<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

08.01.09Kommentieren

Interview mit Gerald Heydenreich, BuyVIP

"Konkurrenz belebt das Geschäft"

Zur Person: Gerald Heydenreich ist Co-Founder und Mitglied der Geschäftsführung des spanischen Unternehmens BuyVIP S.L, der führenden europäischen Fashion und Lifestyle eCommerce-Community. Außerdem ist er Vorstand und Gründer der Omnis Mundi Invest AG, deren Fokus auf Unternehmensgründungen und Frühphasenfinanzierung liegt.

förderland: Sie haben langjährige unternehmerische Erfahrung und sind darüber hinaus als Business Angel tätig. Jetzt sind sie Geschäftsführer bei BuyVIP. Was reizt Sie an dem Geschäftskonzept eines Shopping-Clubs?

Heydenreich: Das Konzept des Shopping Clubs kommt ursprünglich aus Frankreich und es verbindet meiner Meinung nach viele Elemente eines erfolgreichen Geschäftskonzepts. Der Fokus auf bekannte Marken garantiert Sicherheit und schafft Vertrauen beim Nutzer. Die Rabatte von bis zu 70 Prozent machen die Angebote extrem attraktiv. Die zeitliche und mengenmäßige Limitierung forciert eine Entscheidung beim Kunden und die Art der Ansprache durch die direkte E-Mail-Kommunikation garantiert eine hohe Wiederkehrquote der Nutzer.

Durch die Kombination der verschiedenen Elemente ist es meiner Meinung nach das Model der Zukunft für eCommerce. Man kennt die Idee des Aktionskaufs ja auch aus dem Offline-Bereich. Dieser Erfolg setzt sich jetzt online durch. Der Clubgedanke ist eine Weiterentwicklung, deren Ursprung unter anderem bei den Buchclubs liegt.

Ihr Hauptkonkurrent dürfte brands4friends.de sein. Das Unternehmen ist im Moment in aller Munde, hat den deutschen Unternehmerpreis und eine Rekordfinanzierung erhalten. Was haben Sie dem entgegenzusetzen? Wie sehen Sie sich aufgestellt?

Heydenreich: Konkurrenz belebt ja das Geschäft und wir freuen uns darüber, dass das Konzept an sich so starken Rückenwind erhält. Ein rein deutsches Unternehmen hat bei den Wettbewerben natürlich generell einen Vorteil und auch wenn wir fast zeitgleich in den drei Ländern Spanien, Deutschland und Italien gestartet und damit die einzig wirklich europäische Shopping-Community sind, werden wir eher als spanisches Unternehmen gesehen.

Wir sind mit mehr als 3.5 Millionen Mitgliedern fast dreimal so groß wie brands4friends, also sehen wir das gelassen. In Deutschland sind wir in der für uns relevanten Zielgruppe der 25-40 jährigen vermutlich sogar größer. Aus der Erfahrung weiß ich auch, dass es sich um einen Marathon handelt und nicht um einen kurzen Sprint. Das Rennen ist längst nicht entschieden, denn insgesamt kennen vermutlich gerade einmal knapp 5 Prozent der Deutschen dieses Geschäftsmodell. Wenn jemand ernst zu nehmen ist in diesem Markt, ist das ganz klar Vente-Privee.

Dadurch dass kürzlich Bertelsmann und auch Gruner + Jahr als deutsche Unternehmen bei uns eingestiegen sind, haben wir den Ritterschlag aus der old economy erhalten. Das kann derzeit keiner der anderen Anbieter vorweisen und daraus ergeben sich jetzt schon eine Reihe interessanter Synergien.

In dem Zusammenhang sind wir auch stolz darauf, direkt mit mehr als 450 Marken aus ganz Europa zusammenzuarbeiten. Unsere Partner auf der Marken-Seite sind unsere wichtigsten Kunden, denn mit Ihnen haben wir einen hochwertigen und professionellen Vertriebskanal aufgebaut, über den sie ihre Overstocks und End-of-Season Produkte sehr schnell und ohne Kannibalisierung ihrer Marke im stationären Handel abverkaufen können. Damit tragen wir zur Kostensenkung im Lagerbereich und für zusätzliche Cash-Flows gleichermaßen bei.

Fahren Sie aktuell bereits Gewinne ein?

Heydenreich: Ja, BuyVIP ist sowohl auf EBITDA - als auch auf der Cash-Flow-Seite profitabel. Das ist auch klar unser Fokus. Produkte mit geringer Marge zu verkaufen und einen Hype erzeugen kann jeder, ein Unternehmen profitabel aufzustellen und sauber zu wachsen ist etwas anderes. Ich kenne das alles schon aus der Blase 1.0. vor acht Jahren. In dem Zusammenhang hilft es uns natürlich auch sehr, dass wir vieles in Spanien zentralisiert haben, wo die Löhne noch deutlich geringer sind.

