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07.06.08Kommentieren

Interview mit Thorsten Rudolph

"Man sollte nie sein Hauptziel aus den Augen verlieren"

Thorsten Rudolph ist seit 2004 Geschäftsführer der Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen, die mit 34 Unternehmensgründungen zu einem der erfolgreichsten Inkubatoren im Bereich der Luft- und Raumfahrt sowie Satelliten-Navigation in Europa zählt. Vor dieser Zeit war er für das Technologiemarketing des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt am Standort Oberpfaffenhofen zuständig und hat sich dort vorrangig um die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen gekümmert.

Thorsten Rudolph. Bild: Thorsten RudolphThorsten Rudolph. Bild: Thorsten Rudolph

förderland: Herr Rudolph, das Anwendungszentrum unterstützt mit seinem StartUp-Programm technologieorientierte Unternehmensgründungen. Welche Voraussetzungen muss ein Start-up denn erfüllen, um gefördert zu werden?

Thorsten Rudolph: Neben der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit des Geschäftskonzeptes sowie der technischen Machbarkeit neuer Produkte sollten die Start-up-Teams vor allem über die notwendigen Management-Fähigkeiten und entsprechende Erfahrungen in der jeweiligen Branche verfügen. Zudem ist uns wichtig, dass wir die Unternehmen mit eigener Expertise und unseren nationalen und internationalen Kontakten unterstützen können.

förderland: In welcher Form greifen Sie Gründern und jungen Unternehmen unter die Arme? 

Rudolph: Mit dem Start-up-Programm leisten wir finanzielle Unterstützung, um wirtschaftliche Risiken in der Anfangsphase zu minimieren. Diese Mittel können vom Gründer eingesetzt werden, um Coaching- und Marketing-Leistungen zu finanzieren. Zudem kann der Gründer die Infrastruktur des Anwendungszentrums für sechs Monate kostenfrei nutzen, um sich von Anfang an gegenüber seinen Kunden in einem professionellen Umfeld zu präsentieren. Zudem helfen wir mit wertvollen Kontakten zu Unternehmen aus verschiedenen Hightech-Branchen und stellen Kontakte zu Finanzgebern und Fördermitteleinrichtungen her. Als einzigartiges Angebot finanzieren wir auch Prototyp-Entwicklungen der Unternehmen mit und leisten somit wertvolle Unterstützung bei der weiteren Produktentwicklung der Firmen.

förderland: Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Fehler, die Gründer beim Aufbau ihres Unternehmens begehen? Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Rudolph: Neben den üblicherweise immer wieder genannten Fehlern sollte man trotz aller Hektik nie sein Hauptziel aus den Augen verlieren. Ein schlimmer Fehler in der Anfangsphase ist nach meiner Beobachtung, wenn zu viel Energie auf Nebenschauplätzen verloren geht. Wichtigste Voraussetzung, damit es nicht dazu kommt, ist eine realistische Geschäftsplanung und eine regelmäßige, kritische Kontrolle der erreichten und nicht erreichten Ziele.

förderland: Welche Eigenschaften zeichnen Ihrer Ansicht nach einen erfolgreichen Gründer aus?

Rudolph: Wir haben es meistens mit Teams zu tun, sodass man das Zusammenspiel und die Summe der Fähigkeiten dieser Teams und nicht die des Einzelnen beurteilen muss. Das ist vergleichbar mit dem Racing-Team einer Hochseejacht. Da brauchen Sie ja heute auch ein erfahrenes, gut eingespieltes Team, um sich in diesem Hightech-Sport überhaupt Chancen ausrechnen zu können. Wichtig erscheint mir, dass der Einzelne, entsprechend seinen Fähigkeiten, seinen Platz im Unternehmen einnimmt. Allerdings werden Sie keine Segeljacht sicher in den Hafen bringen, wenn bestimmte Positionen nicht besetzt sind. Das als Team zu erkennen beziehungsweise durch externe Unterstützung auszugleichen, ist ein wichtiger Punkt. Im Übrigen gibt es viele Beispiele in der Industriegeschichte, wo kleine Teams große Erfolge erzielt haben.

förderland: Sie richten in diesem Jahr zum fünften Mal die European Satellite Navigation Competition (ESNC) aus. An wen richtet sich dieser Wettbewerb?

Rudolph: Der ESNC richtet sich an Innovatoren aller Art aus der ganzen Welt. Ob Student oder Professor, Gründer oder Mittelstand, gesucht werden Ideen, die das enorme Potenzial der Satellitennavigation nutzen, sowie bestehende Anwendungen zu verbessern und neue Anwendungsfelder zu erschließen.  

förderland: Welchen Nutzen haben Gründer und junge Unternehmer von einer Teilnahme?

Rudolph: Neben dem Preisgeld, das mit 20.000 Euro dotiert ist und einem kostenlosen Platz in einem europäischen Inkubator nach Wahl, erhalten alle Teilnehmer über die regionalen Management-Organisationen Gründungs-Unterstützung und Beratung jeglicher Art sowie Zugang zu einem einzigartigen Experten-Netzwerk. 

förderland: Gab es denn in den letzten Jahren einen Wettbewerbsteilnehmer, der Sie besonders beeindruckt hat?

Rudolph: Das holländische Start-up iOpener verbindet mit Hilfe der Satellitennavigation die virtuelle mit der realen Welt und ermöglicht es zu Hause sitzenden Computer-Spielern, virtuell an zeitgleich stattfindenden Sportereignissen teilzunehmen und gegen reale Sportler anzutreten. Nach einem Jahr im Inkubator der European Space Agency erhielt die Firma kürzlich Venture Capital in Höhe von 4,1 Millionen Euro und wird voraussichtlich noch Ende dieses Jahres mit dem ersten Spiel auf den Markt kommen.

förderland: Wie schätzen Sie die momentanen Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung in Deutschland ein?

Rudolph: Die Voraussetzungen sind sicher gut, da es eine Vielzahl von Förderprogrammen gibt, die die verschiedenen Phasen einer Unternehmensentwicklung begleiten. Zudem gibt es eine beachtliche Anzahl von Gründungszentren, die sicher in der Anfangsphase eine wichtige Netzwerkplattform für den Gründer darstellen. Wir haben uns mit unseren Leistungen auf die Pre-Seed und Seed-Phase fokussiert. Damit leisten wir wertvolle Hilfestellung in einer Phase der Unternehmensentwicklung, in der die wirtschaftlichen Risiken noch erheblicher höher sind. Und unsere Zahlen geben uns recht. Mehr als 95 Prozent der bisher bei uns inkubierten Unternehmen sind heute noch am Markt aktiv.

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