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28.07.08Kommentieren

Interview mit Paul Jozefak, Neuhaus Partners

"Im Moment ist eigentlich alles interessant, was mit Mobiltelefonen zu tun hat"

Zur Person: Paul Jozefak ist Managing Partner bei Neuhaus Partners, einem Venture Fonds für den Technologie-Bereich. Die Venture-Capital-Gesellschaft investiert in Unternehmen, die sich von anderen durch einen innovativen Technologievorsprung abheben. Zuletzt hat Neuhaus Partners unter anderem in TalentRun, Telcast Media, Viif und Cellity investiert.

Paul Jozefak ist Managing Partner bei Neuhaus Partners.Paul Jozefak ist Managing Partner bei Neuhaus Partners.
Bild: Jozefak

förderland: Herr Jozefak, wie läuft eine Woche gewöhnlich bei Ihnen ab?

Jozefak: Ich bin hauptsächlich damit beschäftigt, neue Investments zu suchen und die schon bestehenden zu pflegen. Wir kümmern uns auf Partnerebene um die Start-ups. Wenn ich nach neuen Firmen suche, knüpfe ich Kontakte entweder über mein eigenes Netzwerk oder über Bekannte. Gleichzeitig kümmere ich mich um die Investments, die wir schon getätigt haben. Hier sitze ich oft im Aufsichtsrat und unterstütze die Gründer dabei, ihre Unternehmen aufzubauen. Wir greifen den Unternehmen nicht nur finanziell unter die Arme, sondern fördern sie auch mit dem nötigen Know-how.

förderland: Wie sieht für Sie der ideale Gründer aus?

Jozefak: Erfahrung ist extrem wichtig. Jemand, der vorher schon etwas in diese Richtung gemacht hat, weiß in etwa, was auf ihn zukommt - auch in schwereren Zeiten. Darüber hinaus spielt das eigene Netzwerk eine große Rolle. Außerdem sollten Gründer natürlich das entsprechende Know-how für den Bereich mitbringen, in dem sie gründen wollen. Unternehmer, die zum ersten Mal ein Start-up gründen, fördern wir eher nicht. Unsere Investments sind meist ehemalige Gründer, sie kommen selten aus Angestelltenpositionen. Denn dann fällt es den betreffenden Personen oft schwer, die richtige Einstellung zum Unternehmertum zu entwickeln und ihre Sicherheiten hinter sich zu lassen.

förderland: Investieren Sie eher in Einzelgründer oder in Gründerteams?

Jozefak: Meistens in Teams. Es ist eher die Ausnahme, dass wir in Einzelpersonen investieren. Wenn wir einen Gründer besser kennen und schon in eines seiner Projekte investiert haben, kann es aber vorkommen, dass wir in einen Einzelnen investieren. Meistens suchen wir aber Unternehmen aus, in denen es zumindest zwei bis drei Manager gibt, die die wichtigsten Positionen besetzen. Es sollte bereits einen CEO geben und jemanden, der sich um Marketing und Finanzen kümmert. In Technologieunternehmen muss natürlich auch eine Person dabei sein, die sich um die Technologie kümmert.

förderland: Was kommt auf die Gründer zu, wenn sie Neuhaus Partners mit ins Boot holen?

Jozefak: Viel Arbeit – als erstes bekommt der Gründer natürlich das Geld und als zweites kommt auf ihn einiges an Verantwortung zu. Wir helfen, wo wir können, aber der Gründer muss ganz genau wissen, dass wir nicht seine Existenz sichern wollen. Stattdessen geht es darum, dass wir Investments machen und damit Geld verdienen wollen. Meistens können die Unternehmer damit rechnen, dass wir sie drei bis fünf Jahre unterstützen. In diesem Zeitraum muss das Unternehmen vielfach vergrößert werden und es muss ein entsprechendes Wachstum geben. Am Ende des Investitionszeitraums sollte es dann eine Exit-Situation geben.

förderland: Wie viel Prozent erwerben sie im Normalfall von den Unternehmen?

Jozefak: Hier gibt es keinen Standardwert. Es hängt auch davon ab, wann wir in ein Unternehmen einsteigen. Aber meistens liegen die Werte zwischen 20 und 40 Prozent.

förderland: An wie vielen Unternehmen beteiligen Sie sich momentan?

Jozefak: Wir sind meistens mit 15 bis 20 Investments beschäftigt.

förderland: Welche Technologie-Bereiche haben im Moment das größte Gründungspotenzial?

Jozefak: Im Moment ist eigentlich alles interessant, was mit Mobiltelefonen zu tun hat. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird es eine immer größere Rolle spielen, dass man mit dem Handy lokalisiert werden kann. Darüber hinaus hat auch alles weitere, was sich in diesem Segment entwickelt hat, großes Potenzial.

Nach wie vor gibt es viele interessante Ideen, die man im Internet verwirklichen kann. Der Datingbereich ist auch immer noch spannend. Hier sind interessante und innovative Ideen gefragt. Wir sind auch im Gamingbereich tätig. Solche Themen würde ich im Moment empfehlen.

förderland: Wie schätzen Sie die Gründungsbedingungen momentan in Deutschland ein?

Jozefak: Sehr gut, es gibt genug Investoren. Und wenn eine Idee gut ist, wird man auch Leute finden, die sie finanzieren werden. Auch die öffentlichen Fördermöglichkeiten sind eigentlich nicht schlecht. Hier gibt es einige Möglichkeiten wie den High-Tech Gründerfonds. Allerdings werden öffentliche Förderungen immer anders gehandhabt als private. Manchmal gibt es hier Interessenskonflikte, weil wir andere Ziele haben.

förderland: Welche Tipps würden Sie Gründern mit auf den Weg geben?

Jozefak: Um eine gute Idee umzusetzen, sollte man ein starkes Netzwerk aufbauen. Man muss Leute kennenlernen und sich in das eigene Themengebiet gründlich einarbeiten. Man sollte außerdem viel Zeit einplanen und nicht die Motivation verlieren. Viele Gründer denken, dass es leicht und schnell geht, ihre Idee umzusetzen. Meistens dauert es jedoch fünf bis zehn Jahre, bis die Unternehmen erfolgreich sind. Man muss eben einen langen Atem haben.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

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