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01.09.09Kommentieren

Interview mit Peter Waleczek, Herrenschmiede GmbH

"Nach Plan läuft am Anfang einer Gründung grundsätzlich wenig"

Anzüge nach Maß – zu bestellen im Internet. Wie das funktioniert und wie man mit diesem Geschäftskonzept Geld verdienen kann, erklärt Peter Waleczek, Gründer der Herrenschmiede GmbH, im Interview mit förderland.

Peter Waleczek, Gründer Herrenschmiede GmbHPeter Waleczek, Gründer Herrenschmiede GmbH

förderland: Hallo Herr Waleczek, wer sind Sie und was machen Sie?

Peter Waleczek: Hallo. Ich bin Gründer und Geschäftsführer der Herrenschmiede GmbH, einem jungen Berliner Start-up, das versucht den Luxus und die Qualität von individueller Maßbekleidung mit den Vorteilen des modernen E-Commerce zu verbinden. Vor und zum Teil auch noch während der Gründung habe ich an der Uni Mannheim und an der HEC Paris BWL studiert. Erste Gründerluft habe ich bei der Jobbörse Absolventa geschnuppert, wo ich das Glück hatte, noch in einer recht frühen Phase als Praktikant mitarbeiten zu dürfen. Seitdem hat mich Berlin und die Gründerszene nicht mehr los gelassen.

Herrenschmiede bietet Maßanzüge via Internet – und "bringt den Schneider zu Ihnen nach Hause", wie es auf Ihrer Website heißt. Wie funktioniert das

Waleczek: Wir bringen den Schneider auf zwei Wegen direkt nach Hause und einem dritten bis vor die Haustür. Zum einen hat der Kunde bei uns die Möglichkeit, den ganzen Bestellvorgang bequem von zu Hause aus zu erledigen. Wir bieten auf unserer Webseite eine bebilderte Anleitung an, wie man sich mit Hilfe einer zweiten Person ausmessen kann. Anschließend kann man sich seinen Wunschanzug oder sein Wunschhemd selbst komplett am Computer konfigurieren. Zum anderen bieten wir auch kostenlose Kundenbesuche an, also das der Schneider auch tatsächlich nach Hause kommt. Dieser Service ist allerdings zurzeit nur auf Berlin beschränkt, wird aber im Laufe des Jahres auf weitere Städte ausgeweitet. Die dritte Möglichkeit ist, zu einem unserer 90 Servicepartner zu gehen und sich dort vermessen zu lassen. Der Rest, sprich den Bestellvorgang, kann dann wieder vom heimischen Sofa erledigt werden.

Was bieten Sie Ihren Kunden für Vorteile? Warum nicht einfach zum Herrenausstatter um die Ecke gehen?

Waleczek: Der erste Vorteil ist natürlich die Passform. Wir garantieren einen passgenauen Sitz, da jedes einzelne Stück bei uns erst nach der Bestellung auf die vorgegeben Körpermaße geschneidert wird. Der zweite Vorteil ist, dass bei uns jeder sich sein individuelles Produkt zusammenstellen kann, und jedes Detail nach Wunsch gefertigt wird - egal, ob das der extra breite Kragen ist oder der eingestickte Name. Drittens sind wir in Sachen Preis mindestens auf Augenhöhe mit vergleichbarer Stangenware und deutlich schneller als andere Maßschneider, was die Liefergeschwindigkeit betrifft.

Wie ist die Idee zu Herrenschmiede entstanden?

Waleczek: Die Idee kam mir vor mehr als einem Jahr, als ich mir für Bewerbungsgespräche einen passenden Anzug kaufen wollte. Dabei hat leider entweder nur die Jacke gepasst oder die Hose. Nie beides. Damals hatte mich ein Freund zu seinem Schneider mitgenommen, und ich habe mir ein Maßanzug machen lassen. Acht Wochen später und um paar Euro leichter hatte ich den Anzug dann in den Händen. Ich war mir sicher, nicht mit dem Problem allein zu sein und war felsenfest davon überzeugt, dass man ein Maßanzug sicherlich auch günstiger, aber insbesondere auch schneller hinbekommen muss. Schnell konnte ich meine beiden Partner Tim Selke und Katharina Putick von der Idee begeistern, und Herrenschmiede war geboren.

Läuft bis jetzt alles nach (Business-)Plan? Wieviele Verkäufe konnten Sie bereits generieren? Wie ist das Feedback der Kunden? Machen Sie bereits Gewinn?

