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02.06.11Leser-Kommentare

Interview mit Florian Beyer, fb-shirts

"Ich habe einen Großteil der Wertschöpfung an Partner ausgelagert."

Florian Beyer studiert in Hamburg "Gründen", auf neudeutsch "Entrepreneurship". Im Zuge seines Werkstudenten-Jobs bei Hanse Ventures kam er nicht umhin, das Gelernte auch in die Praxis umzusetzen. Mit seinem kleinen Start-up "fb-Shirts" will er nun Großes erreichen. Seinen Weg zur Gründung, wie es weiter geht und was es mit einem konspirativen Deal mit seinem Kumpel auf sich hat, erzählt er uns hier!

Florian BeyerFlorian Beyer

Grüß Dich Florian, bevor wir über Dein Projekt fb-shirts sprechen, erzähl uns doch ein bisschen von Dir. Woher kommst du? Was kannst du? Wie bist Du ans Gründen gekommen?

Florian Beyer: Hallo Chris. Ich bin in Essen geboren und im Ruhrgebiet aufgewachsen. Nach Abitur und Zivildienst hat es mich nach Köln verschlagen. Dort habe ich Media Management an der Hochschule Fresenius studiert.

Nach dem Bachelor hatte ich Lust, zu gründen, aber wusste noch nicht wirklich, was. Trotzdem bin ich nach Hamburg gezogen, um meinen Master in Entrepreneurship, also Unternehmensgründung, und das Entrepreneur in Residence Programm bei Hanse Ventures zu machen.

Du hast also bei Hanse Ventures am "Entrepreneur in Residence"-Programm teilgenommen? Wie genau funktioniert das? Wie bewirbt man sich, was hast Du gelernt?

Beyer: Das EIR-Programm wird von Hanse Ventures auch als die "Ausbildung zum Unternehmer" bezeichnet. Du kannst je nach Bedarf und Vorlieben in verschiedenen Bereichen arbeiten, also z.B. im Online-Marketing oder in einem der Portfolio-Unternehmen.

Ich habe im Business-Development gearbeitet, wo es mir am besten gefallen hat. Dort habe ich externe Business-Pläne gelesen und bewertet, Märkte analysiert und eigene Ideen entwickelt. Ich habe vor allem gelernt, schnell Geschäftsmodelle zu bewerten, welche Trends im Internet in Zukunft entstehen könnten und was es kostet, ein Internet-Business zu gründen.

Der größte Gewinn waren aber auf jeden Fall die Kollegen, von denen viele Freunde geworden sind. Wir haben lange Abende damit verbracht, Ideen zu entwickeln und daran weiter zu spinnen. Wer sich monatelang mit Gründern und Gründungswilligen umgibt, wird irgendwann von ganz alleine mit dem Gründer-Gen infiziert.

Aus diesem Hintergrund heraus entstand also die Idee für fb-shirts? Erzähl uns doch kurz von Deinem Geschäftsmodell!

Beyer: Ich glaube, einer der großen Trends wird die Verschmelzung von sozialen Netzwerken und E-Commerce sein. Zunehmender Individualismus und das Bedürfnis der Selbstdarstellung sind weitere große gesellschaftliche Entwicklungen.

Ich habe mich intensiv damit beschäftigt und kam auf die Idee, Statusmeldungen aus sozialen Netzwerken auf T-Shirts zu drucken. Das Projekt heißt fb-shirts.com, wobei fb natürlich für Florian Beyer steht ;-).

Wir alle teilen online mit unseren Freunden oder der ganzen Welt, was wir denken und fühlen. Mit fb-shirts kann das jeder auch im "offline" tun.

Als Kunde kannst Du auf unserer Webseite dein Bild hochladen und dir coole Statusmeldungen und Kommentare ausdenken. Wir drucken dann die Statusmeldungen auf T-Shirts und schicken sie dir nach hause.

Wie lange hat die Entwicklung des Dienstes gedauert?

Beyer: Die Idee kam kurz vorm Jahreswechsel und hat in der Umsetzung ziemlich genau ein halbes Jahr gedauert. Ich habe die Idee zunächst juristisch prüfen lassen, einen exzellenten Programmierer gefunden und Verträge mit unseren Partnern und Dienstleistern geschlossen.

Das war eine total spannende Zeit. Ich habe ja noch bei Hanse Ventures gearbeitet, musste Hausarbeiten schreiben und wollte auch noch halbwegs regelmäßig in den Vorlesungen erscheinen. Für fb-shirts habe ich dann einige Nachtschichten eingelegt.

Die zeitliche Restriktion half aber dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und produktiv zu bleiben. Außerdem macht es unglaublichen Spaß, die Herausforderungen, die sich während der Umsetzung ergeben, zu meistern und sein Projekt wachsen zu sehen.

Du hast Dir etwas zugelegt, worum viele Webgründer Dich beneiden: Ein Business, was nahezu automatisch läuft und wenig Zuwendung braucht. Wie hast Du es angepackt? Wie funktioniert das System und wie hast Du verlässliche Partner gefunden?

Beyer: Der Autor Tim Ferris hat ein spannendes Buch geschrieben, das die "4-Stunden-Woche" heißt. Er bezieht sich dabei auf das Pareto-Prinzip, nachdem 80% der Ergebnisse in 20% der Zeit geschafft werden. Zeit- und Produktivitätsfresser während der Gründung werden eliminiert, automatisiert oder outgesourct.

fb-shirts funktioniert genau nach diesem Prinzip. Ich habe einen Großteil der Wertschöpfung an Partner ausgelagert: Ich beziehe von einem Londoner Unternehmen ethisch produzierte Shirts, die nicht nach einem Mal waschen zwei Nummern kleiner sind.

Wenn sich der Kunde ein Shirt erstellt, werden die Druckdaten automatisch zu meinem Druckpartner geschickt. Er lagert die Shirts, bedruckt sie, verpackt und versendet sie.

Dadurch kann ich mich auf die Strategie, die Öffentlichkeitsarbeit und die Internationalisierung konzentrieren.

War Dir immer schon klar, dass Du ins Gründergeschäft wolltest - immerhin locken ja nach Deinem Management-Studium auch attraktive Festanstellungen?

Beyer: Ich komme aus einer Unternehmerfamilie. Daher habe ich früh verschiedene Facetten der Selbstständigkeit kennen gelernt. Meine Eltern haben mich immer darin bestärkt, eigene Wege zu gehen.

Während des Studiums habe ich viel ausprobiert und auch für große Firmen z.B. Super-RTL und Coca-Cola gearbeitet. Das waren auch sehr tolle Erfahrungen, aber ich wollte nach dem Bachelor noch zwei Jahre weiter lernen und etwas Eigenes schaffen.

Im Moment genieße ich mein Leben sehr. Die Mischung aus Studium, Werkstudenten-Job und Gründung bietet jeden Tag etwas Neues und man lernt viele, auch sehr unterschiedliche, Menschen kennen.

Ich plane nicht mehr länger als ein Jahr im Voraus. Ich könnte mir aber auch später vorstellen, in einem spannenden Job fest angestellt zu sein.

In Deiner Pressemitteilung erwähntest Du eine kommende Internationalisierung. Wo soll's hingehen und was sind die Herausforderungen bei einem solchen Schritt?

Beyer: Ich spreche im Moment mit potenziellen Druckpartnern vor allem in den USA. Der Markt ist um ein Vielfaches größer, weil dort einfach noch viel mehr Leute in sozialen Netzwerken sind, die ich als Kunden gewinnen will. Durch die Partnerdruckereien kann ich vor Ort produzieren und die Versandkosten reduzieren. Wichtig sind bei der Auswahl vor allem die Druckqualität und dass die Shirts schnell gedruckt und versandt werden. Am Spannendsten wird die Öffentlichkeitsarbeit, damit möglichst viele Leute von fb-shirts erfahren. Da habe ich einiges geplant, verrate aber noch Nichts ;-)

Hast Du auch vor, Geld und Zeit ins Marketing der fb-Shirts zu stecken oder vertraust Du auf einen Automatismus?

Beyer: Ich glaube, jeder Gründer träumt irgendwo von Viralität. Bei uns ist es tatsächlich so, dass viele User auf unsere Seite kommen, indem sie die URL direkt eintippen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit einem fb-shirt sehr oft angesprochen wird und gefragt wird, woher das Shirt kommt. Da die URL auf dem Shirt steht, kommen wohl viele User direkt auf unsere Seite.

Zusätzlich probiere ich gerade ein paar kleinere Online-Kampagnen aus und schaue, welche am Besten funktionieren.

Über Geld spricht man ja bekanntlich ausgiebig! Also, verrätst Du uns, wieviel Du in Dein Projekt gesteckt hast?

Beyer: Ich kann verraten, dass die Kosten in einem überschaubaren Rahmen geblieben sind. Durch das Outsourcing habe ich auch so gut wie keine fixen Kosten und damit ein geringes Kostenstrukturrisiko.

Hattest Du Skrupel, Dein Geschäft anzumelden? Die ganzen Formalitäten, Bilanzen und Bedenken, wenn etwas schief gehen sollte?

Beyer: Nein, nie. Ich denke, in den letzten Jahren hat der Gesetzgeber viel getan, um die Gründung zu erleichtern. Die Gründung der UG war einfach und kostengünstig. Bis zu einer gewissen Umsatzgrenze gelten vereinfachte Bilanzierungsvorschriften.

Klar kann bei der Gründung eine Menge schief gehen und bei fb-shirts hat sicherlich auch nicht immer alles so funktioniert, wie ich es mir gewünscht habe. Wichtig sind dann Freunde, die einen unterstützen und in der Idee bestärken.

In der Gründungsphase habe ich unglaublich viel fachlich, aber vor allem persönlich gelernt. Wirtschaftlich wird das Projekt sicherlich ein Erfolg, aber auch davon abgesehen hat sich die Gründung auf jeden Fall gelohnt, da die Erfahrungen, die ich gemacht habe, unbezahlbar sind.

Du hast mir von einem interessanten Deal erzählt, den Du mit einem Freund geschlossen hast. Wie sah das genau aus? Wie kamt Ihr auf den Anteilstausch?

Beyer: Jan ist einer meiner engsten Freunde. Wir wollten beide gründen und haben daher abgemacht, dem anderen einen Anteil von 10% des ersten Unternehmens zu schenken. Wenn Jan also seine 10 Millionen macht, bin ich auch Millionär ;-)

Zum Abschluss: Was inspiriert Dich als Gründer?

Beyer: Die Vielfältigkeit der Aufgaben: Die Kreativität während der Ideenphase. Die analytischen Fähigkeiten, als ich den Markt beobachtet habe und das Potenzial der Idee daraus abgeleitet habe. Die Beharrlichkeit, um komplexe Aufgaben zu lösen und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit.

All diese Fähigkeiten zu kombinieren und Etwas Eigenes zu schaffen, begeistert und inspiriert mich immer wieder neu.

Ich danke Dir Florian, für das nette Gespräch und wünsche Dir viel Erfolg mit Deinen Shirts!

Beyer: Ich danke Dir, Chris!

Kommentare

  • Florian Beyer

    02.06.11 (14:11:50)

    Danke noch einmal f?r das tolle Interview. Hat viel Spa? gemacht.

  • Tanja Handl

    06.06.11 (14:27:45)

    Die Vier-Stunden-Woche wird eindeutig zu h?ufig gelesen... ^^
    Ansonsten ein sehr nettes Interview und auch eine witzige Gesch?ftsidee, die sicher einige Anh?nger finden wird.

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