

Interview mit Professor Jörn Block, Universität Trier

Nebenerwerbsselbstständigkeit: Vor- und Nachteile

Professor Jörn Block von der Universität Trier untersucht zusammen mit dem Institut für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier (inmit) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in einer großangelegten Studie Nebenerwerbselbstständige und vergleicht diese mit Vollerwerbsselbständigen. Wir haben ihn zu dem Forschungsprojekt befragt.

Professor Jörn Block von der Universität TrierProfessor Jörn Block von der Universität Trier

Was bedeutet Nebenerwerbsselbstständigkeit und warum forschen Sie auf diesem Gebiet?

Schon die Definition ist nicht ganz einfach: In unserer Studie bezeichnen wir als Selbständige im Nebenerwerb alle, die zusätzlich zu einer anderen Tätigkeit wie Anstellung, Studium, Schule, Rente, Elternzeit oder Arbeitslosigkeit gründen bzw. selbständig sind.

Je nachdem welche Quelle und Definition man verwendet finden aktuell bis zu 55 Prozent der Existenzgründungen in Deutschland im Nebenerwerb statt. Die Nebenerwerbsgründung stellt also einen bedeutenden Teil des Gründungsgeschehens dar und durch die zunehmende Flexibilisierung des Erwerbslebens werden Nebenerwerbsgründungen tendenziell weiter an Bedeutung gewinnen.

Derzeit ist über diese Gründer jedoch sehr wenig bekannt: Wer gründet im Nebenerwerb? Mit welchem Ziel? Was sind spezifische Schwierigkeiten? Handelt es sich um einen Zwischenschritt auf dem Weg zur Haupterwerbsselbstständigkeit? Die Studie soll erstmals ein umfassendes Bild der Gruppe der Nebenerwerbsgründer liefern, um daraus konkrete Handlungsvorschläge für eine besserte Gründungspolitik abzuleiten.

Was macht eine Gründung im Nebenerwerb so attraktiv?

Basierend auf Experteninterviews scheinen vier wichtige Aspekte zu existieren, nach Abschluss der Studie können wir dies hoffentlich auch belegen:

1. Erster Schritt in die Selbstständigkeit: Viele wollen eine Geschäftsidee und ihre eigenen Fähigkeiten testen um wichtige Erfahrungen zu sammeln ohne gleich das volle unternehmerische Risiko einzugehen. Wenn der Test erfolgreich war ist der Übergang in die Haupterwerbsselbständigkeit einfacher und mit weniger Risiko verbunden als bei einer Haupterwerbsgründung.


2. Flexibilität: Aufgrund der Lebenssituation steht für viele Menschen eine Vollzeit-Selbstständigkeit außer Frage, z.B. für Mütter mit kleinen Kindern. Ort und Zeit der Selbständigkeit kann flexibler an das Lebensumfeld angepasst werden als bei den meisten Jobs oder einer zeitintensiven Haupterwerbs-Selbständigkeit.

3. Kleine Nische: Viele Geschäftsideen bedienen Nischen die nicht groß genug sind um den kompletten Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine Nebenerwerbsselbstständigkeit bietet hier die Möglichkeit einen Zuverdienst zu generieren ohne, dass eine Haupterwerbsselbständigkeit je in Frage käme.

4. Selbstverwirklichung: Ein Teil der Nebenerwerbsgründer ist finanziell nicht auf die Einkünfte aus der Selbständigkeit angewiesen, es geht eher um die Selbstverwirklichung. So kann zum Beispiel ein Hobby als selbständige Tätigkeit ausgeführt werden bei dem der finanzielle Gewinn nebensächlich ist.

Besteht bei Nebenerwerbsselbstständigkeit nicht die Gefahr zwischen den unterschiedlichen Tätigkeiten aufgerieben zu werden? Positiv gefragt: Wie können Gründungen im Nebenerwerb erfolgreich sein?

Die Doppelbelastung ist sicher eine Herausforderung die Nebenerwerbsselbständige meistern müssen. Ein gutes Zeit- und Prioritätenmanagement ist wichtig. Auch sind für Gründer im Nebenerwerb viele Türen zu Förderangeboten verschlossen. Des Weiteren finden Nebenerwerbsselbständige häufig weniger gesellschaftliche Anerkennung als Haupterwerbsselbständige und werden teilweise sogar belächelt.

Noch sind dies aber größtenteils Vermutungen, da diese Aspekte bisher noch nirgends fundiert erfasst wurden. Über die Probleme und Bedürfnisse dieser Gruppe haben wir hauptsächlich anekdotenhafte Informationen, aber keine fundierte Wissensgrundlage.

Wer sollte an der Studie teilnehmen?

Sowohl Gründer im Haupt- als auch Nebenerwerb sind für die Studie sehr wichtig um die Unterschiede beider Gruppen herauszuarbeiten und fundierte Handlungsempfehlungen abzuleiten. Nur durch eine zahlreiche Teilnahme ist es möglich, die unterschiedlichen Facetten des Gründungsgeschehens zu erfassen und eine ausgewogene Gründungspolitik mitzugestalten. Deshalb meine dringende Bitte: Nehmen Sie an der Onlineumfrage teil und informieren Sie auch Selbständige im Bekanntenkreis darüber! 

Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt und unter allen Teilnehmern verlosen wir 25 Amazon Gutscheine zu je 25,00 Euro.

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