Waleczek: Nach Plan läuft am Anfang einer Gründung grundsätzlich wenig. Viele Sachen, die wir uns am Anfang ausgedacht haben, mussten wir im Laufe der Zeit wieder über den Haufen werfen. Aber die grobe Richtung stimmt. Das Feedback unserer Kunden ist sehr positiv, und wir verkaufen zurzeit noch viel über persönliche Empfehlungen. Genaue Verkaufszahlen kann ich hier leider nicht nennen, aber die Kurve zeigt deutlich nach oben. Der August wird aller Voraussicht nach der erste Monat sein, an dem am Ende etwas übrig bleibt.

Wie finanziert sich Herrenschmiede überhaupt?

Waleczek: Herrenschmiede ist komplett eigenfinanziert. Am Anfang haben vor allem wir drei Gründer unser Geld in den Topf geworfen. Es gab aber auch einige Personen aus dem Familien- und Freundeskreis, die an die Idee glauben und uns am Anfang ein bisschen unterstützt haben. Mittlerweile deckt sich der größte Teil der Kosten über den Umsatz.

Beschreiben Sie uns doch mal die Prozesse, die in Gang gesetzt werden, wenn ich bei Ihnen einen Anzug bestelle, damit sich unsere Leser eine Vorstellung davon machen können, was sich hinter dem Frontend der Website verbirgt!

Waleczek: Zunächst einmal werden die Maße überprüft und plausibilisiert, das heißt anhand der Angabe der Körpergröße, des Körpergewichts und einiger weiterer Maße überprüfen wir ob die Maße zumindest statistisch passen. Fällt uns eine besonders große Abweichung auf haken wir noch einmal nach. Ist alles ok gehen die Bestellungen zu unserem Schneider. Dort wird jedes Kleidungsstück in Handarbeit innerhalb von acht bis 12 Tagen gefertigt und uns zugeschickt. Bei uns durchlaufen alle Produkte nochmal einen manuellen Qualitätscheck. Erst dann werden Sie dem Kunden zugeschickt oder bei uns direkt abgeholt.

Gab es während des Gründungsprozesses Schwierigkeiten (z. B. beim Aufbau von Kooperationen, der Finanzierung, etc.)? Wann ja, wie haben Sie die gemeistert?

Waleczek: Am Anfang gibt es immer kleinere und größere Schwierigkeiten. Ich glaube am Anfang hatten wir besonders mit der Geduld zu kämpfen. Wir waren hoch motiviert und wollten unsere Ideen am liebsten alle sofort umsetzen. Das geht bekanntlich nicht und besonders die Auswahl der richtigen Zulieferer und die perfekte Abstimmung der Maße mit unserem Schneider haben sehr lange gedauert, sind aber auch natürlich die wichtigsten Punkte bei uns. Eine Hemmschwelle ist bei uns nach wie vor das Ausmessen der Kunden, viele sind am Anfang gegenüber der Selbstvermessung skeptisch, dabei ist es wirklich einfach und funktioniert gut. Diese Hemmschwelle versuchen wir durch unsere Service- und Vertriebspartner zu egalisieren.

Denken Sie, dass E-Commerce mittelfristig dem stationären Handel den Rang ablaufen wird?

Waleczek: Ich denke niemals ganz, aber mittelfristig wird der E-Commerce dem stationären Handel sicherlich weitere Marktanteile abnehmen. Den Vorteil der persönlichen Beratung und die sofortige Verfügbarkeit der Produkte wird der Handel vorerst behalten. Ich glaube in Zukunft wird es für den stationären Handel noch mehr um die Verzahnung von Online Leads und Offline Verkäufen gehen.

Auf welche Neuerungen können sich Herrenschmiede-Kunden in nächster Zeit freuen?

Waleczek: Zum einen werden wir den „offline“-Bereich, bei dem ein Mitarbeiter von uns zum Kunden nach Hause oder ins Büro kommt weiter ausbauen. Des Weiteren werden wir online versuchen unsere Website immer weiter zu verbessern, beispielsweise durch einen bebilderten Konfigurator. Weiterhin werden wir auf unserer Website neue Stoffe für Anzüge und Hemden anbieten, sowie unsere Produktpallette sinnvoll erweitern.

Vielen Dank für das Interview!

Waleczek: Ich bedanke mich.

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