Welche Entwicklungspotentiale bietet das Geschäftskonzept? Welche neuen Features, welche nächsten Schritte sind geplant?

Heydenreich: Es gibt drei Achsen auf denen man wachsen kann. Erstens entlang der Produktkategorien, zweitens geografisch - das heisst für uns Richtung Osteuropa, Asien oder Nordeuropa - und drittens in Bezug auf Erlösmodelle. Außerdem, gibt es kaum ein anderes Geschäftsmodell derzeit am Markt mit einem ähnlich starken viralen Wachstum. Mit mehr als 200.000 Neumitgliedern pro Monat in Europa sind wir ein starker Partner für Fashion- und Lifestyle-Marken.

E-Commerce boomt. Anhaltender Trend oder kurzfristige Modeerscheinung? Sehen Sie außer Social Shopping noch weitere Trends im E-Commerce?

Heydenreich: E-Commerce wird in den kommenden Jahren sehr stark weiter wachsen. Wir stehen hier erst am Anfang einer wirklich tief greifenden Entwicklung. Wenn ein Händler wie Dixons den Großteil seines Händlernetzes aufgibt und sich fast nur noch auf online fokussiert, dann sollte das einem zu denken geben. Generell geht der Trend ganz klar in das Thema "Personalisierung des Einkaufserlebnisses". Das gilt zum einen für den Kaufakt an sich, aber auch für die Produkte, die gekauft werden. Hier werden wir neben den jetzt bekanntgewordenen Modellen noch einiges im Bereich der Mass Customization sehen.

Abschließend glaube ich persönlich auch, dass sich neue Modelle durch die Zerschneidung des Kaufprozesses ergeben werden. Warum gibt es zum Beispiel nicht einen Laden, in dem man sich all das ansehen kann, was man online kaufen kann. Das wäre doch der nächste logische Schritt, wenn doch sowieso ein Großteil der Käufer nur noch in den Laden geht, um sich eine kostenlose Beratung zu holen, nur um dann online das günstigste Angebot auszuwählen.

Was sind Ihrer Meinung nach weitere erfolgversprechende Geschäftsfelder im Web in den kommenden Jahren?

Heydenreich: Wie gesagt, glaube ich an folgende Themen: 1. Personalisierung des Einkaufs, 2. Mass Customization und 3. innovative Modelle, die sich aus den veränderten Kaufgewohnheiten ergeben. Schließlich hoffe ich, dass es neue Lösungen für das Spam- und E-Mail-Problem und neue Formen der Werbung geben wird, die den Nutzer motivieren, anstatt ihn zu vergraulen.

In dem Zusammenhang werden wir innovative Werbeformen sehen, die zum Beispiel direkt in Bewegtbilder integriert sind. Ich habe kürzlich in ein Unternehmen aus diesem Bereich investiert (Cavi), weil ich es mir immer gewünscht habe, dass ich eines Tages in einem Video direkt auf ein Produkt clicken kann, um es zu kaufen. Man muss die Menschen dort abholen wo sie sind und sie nicht sinnlos mit Werbung beschießen, die sich sowieso niemand ansieht.

Bekommt BuyVip die Finanzkrise zu spüren? Und wie wirkt sich Ihrer Meinung nach die Finanzkrise generell auf die Gründerszene aus?

Heydenreich: Bisher zum Glück nicht. Es gibt zwei Thesen: Die eine sagt, dass es gut für unser Modell ist, weil die Menschen weiter Markenartikel einkaufen, aber eben nicht mehr zum vollen Preis. Die andere sagt, dass der Rückgang des Konsums generell zu spüren sein wird. Da bin ich aber persönlich der Meinung, dass, wenn Leute aufhören Kleidung mit einem Durchschnittswert von unter 60 Euro zu kaufen, wir dann in der Wirtschaft ein anderes Problem haben. Aber ganz klar werden harte Zeiten auf junge Unternehmen zukommen, deshalb ja auch unser starker Fokus auf Profitabilität.

Was erwarten Sie vom Jahr 2009? Und wie wird BuyVIP Ende 2009 aussehen?

Heydenreich: Wir werden in der Gruppe deutlich über 70 Millionen Euro Umsatz machen und weiterhin profitabel arbeiten. Und natürlich sind wir in Deutschland in der relevanten Zielgruppe Ende 2009 mit Abstand die Nummer eins!

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer