<< Themensammlung Gründung

30.09.08

Start-up-Finanzierung

Mangel an Risikokapital für innovative Gründer

Die Gründungsdynamik in der deutschen Hightech-Industrie ist unbefriedigend: Im Jahr 2000 erreichte die Zahl der Gründungen im IT-Sektor mit 9322 ihren Höhepunkt. Doch trotz der insgesamt positiven Marktentwicklung hat sich die Zahl der Firmengründungen im Bereich Hardware, Software und IT-Dienstleistungen mit 4106 Gründungen im Jahr 2007 mehr als halbiert. Hauptgrund für die geringe Zahl neuer Start-ups ist aus Sicht des BITKOM die ungünstige Finanzierungssituation in Deutschland, die sich aufgrund der anhaltenden Krise der Finanzmärkte weiter verschlechtern wird.

Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat steht hierzulande deutlich weniger Wagniskapital für Start-ups zur Verfügung als in anderen Ländern: Der Anteil der Risikokapitalinvestitionen an der gesamten Wirtschaftsleistung ist in Deutschland 80 Prozent niedriger als im Durchschnitt der 15 EU-Kernländer. "Die deutschen Investoren halten sich bei der Finanzierung von Gründern vornehm zurück", erklärt BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer. "Der Mangel an Risikokapital entwickelt sich zu einem gravierenden Standortnachteil."

Wagniskapital als Anlageform in Deutschland mit miserablem Image

"Start-ups brauchen in Deutschland dringend eine bessere Kapitalversorgung", so  Scheer weiter. Angesichts der Finanzkrise sei derzeit sogar mit einer Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen für Gründer zu rechnen. Seit Jahren bremsen in Deutschland strukturelle Probleme die Versorgung des Marktes mit Wagniskapital. Eine Studie der Bundesregierung hat ergeben, dass sich in Deutschland insbesondere institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen oder Stiftungen mit Wagniskapitalanlagen zurückhalten – aufgrund geringer Renditeerwartungen, dem vermeintlich hohen Risiko und dem in Deutschland insgesamt schlechten Image dieser Anlageform. "Wagniskapital hat als Geldanlage in Deutschland bislang nicht den gleichen Stellenwert wie in den angelsächsischen Ländern", sagte Scheer. "Das ist nicht gerechtfertigt. Die Finanzierung innovativer Unternehmen sollte heute in jedes Portfolio institutioneller Anleger gehören."

Nach einer Umfrage des BITKOM scheiterten zwei Drittel der erfolglosen Unternehmensgründer, weil sie es nicht schafften, einen Kapitalgeber für ihre Ideen zu begeistern. Daher setzen 87 Prozent der befragten Gründer Eigenmittel ein. 31 Prozent erhalten Geld der öffentlichen Hand, etwa von Gründerfonds oder Förderbanken. Ein Fünftel leiht sich Geld bei Verwandten oder Freunden, 17 Prozent erhalten einen Kredit von der Bank und bei 13 Prozent engagieren sich Privatinvestoren. Risikokapitalgeber spielen nur bei 6 Prozent aller Gründer als Finanzierungspartner eine Rolle.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer