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27.10.11Leser-Kommentare

Witziges Konzept

Immer mehr fränkische Omas greifen wegen Start-up zur Nadel

Ein Fürther Start-up ist vor kurzem aufgebrochen, um tapfer bisher hermetisch verschlossene Marktmonopole niederzureißen, die fest in der Hand privilegierter deutscher Familien waren. Die Rede ist von Strickwaren aus Omas Hand. Und eine Kleinanzeige in einem Wochenblatt brachte alles ins Rollen.

Foto: Jan Dzulko, myoma.deFoto: Jan Dzulko, myoma.de

Verena Röthlingshofer entspannte gerade im Urlaub vor dem Fernseher, als ein Bericht über konspirative Treffen strickender Großmütter sie stutzig machte: Den ganzen Tag lang strickten diese Omas, unterhielten sich dabei munter und waren beinahe – ja, glücklich. Und ganz neben bei produzierten sie meterweise Schals, Mützen und Handschuhe – aber nur für ihre undankbaren Enkel und Kinder. Zu allem Überfluss müssen die Großmütter dann auch noch mit immer knapperen Renten auskommen. "Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit", war der erste Gedanke, den Frau Röthlingshofer hatte, der zweite war: "Was für eine Geschäftsidee!". Voilà – es war ein kleines Saatkorn für ein Start-up gelegt, dass in den nächsten Monaten zu einem runden Geschäftskonzept samt Onlineshop heranblühen sollte.

Die Konzeption – oder: Wie bringt man die Oma zum Stricken?

Verena Röthlingshofer tat genau das, was man tun sollte, wenn man eine gute Idee hat: Sie erzählte sie herum. Schnell fand die junge Frau aus Fürth Interesse im näheren Familienkreis – genauer gesagt bei ihrem Bruder Jörg. Da die beiden sich durch ihre langjährige Agenturtätigkeit recht gut mit dem Geschäft und dem Marketing auskannten, aber noch ein Lücke im technischen Bereich klaffte, kam noch ein dritter Gründer, Jan Dzulko mit an Bord.

Bis im Mai diesen Jahres die Gründung der "Lieblingsoma GmbH" von statten gehen konnte, mussten aber noch eine ganze Reihe von Fragen beantwortet werden: Wo bekommt man die Omas her? Woher wissen die Omas, was sie stricken sollen? Haben Omas Internet? Woher kommt die Wolle? Was wollen wir stricken lassen? Nach etwa fünf Monaten Arbeit, war auf fast jede Frage eine Antwort gefunden und es ging an die Realisierung. Ein Shop musste entworfen werden – hier halfen die guten Verbindungen zur PR-Agentur, in der das Geschwisterpaar Röthlinghofer nebenbei auch noch arbeitet und weiter: Es musste eine Armee an strickwütigen Omas kontaktiert werden.

Dazu beobachteten die Gründer einfach ihre eigenen Omas und schalteten schließlich einige billige Kleinanzeigen in mittelfränkischen Gratis-Wochenblättern. Niemand studiert diese Publikationen eingehender als Rentnerinnen mit Zeitüberschuss und so war es kein Wunder, dass sich auf jedes Inserat fast 50 Omas meldeten. Denn hier lauerte ihre große Chance, aus ihrem Hobby einen attraktiven Nebenverdienst herauszuschlagen.

Als man genug Großmütter kontaktiert hatte, lud man zu einer Strick-Off-Veranstaltung ein, die in Wirklichkeit ein riesiges Omakränzchen mit Kaffe und Kuchen war. Hier wurde den alten Damen beigebracht, wie das System "myoma" funktionieren sollte: Jede Oma bekam eine Wollfarbe zugeteilt: Es gab blaue Omas, gelbe Omas, graue Omas … und noch einige mehr. Sollte nun eine Bestellung für eine bestimmte Farbe eintreffen – wird die entsprechende Dame kontaktiert und folgt einer genauen Strickanleitung – ein Buch mit allen Strickmustern, die myoma anbietet. Diese wiederum wurden von einer befreundeten Designerin und durch den eigenen Geschmack angeregt und mühevoll von einer Vorstrickerin entwickelt, getestet und dokumentiert. Diese Saison ist Grob- und XXL-Strick angesagt. Verena Röthinghofer erinnert sich lachend an die Auftakt-Veranstaltung: "Die Omas haben sich richtig gut verstanden und auf dem Photoshooting, was wir einige Zeit später veranstalteten trafen sie sich wieder. Manche Omas helfen einander sogar, bei schwierigeren Strickmustern. Wir wollen diese Treffen beibehalten und haben einen riesigen Spaß daran, wie sie sich austauschen. Sie freuen sich, wieder einen Sinn abseits vom Enkel hüten zu haben und manche Oma kann das zusätzliche Geld gut gebrauchen."

Der schlimmste Moment

Auch beim fertigen Produkt haben die Gründer alles richtig gemacht – ein Onlineshop ist entstanden, mit einer überschaubaren Produktpalette, professionellem Design, hochwertigen Fotos und einer einfachen Bedienbarkeit. Es werden Stulpen, Fäustlinge, Schals, Socken, Mützen, sogar Schlipse angeboten – für Kinder, Erwachsene und Babys. Die Preise sind gesalzen, doch man weiß, dass man etwas Gutes dafür bekommt und auch dass man etwas Gutes damit tut. Über den Daumen gepeilt bekommen die Omis ein Drittel der Einnahmen. Ein weiteres Drittel geht für Wolle, die Anleitungen und andere Fixkosten drauf. Die Gehälter von myoma finanziert das letzte Drittel des Verkaufserlöses.

Jedes fertig gestrickte Teil ist mit dem Namen der Oma markiert, die es gestrickt hat. Auch liegen dem Versandpaket Karten mit einem handschriftlichen Gruß der Omas bei – das ist gelebte Kundenbindung und gleichzeitige Qualitätssicherung: Wer eine Beschwerde hat, weiß genau, welche Oma falsch gestrickt hat. Und genau hier liegt auch der schwierigste Teil des Geschäfts mit den Großmüttern: "Wenn eine Oma einfach nicht mit den Strickmustern zurecht kommt und abzusehen ist, dass sie sie auch nicht erlernen kann, dann müssen wir auch – sehr selten – Omas absagen. Das ist kein schöner Moment und trübt den Spaß an myoma dann ordentlich," spricht die Gründerin wehmütig, "aber wir müssen halt auf die Qualität achten – die Ware und die Materialien sind sehr teuer – da bleibt nicht viel Platz für Experimente."

Die Auftragsabwicklung funktioniert übrigens größtenteils übers Telefon. „Die Omas sind nicht so Internet-affin – wir telefonieren fast jeden Tag mit unserer 'Mannschaft'!“.

myoma.de ging letzten Dienstag übrigens online und freut sich auf Bestellungen. Unterstützen Sie die gute Idee und die fränkischen Omas! Ach ja, myoma hat eine Facebook-Seite, die noch nach Fans sucht – denn da das Start-up eigenfinanziert ist, bleibt wenig Geld fürs klassische Marketing übrig.

Kommentare

  • Jens

    27.10.11 (15:02:39)

    Finde die Idee wirklich klasse - auch toll umgesetzt - Kompliment! W?nsche Euch viel Erfolg!

  • Fashioner

    29.11.11 (15:17:15)

    ...auch von unserer Seite f?r diese gute Idee und die gelungene Umsetzung. M?gen die Nadeln gl?hen und die Kassen klingeln! Wir freuen uns schon darauf, bald auch die Erfolgsgeschichte dieses innovativen Labels erz?hlen zu k?nnen.

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