<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

27.07.09Kommentieren

Interview mit Tom Strohmeier

"Man sollte aber aus seinen Fehlern lernen und das Wissen daraus nutzen und weitermachen"

Mit seinem ersten Start-up, der Nachhilfeplattform Viclaroo, war Tom Strohmeier nur wenig erfolgreich. Doch eine Festanstellung ist für ihn keine Alternative. Er plant gerade ein neues Projekt in Berlin. Im Interview mit förderland analysiert Strohmeier die Fehler beim Aufbau von Viclaroo, erklärt, was er in Zukunft anders machen will und beschreibt die Anforderungen an den CTO seines neuen Unternehmens, den er bisher noch nicht gefunden hat.

Tom Strohmeier

förderland: Hallo Herr Strohmeier, stellen Sie sich doch bitte kurz vor. Wer sind Sie und was machen Sie?

Tom Strohmeier: Ich bin 2002 in Berlin "angekommen" und habe hier an der TU zunächst Wirtschaftsingenieurwesen, später BWL studiert. Seit Beginn meines Studiums war ich als Werkstudent im Entwicklungscontrolling der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, mit einem halbjährigen Abstecher in die Marketingabteilung in England. Den Gedanken, in einer großen internationalen Firma nicht "alt" werden zu wollen und lieber mein eigenes Ding zu machen hatte ich schon früh. Geprägt hat mich in dieser Hinsicht sicher mein Vater, der seit Jahren in der Baubranche Firmen hat. Die Idee zu meinem ersten Start-up "Viclaroo – Dein Wissen macht Schule" hatte ich Weihnachten 2007 – im Zug Richtung Familie und dem Buch "The world is flat" (T. L. Friedman) in der Hand. Weitergesponnen habe ich die Idee dann ein halbes Jahr später mit meiner Verlobten. Wir haben zusammen noch an der Uni den B-Plan geschrieben, ein Team für die Idee gesucht und sind auf Investorensuche gegangen.

Mit Ihrem ersten Start-up waren Sie nur mäßig erfolgreich. Was waren die Gründe?

Strohmeier: Ich denke man könnte diesen Punkt relativ schnell mit mangelnder Erfahrung erklären. Das Online-Geschäft tickt in vielerlei Hinsicht komplett anders als die klassischen Offline-Geschäfte. Die Teams sind jünger, die Geldgeber andere, das Umfeld ist extrem dynamisch. Die zwei Hauptpunkte aber waren denke ich: 1. mangelnde Erfahrung mit Risikokapitalgebern und deren Strategien/Aussagen; 2. Teambuilding – gerade die Kommunikation und die Individualziele innerhalb unserer ersten Teamkombination war zum Scheitern verurteilt. In einer zweiten Zusammensetzung haben wir nicht komplett an einem Standort gesessen und an der Idee gearbeitet. Einen Bruch im Gründerteam gab es durch das Scheitern der Verhandlungen mit unserem Lead-Investor. Alles in allem eine unglückliche Kombination. Die beiden Punkte "Kapitalbeschaffung" und "Team" stehen seitdem bei mir neben dem Geschäftsmodell an oberster Stelle bei neuen Ideen.

An die Idee hinter Viclaroo glaube ich aber dennoch bis heute. Vielleicht findet sich dafür ja auch ein junges Gründerteam und wagt in Eigenregie den Neuanfang. Wer Lust hat, kann mich gerne kontaktieren.

Trotzdem wollen Sie weiter selbständig arbeiten und sind gerade in der Startphase für Ihr nächstes Projekt. Was reizt Sie am Unternehmertum? Wäre eine Festanstellung 9to5 eine Alternative für Sie?

Strohmeier: Bei Bosch Siemens hätte ich viele Perspektiven gehabt, mich nach dem Studium weiter zu entwickeln. Die Arbeit dort hat die Jahre über viel Spaß gemacht und hat mich enorm geprägt. Nach dem Ende meines Studiums habe ich als externer Berater dort zeitversetzt auch noch zwei Aufträge angenommen. Trotzdem war eine Festanstellung für mich schnell vom Tisch. Eigene Ideen nach Lust und Laune umzusetzen hat mich schon immer gereizt. Nebenbei lernt man im Online-Geschäft viele interessante Leute und herausragende Gründerpersönlichkeiten kennen. Mit zwei Kontakten aus der Zeit der Viclaroo Finanzierungsuche plane ich gerade ein neues Projekt in Berlin.

