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28.10.14Kommentieren

Interview mit Stephanie Wahl, Gründerin Nature Relations

"Ich plane sehr gerne - nur ist das mit einer launenhaften 3-Jährigen fast ein Ding der Unmöglichkeit"

Stephanie Wahl ist erfolgreiche Unternehmerin, die nach dem Exit kürzlich ihr zweites Unternehmen gründete. Außerdem ist sie Mutter einer drei Jahre alten Tochter. Im Interview spricht Sie darüber, wie sie beide Rollen unter einen Hut bekommt, wie sie es schaffte, in die Führungsrolle reinzuwachsen, warum sie sich aus der Tuning-Branche verabschiedete und jetzt auf vegane Naturkosmetik setzt.

förderland: Hallo Frau Wahl, die Gründerszene in Deutschland – und auch international – beklagt einen Mangel an Frauen. Sie sind nicht nur Unternehmerin, sondern haben Ihre ersten Schritte als Gründerin sogar in der männlich dominierten Tuning-Branche getan ... Wie war das für Sie?

Stephanie Wahl:
Vor allem die ersten Jahre kann ich guten Gewissens als sehr spannend bezeichnen. Für solch eine Konstellation gibt es ja nun kein Handbuch, also musste ich mich einfach auf mein Bauchgefühl verlassen. Da mich aber Herausforderungen stets anspornen und ich mich nicht so leicht unterkriegen lasse, habe ich meinen Weg schließlich gemacht. Dabei gebe ich aber gerne zu, dass es speziell im Kontakt mit ausländischen Geschäftspartnern, bei denen der Status von Frauen in der Wirtschaft noch sehr ausbaufähig ist, manchmal sehr mühsam war, akzeptiert zu werden. Vor allem bei den ersten persönlichen Treffen war die Überraschung auf Seiten meiner Geschäftspartner oft nicht zu übersehen. War dann aber das Verhältnis einmal geklärt, dann war die Zusammenarbeit stets problemlos.

Ihr erstes Start-up RaceChip haben Sie im Alter von 25 Jahren gegründet. Sie waren erfolgreich – und verantworteten „plötzlich“ 45 Mitarbeiter. Wie sind Sie mit dieser Verantwortung umgegangen? Wie haben sie „geführt“? Und wie haben Sie „Führung“ gelernt?

Wahl:
Am Anfang war alles sehr familiär und basierte rein auf Intuition und gegenseitigem Vertrauen, wie in einem Freundeskreis. Mit der Zeit aber wurden die Zuständigkeiten spezifischer, die Kompetenzen individueller und die Prozesse wichtiger. Entsprechend wurde das Miteinander stellenweise sachlicher und rationaler, womit ich mich zu Beginn eher schwer tat. Natürlich ging dies auch den Mitarbeitern der ersten Stunde so, die lernen mussten, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, die mehr Organisation erforderten. Da diese Entwicklung sehr schnell ging, hatten wir alle kaum Zeit uns darauf einzustellen.

Mein Führungsstil war sehr auf „Wohlfühlen“ bedacht – eine gute Atmosphäre und ein Maximum an Gleichberechtigung waren mir immer sehr wichtig. Gerade in einem Start-up arbeiten die meisten viele Stunden am Tag, die sie sonst zuhause oder mit dem Hobby verbringen würden. Da war es mir wichtig, dass der Einsatz honoriert wird und Spaß macht. Die allermeisten Mitarbeiter haben dies auch durch extrem hohe Loyalität honoriert. Klar ist aber auch, dass nicht jeder mit solch einem Führungsstil umgehen kann.

Alles in allem lief bei mir vieles nach dem Motto „Learning by doing“. Ich habe dann aber natürlich auch versucht, mir durch Seminare etc. das notwendige Knowhow für strategische Personalführung anzueignen.


Das RaceChip-Team


Sie haben sich in diesem Jahr für den Exit entscheiden. Warum?

Wahl: Die Entscheidung meine Anteile an den Firmen RaceChip und Tuningkit zu verkaufen, fiel im Herbst 2013, knapp 2 Jahre nach der Geburt meiner Tochter. Der endgültige Verkauf folgte dann im Jahr 2014. Dies war auch der Zeitpunkt, mich geschäftlich neu zu orientieren. Familie und Beruf wollte ich so besser in Einklang bringen. Außerdem war ich bereit für eine neue Herausforderung. Dazu kam noch ein technisches Argument: Wir konnten wir im März 2014 die Produktenwicklung unserer ersten Serie abschließen und waren bereit für den Go to Market.

