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02.11.11Kommentieren

Interview mit Sebastian Meyer, PionierGarage

"Man bekäme im Valley keine Finanzierung, ohne wenigstens mit einer Idee gescheitert zu sein"

Das Silicon Valley gilt als das Mekka für Start-ups. Die PionierGarage, eine Plattform für gründungsinteressierte Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), hat hier wertvolle Kontakte knüpfen können. Damit ausgestattet bricht eine Gruppe von Studenten auf, um vom 4. bis zum 14. November den Gründergeist im Valley einzufangen. Im Interview verrät uns Sebastian Meyer, Vorstand der PionierGarage, warum die Region für Gründer so inspirierend ist.

Sebastian Meyer, Vorstand der PionierGarageSebastian Meyer, Vorstand der PionierGarage

förderland: Hallo Sebastian, bitte stell dich und die PionierGarage doch kurz vor ...

Sebastian Meyer: Hallo, ich bin Sebastian Meyer, 23 Jahre alt und studiere im 5. Semester Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Seit März dieses Jahres bin ich als Vorstand der PionierGarage aktiv.

Die PionierGarage ist DIE Plattform für unternehmerisch denkende und handelnde Studenten am KIT und in Karlsruhe. Wir sind ca. 45 junge Menschen, die eigentlich nicht viel gemeinsam haben: unterschiedliche Studiengänge, studieren unterschiedlich lange, sogar an verschiedenen Universitäten, manche sind schon am Gründen, andere haben noch keine eigene Idee. Dennoch eint uns das starke Interesse am Gründen.

Diese Vielfalt ist übrigens eines der Dinge, die ich an der PionierGarage so schätze, denn ich finde es immer wieder faszinierend, was dabei herauskommt, wenn man mit einer bunt gemischten Truppe an einer Idee feilt.

Die PionierGarage startet im November eine Silicon Valley Tour. Wie kamt ihr auf die Idee einen Trip ins Valley anzubieten?

Meyer: Im April dieses Jahres bekamen mein damaliger Vorstandspartner Benjamin Bolland und ich bei einem Gespräch mit den Gründern des Centers für Innovation und Entrepreneurship (CIE) auf unserem Campus, Christian Schwarzkopf und Tim Lagerpusch, die Anregung uns mit der Entrepreneurship-Hochschulgruppe in Stanford bases zu verknüpfen und einen Erfahrungsaustausch anzustoßen. Bases existiert schon über 15 Jahre und die PionierGarage wurde 2009 gegründet, nur ein Grund warum sie uns einiges voraushaben.

Dank finanzieller Unterstützung bekamen wir dann im Mai die Möglichkeit, eine Einladung von bases anzunehmen und flogen zusammen mit einem weiteren Pionier ins Silicon Valley, um acht Tage lang Entrepreneurs, VCs, Studenten und Professoren der Uni Stanford zu treffen und den "Silicon Valley Spirit" am eigenen Leib zu erleben.

Wir kamen zurück und waren bis in die Haarspitzen motiviert, einen zweiten Trip für eine größere Gruppe Studenten anzustoßen. Mit diesem Silicon-Valley-Trip sind wir quasi ein Copycat der Aaltoes aus Helsinki mit denen wir in Kontakt stehen. Dort hat es schon mehrere Reisen von Studentengruppen ins Valley gegeben, von denen die dortige Entrepreneurship Community stark profitiert hat. Dies wünschen wir uns nun natürlich auch für die PionierGarage und die Gründerfamilie in Karlsruhe.

An wen richtet sich das Angebot und was erwartet die Teilnehmer vor Ort?

Meyer: Der zentrale Wunsch hinter unserem Vorhaben ist es, den Gründergeist, die spezielle Mentalität aus dem Valley, in die Gründerfamilie in Karlsruhe zu tragen. Das ist auch einer der Gründe, warum der größte Teil der Gruppe aus Karlsruher Pionieren besteht. Zusätzlich haben wir unseren Partnerclubs an anderen Universitäten angeboten, sich mit einzuklinken. Dadurch begleiten uns auch Studenten der Zeppelin University, der European Business School und verschiedener anderer Universitäten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In den 10 Tagen, die wir im Valley sind versuchen wir einen Querschnitt durch die Start-up-Szene und Eindrücke der Unternehmenskultur mitzunehmen. Wir besuchen junge und auch etwas erfahrenere Start-ups z. B. Bump oder Crowdbooster, VCs wie Andreesen Horowitz und BV Capital, große Firmen wie google und facebook und treffen bekannte Persönlichkeiten der Szene.

Zusätzlich werden wir natürlich unseren Kontakt zu bases in diesen 10 Tagen vertiefen. Zum Abschluss veranstalten wir dank der Unterstützung durch blackbox mansion das 1. "Gründergrillen" im Silicon Valley, ein Format, das in Karlsruhe durch das CIE geprägt wurde und seit über 2 Jahren Tradition hat.

Wie ist das Feedback zu eurem Angebot? Wird es weitere Touren ins Valley geben?

Meyer: Generell ist das Feedback sehr positiv! Wir mussten vielen Interessenten leider absagen, sowohl Pionieren als auch externen. Bei einem Event in diesem Format muss man bei einer bestimmten Teilnehmerzahl einfach den Schlussstrich ziehen. Mit der Unterstützung, die wir finanziell bekommen, bin ich mittlerweile auch zufrieden, allerdings hat es lange gedauert, bis wir auch aus der Entrepreneurship Szene Unterstützer gefunden haben.

Ob es eine vergleichbare Tour nächstes Jahr geben wird, kann ich noch nicht sicher sagen. Ich denke mit unserem äußerst attraktiven Terminplan und der gelungenen Teilfinanzierung ist die Tour jetzt schon ein großer Erfolg und für die PionierGarage die bis jetzt größte Herausforderung, die wir gemeistert haben. Wir denken natürlich darüber nach, weitere Reisen ins Valley zu organisieren, aber auch andere Ziele wie zum Beispiel Indien oder China sind für eine Tour nächstes Jahr interessant.

Was ist deiner Ansicht nach das Besondere am Valley? Was macht die Region für Start-ups so interessant?

Meyer: Da muss man denke ich trennen zwischen den Faktoren, die das Valley zu dem gemacht haben was es heute ist und der Attraktivität die es heute für Gründer hat. Ich denke der entscheidende Punkt ist mittlerweile, dass sich im Valley eine regelrechte Start-up-Industrie gebildet hat. Sowohl was die Finanzierung als auch was mögliche Käufer von Start-ups angeht, sitzen dort viele große Firmen, die oft auch schon eine lange Geschichte und Erfahrung haben.

Dazu kommen der Spirit und die Kultur des Valleys. Jeder hört sich deine Idee an, bestärkt dich in deinem Vorhaben und hilft dir mit seinem Netzwerk weiter. Das haben wir im Mai selbst erlebt: Wir hatten für 4 von 8 Tagen Termine, die wir über Connections aus Deutschland bekommen haben. Nach den ersten zwei Tagen hatten wir bereits genug neue Kontakte, um unsere restliche Zeit zu planen und gegen Ende unseres Vor-Trips mussten wir sogar Gesprächsangebote ablehnen.

Was können deutsche Gründer von ihren Kollegen aus dem Valley lernen?

Meyer: Um einen wirklichen Vergleich zwischen Gründern ziehen zu können, fehlt mir, denke ich, die Erfahrung. Ein paar Punkte, die ich etwas vermisse, wären noch etwas mehr Optimismus, Think-Big-Mentalität und Gründer erfolgloser Start-ups weniger zu stigmatisieren. Ich habe schon von einigen Entrepreneurs aus den Staaten die Aussage gehört, man bekäme im Valley keine Finanzierung, ohne wenigstens mit einer Idee gescheitert zu sein, da man aus gravierenden Fehlern am meisten lerne. In Deutschland ist diese Einstellung undenkbar. Wer hier scheitert, dem wird vorgeworfen, er verstünde nichts von dem was er tut.

Wie beurteilst du die Gründungsförderungen an deutschen Universitäten im Vergleich zum Valley?

Meyer: Im Vergleich zu großen angelsächsischen Unis, konkret Cambridge und Stanford, haben deutsche Universitäten, denke ich, noch viel aufzuholen. Dort wird seit Jahren sehr bewusst ein gründerfreundliches Umfeld für Studenten geschaffen. Viele Universitäten haben neben Lehrveranstaltungen und Professuren im Bereich Innovation & Entrepreneurship eigene Inkubatoren und Investitionsprogramme, die in der Lage sind, junge Start-ups mit einer Anfangsfinanzierung auszustatten. Gerade im Technologiebereich abseits von Web-Start-ups ist diese oft sehr schwer zu bekommen.

Natürlich ist es nicht Aufgabe einer Universität als Fond aufzutreten, aber gerade was Ausgründungen und Lizensierung von Patenten und Technologien aus Universitärer Forschung angeht, sehe ich hier ein großes finanzielles Potential, was in Deutschland gerade noch kaum genutzt wird.

In Karlsruhe sind wir als PionierGarage gerade in einem Pilotprojekt namens "Research2Business Live" dabei, die Möglichkeiten einer Kooperation zwischen gründungswilligen Studenten, Mentoren aus der freien Wirtschaft und dem KIT auszutesten. Bisher läuft das Modell, bei dem es um Meerwasserentsalzung mit Hilfe einer am KIT erforschten, neuen Technologie geht, sehr erfolgversprechend.

Aktuell wird ja diskutiert, ob Berlin auf dem Weg ist, das Silicon Valley Europas zu werden. Was hältst du davon?

Meyer: Ohne Zweifel existiert in Berlin eine sehr stark wachsende Entrepreneurship-Szene. Gerade im Web-Bereich haben viele erfolgreiche junge Unternehmen ihren Sitz in Berlin. Ich denke vor allem durch die gute Vernetzung der Entrepreneurs untereinander und das kreative internationale Umfeld ist Berlin jetzt schon sehr attraktiv für Start-ups. Wenn man also das den Begriff "Silicon Valley" auf das Vorhandensein einer hohen Aktivität im Bereich Entrepreneurship reduziert, könnte man Berlin eventuell schon als europäisches Silicon Valley bezeichnen. Was allerdings zum Beispiel Hochtechnologie-Forschung und Halbleiterindustrie angeht, dürfte Berlin schwer in der Lage sein mit dem "echten" Valley mitzuhalten.

Vielen Dank für das Interview!

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