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29.09.08Kommentieren

Interview mit Frank Jarmer, EGT Energiehandel GmbH

"Kreativität kann nicht verordnet werden"

Frank Jarmer ist Geschäftsführer der EGT Energiehandel GmbH. Das Unternehmen aus Triberg konnte in der Kategorie "Innovationsklima" beim Wettbewerb TOP 100 überzeugen und erreichte eine Platzierung in den Top 10. Der Wettbewerb prämiert jedes Jahr die 100 innovativsten Unternehmen im Mittelstand. Im Interview mit förderland erläutert er, wie man ein innovatives Klima in einem Unternehmen schaffen kann.

Frank Jarmer, Geschäftsführer der EGT Energiehandel GmbH.Frank Jarmer, Geschäftsführer der EGT Energiehandel GmbH.

förderland: Wie wichtig ist ein gutes Innovationsklima in einem Unternehmen für den wirtschaftlichen Erfolg?

Frank Jarmer: Nur wenn ein positives Innovationsklima vorhanden ist, können neue Ideen entstehen und sich entwickeln. Es braucht aber auch ein professionelles Innovationsmanagement, ansonsten schaffen es neue Ideen nicht bis zur Umsetzung. Gerade in Märkten, die sich stark bewegen – wie dem Energiemarkt beispielsweise – sind permanent neue Ideen erforderlich, um erfolgreich zu sein.

förderland: Wie schafft man ein gutes Innovationsklima?

Jarmer: Kreativität kann nicht verordnet werden. Sie ist das Ergebnis von Initiativen, Freiräumen, offenem Austausch und der Belohnung von Risiken, einer Unternehmenskultur, die innovative und unternehmerische Aktivitäten von Mitarbeitern anregt und auch entsprechend belohnt, die Fehler toleriert. Das ist der Nährboden für das Entstehen von neuen Ideen, wobei der Führungsstil bei der Ideenförderung eine ganz wichtige Rolle spielt. Freiraum für Innovation braucht Struktur, sonst verlieren sich die guten Ideen im Tagesgeschäft. Ein institutionalisiertes, leistungsorientiertes Anreizsystem ist eine wichtige und sinnvolle Voraussetzung.

Um unsere Unternehmensstrategie mit Innovationen erfolgreich umzusetzen und das Unternehmen effizient zu steuern, haben wir bei der EGT eine auf unsere Belange zugeschnittene Balanced Scorecard (BSC) eingeführt. Sie hilft, Vision und Strategie kontrolliert umzusetzen und kontinuierlich zu optimieren. Alle Mitarbeiter werden dabei voll integriert, jeder kann seine innovativen Leistungen zur Erreichung der Ziele messbar einbringen. Im Rahmen von BSC und "Führen durch Ziele" wurde bei der EGT ein leistungsorientiertes Bezahlungssystem realisiert. Das klare Kommunizieren von Zielen ist dabei immer wichtig.

Generell sollte den Mitarbeitern ein fester Teil der Arbeitszeit als Raum für neue Ideen eingeräumt und von ihnen wahrgenommen werden können. Ein festes Budget für ungeplante Innovationsvorhaben ist ebenso wichtig für ein positives Innovationsklima.

Alle Mitarbeiter sollten zudem die Möglichkeit der kontinuierlichen Datenrecherche, der Informationsbeschaffung und der Marktbeobachtung haben. Denn aus diesem Monitoring ergeben sich ebenfalls Ansätze für Innovationen.

Bei der EGT Energiehandel finden beispielsweise im Rahmen der täglichen Vertriebsarbeit permanent Kundengespräche und -befragungen statt. Hier werden Trends identifiziert, dokumentiert und bewertet. Sie können als Informationsquelle dienen und zu Verbesserungsvorschlägen anregen, wenn sie transparent gemacht werden.

Wichtig ist auch der permanente Kontakt zu Unis und Fachhochschulen. Die Vergabe von Diplomarbeiten und Studentenpraktika schafft Zugang zu Innovationen und fordert diese heraus.