Sie sind nicht nur Unternehmerin, sondern auch Mutter. Wie lassen sich diese beiden Rollen vereinbaren? Welche Herausforderungen gibt es? Und wie gehen Sie die an?

Wahl: Ich plane sehr gerne – nur ist das mit einer launenhaften 3-Jährigen fast ein Ding der Unmöglichkeit. Neben Flexibilität sind hier der Kindergarten und meine Familie sehr oft gefragt, wenn es ums Aufpassen geht. Vor allem bei Abendterminen ist das natürlich eine besonders große Herausforderung. Da muss ich dann schon oft abwägen, ob ich abends nochmal rausfahre oder doch zuhause bleibe.

Daneben liegt der Schlüssel wohl in einer Kombination aus Multitasking und Gelassenheit. Ich versuche bis zu einem gewissen Punkt einfach x Dinge gleichzeitig zu erledigen. Wenn es eben mal nicht geht, dann habe ich meist die Ruhe, das zu akzeptieren und Prioritäten zu setzen, wohlwissen, dass ich eventuell auf Dinge verzichten muss, die ich ohne Kind erledigen würde.

Nichtsdestotrotz genieße ich beide Aufgaben, die als Mutter und die als Unternehmerin sehr, und ich kann jedem und jeder nur sagen: Es gibt für alles eine Lösung.

Kürzlich haben Sie mit der Nature Relations GmbH & Co. KG ein Unternehmen in einem ganz anderen Bereich gegründet. Wie kam es zu der Entscheidung? Welche Chancen sehen Sie auf dem Markt für vegane Naturkosmetik?

Wahl: Ich bin zunächst mehr oder weniger durch Zufall auf den Vegan-Trend aufmerksam geworden und habe mich dann in das Thema eingearbeitet. Klar, es war auch ein wenig Spekulation darauf, dass die Entwicklung andauert, was nun auch der Fall ist. Vegane Produkte sind gefragt wie nie zuvor. Die Menschen entscheiden immer bewusster, was Ernährung und Körperpflege angeht. Außerdem wollte ich die Zielgruppe wechseln. Männer als Kunden, das war spannend – aber Frauen als Absatzmarkt, das ist nochmal eine ganz andere Geschichte.

Den Markt sowie unsere Chancen in diesem Umfeld schätze ich als sehr groß ein. Zum einen steigt die Nachfrage rasant, zum anderen haben die Big Player diesen Bereich noch nicht besetzt. Die ganz großen Hersteller haben meist ein so breites Portfolio, dass es ihnen schwerfällt, sich mit veganer Naturkosmetik glaubwürdig zu positionieren. Diese Megabrands sind seit Jahrzehnten wie Supertanker auf einem festen Kurs unterwegs. Uns sehe ich da im Vergleich als ein kleines und wendiges Schnellboot, das rasch reagieren kann und schneller am Ziel ist.

Welche Fehler werden Sie bei Ihrer zweiten Gründung nicht mehr machen? Vor welchen neuen Herausforderungen stehen Sie?

Wahl: Ich würde nicht von Fehlern sprechen, aber sicherlich war ich bei meinem ersten Unternehmen manchmal etwas zu unbedarft und hatte keine Ahnung, auf was ich mich einlasse. Am heftigsten war die Lernkurve als es darum ging, ausländische Märkte zu erschließen. Lieferschwellen, Zollthemen, die Rechtslage im Ausland, die unterschiedlichen Kulturen – hier habe ich eine Menge Lehrgeld bezahlt, das sich aber nun als gutes Investment herausstellt. Ich bin mir sicher, dass mit Nature Relations der Gang ins Ausland wesentlich geschmeidiger laufen wird.

Dies ist unter anderem auch eine der wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft: Die Märkte in den USA, Russland und das benachbarte europäische Ausland. Daneben muss und möchte ich noch unsere Logistik optimieren und die Produktpalette Step by Step weiter ausbauen. Alles anderen Herausforderungen kommen dann von ganz alleine.

Vielen Dank für das Interview!

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