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18.04.08Kommentieren

Zehn Fragen - Zehn Antworten

Künstlersozialabgabe - Was Gründer wissen müssen

Bevor die Deutsche Rentenversicherung im Juni 2007 die Prüfung der Künstlersozialabgabe bei den Arbeitgebern übernommen hat, wussten viele Unternehmen nicht einmal, dass es die Künstlersozialkasse überhaupt gibt. Damit Sie bei diesem Thema auf der sicheren Seite sind, beantwortet förderland die zehn wichtigsten Fragen für Gründer und Unternehmer.

1. Was versteht man unter Künstlersozialkasse und Künstlersozialabgabe?
Die Künstlersozialkasse (KSK) dient dazu, selbstständigen Künstlern und Publizisten einen ähnlichen Sozialversicherungsschutz zu gewährleisten wie abhängig Beschäftigten. Die Künstlersozialkasse finanziert sich über zwei Säulen: Zum einen zahlen die selbstständigen Künstler und Publizisten freiwillig ihre Beiträge ein. Zum anderen erhält die KSK Bundeszuschüsse und eine "Künstlersozialabgabe" von Unternehmen, die selbstständige Künstler und Publizisten beauftragen und ihre Leistungen verwerten.

2. Wie hoch ist die Abgabe und worauf ist sie zu zahlen?
In der Regel sind 4,9 Prozent (für das Jahr 2008) auf alle Entgelte (zum Beispiel Gagen, Honorare, Tantiemen) der Künstler und Publizisten in die Künstlersozialkasse zu zahlen. Dazu gehören auch alle Nebenkosten wie Telefon- und Materialkosten.  

3. Wer ist abgabepflichtig?
Unternehmen müssen in die KSK einzahlen, wenn sie selbstständige Künstler oder Publizisten beauftragt haben und eine künstlerische Leistung vorliegt. Geregelt wird die Abgabepflicht im Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG). Die Rechtsform des Unternehmens spielt dabei keine Rolle.

Bei den abgabepflichtigen Unternehmen werden allgemein drei Gruppen unterschieden:

a. Unternehmen, die typische Verwerter sind: Zu dieser Gruppe zählen unter anderem Verlage, Theater- und Konzertdirektionen, Museen, TV-Sender, Hörfunk, Galerien und Presseagenturen. Für sie ist es charakteristisch, dass sie künstlerische oder publizistische Erzeugnisse verwerten. Diese Unternehmen sind dazu verpflichtet, auf alle gezahlten Entgelte Abgaben zu leisten.

b. Unternehmen, die freiberufliche Künstler oder Publizisten für Werbung/ Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen: Wenn Unternehmen selbstständige Künstler oder Publizisten für die eigene Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen, kommt es auf die Häufigkeit der Leistungen an. Eine genaue Zahl wird dabei von der KSK nicht angegeben. Unternehmen müssen Abgaben zahlen, wenn sie "nicht nur gelegentlich" Leistungen von Künstlern oder Publizisten in Anspruch genommen haben (siehe auch Punkt 4). 

c. Unternehmen, die unter die Generalklausel fallen: Unternehmen müssen grundsätzlich immer dann eine Künstlersozialabgabe zahlen, wenn sie mit den Leistungen von Künstlern und Publizisten Einnahmen erzielen. Außerdem schließt die Generalklausel Unternehmen mit ein, die im Jahr mehr als drei Veranstaltungen mit selbstständigen Künstlern und Publizisten organisieren, um Einnahmen zu erzielen.

4. Was bedeutet "nicht nur gelegentlich"? 

  • Bei Unternehmen, die selbstständige Künstler oder Publizisten für die eigene Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen (siehe Punkt 3.b.), oder solchen Unternehmen, die mit mehr als drei Veranstaltungen jährlich unter die Generalklausel fallen: Bei bis zu drei Veranstaltungen im Kalenderjahr sind die Unternehmen nicht abgabepflichtig. 
  • Bezieht sich die Auftragserteilung nicht auf Veranstaltungen, sondern auf andere Maßnahmen für Eigenwerbung oder nach der Generalklausel, so sind die Unternehmen bereits bei einem Auftrag beziehungsweise einer Nutzung im Jahr abgabepflichtig.

5. Ist die Künstlersozialabgabe auch bei Betriebsfeiern zu entrichten?
Dabei kommt es darauf an, ob die Veranstaltung öffentlich ist oder nicht. Sind nur Betriebsangehörige eingeladen, handelt es sich um eine nicht-öffentliche Feier. In diesem Fall sind keine Abgaben zu zahlen.

6. Wer zählt zur Gruppe der Künstler/ Publizisten?
Künstler sind Personen, die darstellende oder bildende Kunst oder Musik schaffen, ausüben oder lehren. Als Publizisten gelten Personen, die als Schriftsteller oder Journalist publizistisch tätig sind oder Publizistik lehren.

7. Muss der Künstler/ Publizist in der KSK versichert sein, damit eine Abgabepflicht besteht?
Ob der Künstler/ Publizist selbst in der KSK versichert ist, spielt bei der Zahlungspflicht der Unternehmen keine Rolle.

8. Was ist mit Künstlern, die sich zu Gruppen zusammengeschlossen haben?
Es ist unerheblich, ob es sich um eine Einzelperson oder eine Gruppe von freischaffenden Künstlern (Personengesellschaften wie GbR, KG, oHG) handelt. Ausgenommen sind juristische Personen (zum Beispiel GmbH).

9. Wer unterliegt der Meldepflicht an die KSK?
Unternehmen, die regelmäßig Entgelte an selbstständige Künstler oder Publizisten zahlen oder gemäß §4 des KSVG dazu verpflicht sind, müssen sich bei der KSK melden. Die Mitteilungsfrist für das zurückliegende Kalenderjahr endet immer am 31. März des Folgejahres.

10. Darf die Künstlersozialabgabe dem Künstler oder Publizisten in Rechnung gestellt werden?     
Nein, denn solche Vereinbarungen verstoßen gegen geltendes Recht und sind deshalb von Anfang an nichtig.

Weitere Informationen auf förderland:

Fachbeitrag: Künstlersozialabgaben im Unternehmen

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