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30.01.12Kommentieren

Interview mit Hannes Klöpper, iversity

"iversity wird mittlerweile an über 100 Universitäten in dutzenden Ländern verwendet"

Im August 2011 hatten wir über das Berliner Start-up iversity berichtet. Ausgestattet mit einer Million Euro aus Mitteln der Europäischen Union, des Landes Brandenburg und der BMP media investors AG war ein zwanzigköpfiges Team junger Absolventen angetreten, um die digitale Revolution an die Universitäten zu tragen. Im Interview spricht Gründer und Geschäftsführer Hannes Klöpper über die Entwicklung von iversity und des Bildungsmarktes.

Das iversity-TeamDas iversity-Team

förderland: Hallo Herr Klöpper, stellen Sie sich doch bitte kurz unseren Lesern vor. Sie sind ja nicht nur Unternehmensgründer, sondern unter anderem auch Autor ...

Hannes Klöpper: Das ist richtig. Im Laufe des Jahres wird bei der Edition Körber ein Buch erscheinen, dass ich zusammen mit dem Wissenschaftsphilosophen Professor Yehuda Elkana geschrieben habe. Ich beschäftige mich also schon länger mit der Frage, wie unser Bildungswesen in Zukunft aussehen wird. Der Aufbau von iversity ermöglicht es mir nun, meine Ideen praktisch umzusetzen.

Im August 2011 haben wir bereits über den Launch Ihres Start-ups iversity und Ihre Millionen-Finanzierung berichtet. Wie hat sich iversity seitdem entwickelt? Nehmen Studierende und andere Lernbegeisterte das Angebot an?

Klöpper: Ja. Seit dem Launch haben sich über 20,000 Nutzer angemeldet und iversity wird mittlerweile an über 100 Universitäten in dutzenden Ländern verwendet. Wir haben sehr viel positives Feedback sowohl von Professoren als auch von Studierenden erhalten, worüber wir uns immer sehr freuen. Das wird dann immer gleich in unserer eigenen Gruppe gepostet und motiviert das ganze Team.

Anfang Januar 2012 konnten die New Yorker von Coursekit eine Series A-Finanzierungsrunde in Höhe von 5 Millionen verkünden – ein Start-up, das Ihrem Angebot sehr ähnelt und zwei Monate später am Markt war. Die Copycat-Geschichte mal andersrum! Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema?

Klöpper: Es ist schon auffällig das vom den Features, über das Design bis hin zum Geschäftsmodell große Ähnlichkeit besteht. Ein Copycat ist Coursekit deshalb jedoch nicht. Die Gründer haben wie wir schon lange vor der Finanzierung an dem Projekt gearbeitet. Letztlich hatten hier mehrere Leute aufgrund eines offensichtlichen Missstands die selbe Idee. Es ergibt einfach keinen Sinn, dass das Internet in der Hochschullehre bisher kaum genutzt wird. Eine Online-Plattform zu bauen, die versucht das zu ändern, ist da einfach folgerichtig. Wir freuen uns für Coursekit und hoffen, dass dieses Investment auch deutschen Investoren Mut macht im Edutech-Bereich zu investieren. Wir haben auf jeden Fall auch noch mehr Ideen als Geld und Leute!

Von iTunesU bis zum "University Ventures Fund I", dem neu aufgelegten Wagniskapitalfonds der Bertelsmann AG für den Bildungssektor – Bildung scheint ein Markt zu sein, auf dem sich einiges tut. Würden Sie uns einen kurzen Einblick geben?

Klöpper: Absolut! Der Bildungsbereich brummt. Die Digitalisierung hat Fahrt aufgenommen. Monatlich werden in den USA neue Millioneninvestments aus den verschiedensten Bereichen gemeldet: von educational analytics, über digital textbooks bis hin zum course management. Auch im Hinblick auf die Nutzung dieser Technik gibt es atemberaubende Beispiele. Sebastian Thrun, ein Professor der Stanford University, öffnete für alle Internetnutzer jüngst seinen Kurs und 23.000 Studierende auf der ganzen Welt machten mit. Sie verfolgten Vorlesungen, reichten Hausaufgaben ein und absolvierten eine Abschlussprüfung. Das wäre früher undenkbar gewesen.

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft wird sicher immer schneller weiterentwickeln. Was bedeuten die neuen technischen Möglichkeiten für den Bildungssektor, die Art und Weise wie Menschen lehren und lernen? Welche neuen Geschäftsfelder tun sich auf?

Klöpper: Informationen sind bereits heute zu einem guten Teil überall frei verfügbar. Der Fokus in der Lehre wird sich daher in Zukunft noch stärker von der Informationsvermittlung – der Zweck der Vorlesung – hin zur Wissensvermittlung verlagern. Schauen Sie sich an, was gerade in den USA unter dem Stichwort "Flipping the Classroom" diskutiert wird. Schüler schauen Videoaufzeichnungen von Schulstunden zuhause und kommen dann in den Unterricht, um das zu bearbeiten, was wir heute Hausaufgaben nennen. Wenn sie nicht weiterkommen, können sie Fragen stellen und so von und miteinander lernen anstatt nur nebeneinander zu sitzen und zuzuhören. Das klingt zunächst nach einer banalen Veränderung, kommt im Bildungsbereich, in dem sich über Jahrhunderte so wenig geändert hat, aber einer Revolution gleich.

Wie wird sich iversity in dieser Hinsicht weiterentwickeln? Warum werden Sie sich mit Ihrem Angebot am Markt durchsetzen?

Klöpper: iversity zielt ja genau auf diesen Trend: die bessere Vernetzung. Die Förderung der Peer-to-peer Lehre. Studierende werden in Zukunft nicht mehr nur als Masse von einem Professor beschallt werden, sondern werden sich die Lehrinhalte durch Dialog und Diskussion gemeinsam erschließen – sowohl online als auch offline. Wir bieten das, was dafür heute noch fehlt.

Jetzt müssen wir nur noch die Professoren überzeugen. Wer uns dabei unterstützen möchte, kann sich einfach bei unserem Campus Ambassador Programm anmelden. Im April gehen wir damit pünktlich zum Sommersemester in Deutschland an den Start.

Vielen Dank für das Interview!

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