Was haben Sie aus dem Scheitern Ihres ersten Start-ups gerlernt? Bzw. was machen Sie bei Ihrer zweiten Gründung anders?

Strohmeier: Gerade in der aktuellen Phase sind VC finanzierte Projekte mit einem hohen Anfangskapitalbedarf und einem hohen Entwicklungsaufwand nahezu unmöglich. Speziell wenn es sich wie bei "Viclaroo" um eine innovative Idee für den Zielmarkt handelt, fordern heute alle VCs einen Start mit geringem Kapitalinput und ein erstes Proof of Concept. Die zweite Gründung kommt mit wesentlich weniger Startkapital aus, kann schneller gelauncht werden und soll bereits nach kurzer Zeit profitabel laufen. Auch der Entwicklungsaufwand für die Seite und den Service sind überschaubar und ohne großes VC Kapital zu stämmen.

Gerade von Investorenseite heißt es oft: "Wir investieren nicht in eine Idee, sondern in Menschen" - Wie wichtig ist das Gründerteam? Was macht ein erfolgreiches Team aus? Welche Fähigkeiten bzw. Charaktermerkmale muss auch jeder einzelne mitbringen?

Strohmeier: Der Satz klingt sehr philosophisch und würde richtigerweise denke ich "Wir investieren in Ideen und in Menschen" heißen. Es gibt jede Menge gute Teams die aktuell eine Finanzierung suchen. Die Jungs von "Sofatutor" sind hier ein super Beispiel, um mal ein Berliner Gründerteam zu nennen ;o). Mal sehen wie ehrlich der Satz oben gemeint ist und wie schnell die Jungs mit ihrem klasse Produkt die Finanzierungssuche abschließen können.

Für mich muss sich das Gründerteam von der fachlichen Kompetenz her ergänzen. Ein zudem wichtiger Punkt ist aber das "miteinander können". Ich muss mich mit dem/den Menschen, mit denen ich zwölf Stunden und mehr am Tag zu tun habe, auch riechen können. Wie erfolgreich das Team ist, hängt aber nicht nur vom Team selbst ab. Auch gute Teams scheitern oft in einem schwierigen Marktumfeld. Man sollte aber aus seinen Fehlern lernen und das Wissen daraus nutzen und weitermachen. Wer als Team zusammen die schwierigen Zeiten durchsteht, der kann am Ende (hoffe ich) nur gewinnen.

Aktuell sind Sie auf der Suche nach einem CTO für Ihr neues Projekt? Was muss diejenige/derjenige mitbringen? Was bieten Sie? Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit vor?

Strohmeier: Für unser neues Projekt bin ich momentan noch auf der Suche nach einem zweiten Geschäftsführer, der die technische Führung übernimmt. Ich werde mich noch ca. zwei Wochen mit möglichen "Kandidaten" treffen und dann mal schauen, wer am besten passt. Die Voraussetzungen sind denke ich überschaubar. Ein solides HTML-, CSS- und PHP-Wissen und ein wenig Erfahrung im Online-Geschäft wären super. Das Projekt startet in Berlin. Der oder diejenige sollte also hier wohnen oder bereit sein, kurzfristig nach Berlin zu ziehen.

Wer sich angesprochen fühlt und die nächsten Tage mal Lust auf ein Bier hat, kann mich gerne über Xing kontaktieren.

Können Sie schon ein paar Details bezüglich Ihres kommenden Start-ups verraten?

Strohmeier: Zu diesem Zeitpunkt will ich über das Geschäftsmodell noch nichts verraten. Der Launch der Seite ist für Mitte September geplant. Ich würde mich freuen, Euch in 1,5 Monaten nochmal zu sprechen und dann gibt es mehr Details – versprochen.

Vielen Dank für das Interview!

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer