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05.06.08Leser-Kommentare

Interview mit Mark Miller

"Man will es ja nicht wie die Telekom machen"

Mark Miller ist Partner beim Beratungsunternehmen CatCap. Er berät und betreut Unternehmen, die Kapitalgeber gewinnen wollen. Im Interview stand er förderland Rede und Antwort.

Mark Miller von CatCap. Bild: CatCapMark Miller von CatCap. Bild: CatCap

förderland: Herr Miller, wenn Sie Gründer beim Unternehmensstart begleiten, welche Probleme treten am häufigsten auf?

Mark Miller: Neben der dünnen Kapitaldecke sind die größten Probleme Reibungen im Team oder Gesellschafterkreis und zu lange Vertriebszyklen. In vielen Fällen ist das Produkt zunächst zu komplex und geht am Marktbedarf vorbei und die Gründer steuern nicht um, obwohl sie es könnten.

förderland: Gibt es bestimmte Strategien, mit denen man Krisen begegnen sollte?

Miller: Man sollte ehrlich zu sich selbst sein, was die Marktchancen, die Produktqualität und die eigenen Kompetenzen betrifft. Die Strategie sollte lauten: Nachbessern! Das kann bedeuten, dass man sich auf ein Produkt konzentriert und alles andere zurückstellt. Es kann auch notwendig sein, die Mannschaftsaufstellung zu ändern – mit Ein- und Auswechslungen.

Ich habe auch schon erlebt, wie zwei Gründer vor ihren Investoren gegeneinander mit unterschiedlichen Konzepten gepitcht haben. Der Verlierer musste gehen und seine Anteile abgeben. Das wurde als Regel vorher so definiert. Der Gewinner konnte das Unternehmen gemäß seines Konzepts weiterentwickeln. Das hat dem Unternehmen sehr gut getan.

Im Allgemeinen kann es Sinn machen, einen Dritten, zum Beispiel einen Beirat oder einen Gesellschafter dazu zu holen, dem das Team vertraut und der den Konflikt auflöst oder eine andere Sicht auf die Dinge hat.

förderland: Wie halten sie es mit der Krisenkommunikation? Würden Sie den Unternehmern eher die Flucht nach vorne oder das goldene Schweigen empfehlen?

Miller: Es wird ja so viel geredet im Internet. In Blogs steht viel Unsinn, oft auch noch anonym. Man sollte nach außen eine realistische Sicht des Geschehens verbreiten. Es gibt aber Dinge, die müssen erst einmal intern gelöst werden, bevor man drüber spricht. Wenn also ein Geschäftsführer von Bord geht, dann verkündet man das am besten erst, wenn ein geeigneter Nachfolger präsentiert werden kann. Wenn das Produkt nicht funktioniert, dann müssen die Kunden als die Betroffenen natürlich informiert werden, aber auch darüber, welche Maßnahmen ergriffen wurden.

Die Mitarbeiter, gerade bei kleinen Unternehmen, merken ja, wenn eine Krise da ist. Hier sollten die wichtigsten ins Vertrauen gezogen werden. Da muss aber wirklich eine Vertrauensbasis da sein – man will und darf es ja nicht wie die Telekom machen und Telefonate ausspionieren.

Wer von der Krise nicht betroffen ist, den geht die Krise auch nichts an.

förderland: Was sollten Unternehmer beachten, wenn sie eine Krise in der Öffentlichkeit bekannt geben?

Miller: Dass ein Weg aus der Krise aufgezeigt wird.

förderland: Wie geht es nach der Krise weiter?

Miller: Mit einem engen Maßnahmencontrolling muss der Weg aus der Krise gegangen werden. Es sollte wöchentliche Jourfixe mit den Gesellschaftern oder dem Beirat geben, da es einen hohen Abstimmungsbedarf gibt.

Hier ist "Kämpfen" gefragt. Fast jedes Unternehmen hat solche Krisen. Die Guten stehen sie durch und erhalten das Vertrauen von den wichtigsten Stakeholdern wie Mitarbeitern, Kunden oder Investoren. Wer nicht dran glaubt, sollte gehen.

förderland: Welche Präventivmaßnahmen kann man ergreifen, um Krisen zu verhindern?

Miller: Alle Abweichungen (technisch, finanziell, personell, marktlich) zeitnah identifizieren. Dabei hilft ein gutes Reporting. Nicht zu lange an die falsche Idee oder die falsche Mannschaft glauben.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch! 

Kommentare

  • Stenz

    05.06.08 (12:05:43)

    Wenn Alle so handeln w?rden wie die Telekom, k?nnten wir den Laden dicht machen. Mit der Deutschen Bahn soll ja wohl schon der n?chste Spitzeldienst geoutet worden sein. Mal sehen, was da sonst noch so hochkommt...

  • Jensen

    05.06.08 (12:08:01)

    Stimmt, was die Telecom da macht, ist die H?rte! Aber die k?nnen die Pannen ja wenigstens noch totfinanzieren. Ein Gr?nder, der aus welchen Gr?nden auch immer, in eine Krise kommt, h?tte da wesentlich weniger M?glichkeiten. Insofern finde ich die Ratschl?ge von Herrn Miller wirklich gelungen. So kann man schon mit geringen Mitteln eine Krise eind?mmen.

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