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19.11.12Kommentieren

Interview mit René Carstanjen

"In Deutschland gibt es zu wenig Unternehmer"

René Carstanjen ist IT-Unternehmer, Fotograf und liebt italienisches Essen. In Interview mit förderland stellt er sein aktuelles Fotoprojekt "PerspektivenReich Nordbayern – Unternehmerpersönlichkeiten ganz nah" vor.

René CarstanjenRené Carstanjen

förderland: Hallo Herr Carstanjen, Sie suchen sich für Ihre Portraitprojekte gerne "Gruppen, die mit möglichst vielen Vorurteilen belegt sind". Welche Vorurteile "schwebten" über den ehemaligen Teilnehmern des Businessplan-Wettbewerb Nordbayern, die Sie mit der Kamera für das Projekt "PerspektivenReich Nordbayern" portraitierten?

René Carstanjen: In Deutschland gibt es zu wenig Unternehmer, auch weil meiner Meinung nach in der Gesellschaft das Bild vom Firmenchef als Egoisten und Ausbeuter, der keine Steuern zahlt, weit verbreitet ist. Diese Einschätzung ist genauso unzutreffend wie die Annahme, dass man als Arbeitnehmer einem Unternehmer nicht auf Augenhöhe begegnen könne. Meine Projekte zeigen immer die Vielfalt und treten gegen eine allzu simple Schwarz-Weiß-Sicht an.

Wie haben Sie die Gründer und Unternehmer bei den Shootings kennengelernt? Wurden typische Vorurteile bestätigt?

Carstanjen: Alle Unternehmer waren offen für Ideen, die wir vorab in Telefongesprächen erarbeitet haben. Etwas schwieriger war da schon die Umsetzung im Fotostudio. Es sollte ja eine Kunstausstellung werden und keine Werbekampagne.

Das Loslassen fiel einigen Teilnehmern schwer, auch Angst vor dem nicht perfekten Abbild in der Öffentlichkeit. Wenn Sie so wollen, ist das vielleicht ein Vorurteil, das bestätigt wurde: Nach außen hin soll immer alles perfekt in unserer Unternehmenswelt sein – obwohl der Blick hinter die Kulissen viel spannender ist. Ich hatte hier durchweg mit Menschen zu tun, die gerne etwas bewegen wollen und für ihre Visionen leben und dafür auch viele Opfer bringen.

Sie sind ja nicht nur Fotograf, sondern führen darüber hinaus ein IT-Unternehmen. Skizzieren Sie uns doch ein kleines Portrait von sich selbst – zur Abwechslung mal mit Worten ...

Carstanjen: Die Kurzform wäre: ein Meter siebenundneunzig, kurze Haare, fotografierender B12 AG-Vorstandsvorsitzender mit Liebe zum italienischen Essen. Zwar ist mein Unternehmeralltag nicht gerade langweilig, aber ich mag eben die Abwechslung, darum fahre ich zweigleisig.

Auch im IT-Bereich sind wir vielfältig tätig: Unser Kerngeschäft dreht sich um den Einsatz von heterogenen IT-Systemen, zukunftssichere Beratungen und Informationen für die Investitionsplanung unserer Kunden und den Klassikern Sicherheitsmanagement, Outsourcing usw. oder ganz kurz: Wir schaffen zuverlässig Ruhe in den Unternehmen. Wenn man künstlerisch tätig ist wie ich, muss man in vielen Welten tanzen können, gerade diese Breite macht mir ungeheuren Spaß.

Wie ist die Idee zu "PerspektivenReich Nordbayern – Unternehmerpersönlichkeiten ganz nah" entstanden? Und mit welcher Idee, welchem Konzept sind Sie das Projekt angegangen?

Carstanjen: Die Idee entstand spontan, vor fast 1,5 Jahren. Zur Vernissage meiner damaligen Nürnberger Ausstellung "Ich bin´s!" über die Träume von 70 Schülerinnen im Teenageralter traf ich Frau Dr. Hatz vom netzwerk nordbayern, für das ich mich mit meinem Unternehmen als Sponsor engagiere. Da die Begeisterung über diese Bilder bei ihr groß war, schlug ich spontan eine Fotoausstellung zum anstehenden 15-jährigen Jubiläum des Netzwerks vor. Mit ehemaligen Teilnehmern am Businessplan-Wettbewerb Nordbayern, um die Menschen hinter dem gedruckten Papier eines Geschäftskonzepts oder dem unpersönlichen Firmennamen zu zeigen.

Und das Ergebnis ... Welche Portraits gefallen Ihnen am besten? Und: Welche Geschäftskonzepte haben Sie am meisten beeindruckt?

Carstanjen: Die verschiedenen Konzepte aus völlig unterschiedlichen Branchen gegeneinander aufzurechnen wäre falsch und unfair – das netzwerk nordbayern und ich wollten mit diesem Ausstellungsprojekt schließlich gerade auch deutlich machen, wie vielfältig die Gründerlandschaft in Franken und der Oberpfalz ist. Alle Ideen und Beteiligten haben für ihre jeweiligen Bereiche Hervorragendes zustande gebracht. Genauso verhält es sich mit den fertigen Portraits. Bei solchen Aktionen sollte es nicht um ein Ranking gehen, sonst würde man wiederum nur die Kulisse bedienen.

Hier stehen Menschen und ihre Ideen und Träume im Mittelpunkt, damit sollte sich jeder Besucher selbst in der Ausstellung auseinandersetzen und für sich ein Fazit ziehen. Deshalb war es mir auch persönlich wichtig, dass die jeweiligen Unternehmer begleitende Texte zu ihren Bildern verfassen, um deren Aussage jeweils noch zu vertiefen. Diese Zitate habe ich direkt auf die Bilder aufgedruckt.

Wo können wir Ihre Bilder bewundern?

Carstanjen: Die Bilder wurden im Oktober im Nürnberger Rathaus gezeigt. Jetzt ist die Ausstellung bis Sommer 2013 in Nordbayern auf Reisen, bis 22. November läuft sie z.B. noch in der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen. Alle aktuellen Termine findet man auf www.netzwerk-nordbayern.de.
 
Gibt es schon Ideen für weitere Fotoprojekte?

Carstanjen: Selbstverständlich. Ständig gibt es Inspirationen, Gedanken, Anregungen. Bis zum Jahresende sammle ich meine Ideen und dann entscheide ich, was ich realisieren will. Immerhin soll es Vergnügen machen und keine Fließbandarbeit werden.

Vielen Dank für das Interview!

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