Stichwort offener Austausch: Bei unseren regelmäßig stattfindenden Strategiemeetings, die für Ablauf und Umsetzung professionell extern begleitet werden, behandeln wir das Thema "Innovationen" als gesetzten Agendapunkt. Immer sind Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen involviert. Diese hierarchie- und abteilungsübergreifenden Diskussionen sind nicht nur spannend, sie führen häufig zu neuen Ideen und schließlich zu Innovationen. Darüber hinaus wirkt sich die Integration der Mitarbeiter in diesem Umfeld sehr positiv auf deren Motivation aus.

Der Austausch mit externen Partnerunternehmen, wie beispielsweise mit unseren Vertriebspartnern, macht eine solche Dynamik auch auf anderer Ebene deutlich. Denn durch kontinuierlichen Dialog mit diesen tun sich fortlaufend neue Blickwinkel auf - eine Idealsituation für neue Ideen.

förderland: Durch welche Maßnahmen kann man die kreative Ader der eigenen Mitarbeiter fördern?

Jarmer: Der angestoßene Prozess muss von Anfang an von einem verantwortlichen Projektleiter zusammengehalten werden und er muss permanent in seinen Zielen innerhalb der Unternehmensstrategie auf allen Ebenen stichhaltig kommuniziert werden. Sonst kommt es zu Verstrickungen, und Verbesserungsvorschläge sind nicht möglich. Es müssen zudem alle Verbesserungsvorschläge beleuchtet werden. Zu gewagte Ideen sollte man dabei erkennen und stoppen bzw. auf ein realistisches Fundament transformieren.

Hier greift zum Beispiel die schon erwähnte EGT-BSC. In unserem Modell ist unter der Perspektive "Lernen und Entwickeln" etwa das strategische Ziel "Kundenbedürfnisse frühzeitig erkennen und umsetzen" eingefügt. Darin kann man Ideen einzelner Mitarbeiter aufnehmen und den daraus entstehenden Innovationsprozess punktuell verfolgen.

Umfangreiche Weiterbildungsmaßnahmen für die fachliche und auch die persönliche Qualifizierung sowie der Besuch relevanter Kongresse, Veranstaltungen und Messen liefern vielfältige Möglichkeiten zur Generierung neuer Ideen. Auch die Ausbildung und das Praktizieren von Kreativtechniken sollten gefördert werden.

In unserem Unternehmen bieten wir zum Beispiel die "Personalentwicklung vor Ort", die gerne wahrgenommen wird. Mitarbeiter stellen hier Projekte, Themen oder Abläufe aus ihren Bereichen vor, weisen dabei auf Erfahrungen und Herausforderungen hin und stoßen durch die Diskussion im Plenum Ideen zur Verbesserung an.

förderland: Was macht einen innovativen Mitarbeiter aus? Und wie kann man innovative Mitarbeiter schon bei der Personalauswahl erkennen?

Jarmer: Ein guter Innovator muss den Standort des Betrachters einnehmen, Dinge aus dessen Blickwinkel sehen und beurteilen können. Er muss gut zuhören und Ideen im Team entwickeln können. Und er muss natürlich fähig und willens sein, dafür bekannte Strukturen zu verlassen und neue Wege zu gehen. Kreative Menschen haben oft innovative Ideen und zeigen, wie man Prozesse vereinfachen, die Leistung verbessern oder Fehler vermeiden kann.

förderland: Wie hoch ist der Anteil an realisierten Projekten in Ihrem Unternehmen, die aus Vorschlägen der Mitarbeiter entstanden sind?

Jarmer: Von rund 40 eingebrachten Vorschlägen pro Mitarbeiter im Jahr werden rund 60 Prozent realisiert.

förderland: Welche drei Tipps können Sie Gründern und Jungunternehmern mit auf den Weg geben, um ein gutes Innovationsklima zu schaffen?

Jarmer: Innovationsziele klar definieren und laufende Innovationsprozesse allen Mitarbeitern einsichtig und stetig kommunizieren, Freiräume für Ideenentwicklung schaffen, und, um zu motivieren, über alle Innovationserfolge berichten.

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