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21.12.09Kommentieren

Inteview mit Harald Meurer, HelpGroup GmbH

"Hauptziel der HelpGroup ist es, das gesellschaftliche Sozialvermögen in Deutschland zu steigern"

Die im März 2009 gegründete HelpGroup GmbH ist ein Social Business-Unternehmen, das seine gewinne reinvestiert, um die sozialen Unternehmensziele zu verwirklichen. Im Interview mit förderland spricht Gründer Harald Meurer darüber, wie die Idee entstanden ist, wie er die Gründerszene in Deutschland bewertet und wie sich die HelpGroup entwickeln wird.

Harald Meurer, HelpGroup GmbHHarald Meurer, HelpGroup GmbH

förderland: Guten Tag Herr Meurer, stellen Sie sich doch bitte kurz den förderland-Lesern vor? Wie sieht Ihr beruflicher bzw. unternehmerischer Werdegang aus?

Harald Meurer: Ich bin seit gut 25 Jahren aktiv im Management internationaler Firmen in den Bereichen CRM, Marketing, Sales, Consulting und Business Development. Zudem bekleide ich Aufsichtsratsmandate und Beteiligungen bei verschiedenen Unternehmen. Neben meinem beruflichen Engagement bin ich seit zehn Jahren im Bereich Charity ehrenamtlich tätig. 1999 habe ich mit HelpDirect.org, das erste und seit einigen Jahren auch führende deutsche Spendenportal mit über 700 internationalen Organisationen und ihre Projekte in 130 Länder gestartet. Bei HelpDirect.org bin ich verantwortlich für die strategische Ausrichtung, das Marketing und die Betreuung der Kooperationspartner. Zusätzlich berate ich Unternehmen und Organisationen in den Bereichen Corporate Social Responsibility und Fundraising. Außerdem bin ich unter anderem Mitglied im Deutschen Spendenrat und im Deutschen Fundraising Verband.

Sie haben Anfang des Jahres die HelpGroup GmbH gegründet. Stellen Sie uns doch bitte Ihr Unternehmen vor:

Meurer: Hauptziel der HelpGroup ist es, das gesellschaftliche Sozialvermögen in Deutschland zu steigern. Dafür entwickeln wir innovative Produkte und Geschäftsmodelle, die es so bisher noch nicht gegeben hat, um den Organisationen neben ihrem traditionellen Fundraising die Möglichkeit zu geben, neue Kontakte zu den Spendern aufzubauen und damit mehr Spenden zu generieren.

Unsere Ausgangslage war die Krise 2008 und dadurch auch der Anstieg der Armut in Deutschland, die ohnehin schon in den letzten Jahren zugenommen hatte. Weltweit waren die Folgen der Krise verheerend, besonders für die Menschen in den Ländern der Dritten Welt. Spenden aus unserem Land, die sonst einiges in den Armutsregionen auffangen konnten, stagnierten. Nach wie vor müssen sich die Hilfsorganisationen die wenigen finanziellen Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, teilen und auch der Staat reduziert vermehrt seine Unterstützung bei der Umsetzung sozialer Projekte.

Aus diesem Grund entwickelten wir das Businessmodell und die Produktpalette der HelpGroup. Am 04. März 2009 war es soweit: Die HelpGroup GmbH war gegründet.

"Die HelpGroup GmbH wurde durch das Social Business Model von Prof. Yunus inspiriert", heißt es auf Ihrer Website. Was hat es damit auf sich?

Meurer: Yunus definiert die Idee des "Social Business" über zwei Parameter: Das Unternehmen wird ausschließlich dafür gegründet, um soziale Probleme zu lösen. Um diese Zielausrichtung langfristig abzusichern und das Unternehmen weiterhin auszubauen, wird der Gewinn reinvestiert.

Beide Parameter haben wir in der HelpGroup realisiert. Fokus unserer Arbeit ist es, den Organisationen neue finanzielle Möglichkeiten zuzuführen, damit sie für die Herausforderungen zukünftiger Projektarbeiten gerüstet sind. In unserer Gründungssatzung ist schriftlich festgelegt, dass die Gewinne nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern zum Ausbau des sozialen Unternehmensziel der HelpGroup GmbH verwendet werden. Beide Ausrichtungen definieren somit die HelpGroup GmbH als ein Social Business Unternehmen.

Sie entwickeln neue Geschäftsmodelle und Produkte, die Spenden generieren und die es sonst nicht geben würde. Können Sie uns Beispiele geben?

Meurer: Aber gerne. Beispielsweise die HelpCard: Der Markt der Geschenkkarten boomt in den USA, aber auch in Deutschland steigt das Interesse daran stetig. Die Karten belegen mittlerweilen Platz zwei unter den üblichen Präsenten und sind gerade jetzt zu Weihnachten eine beliebte Alternative zu Wein, Lesestoff oder Kleidung. Wir haben die Logik einer normalen Geschenkkarte mit sozialem Nutzen aufgeladen und daraus die HelpCard entwickelt. Sie ist weltweit die erste Geschenkkarte, die Hilfsprojekte aus 130 Ländern von über 700 Organisationen unterstützt. Der Beschenkte kann den Wert der Karte individuell und bequem über das Spendenportal HelpDirect.org an die Organisationen verteilen, die ihm persönlich besonders zusagen.

Alle unsere Produkte zielen auf den Alltag des Verbrauchers ab, um ihn zu motivieren, wieder mehr die Hilfsorganisationen zu unterstützen. Das bedeutet, dass wir die HelpProdukte gezielt an Orten präsentieren, an denen Verbraucher normalerweise nicht mit Spenden und Hilfsprojekten in Berührung kommen. Das können Supermärkte, Fachmärkte, Einzelhandelsgeschäfte aber auch Shoppingsites im Internet sein.

Weitere HelpProdukte sind derzeit in der Entwicklung und manche von ihnen bereits kurz vor der Fertigstellung. Darunter befindet sich auch das Reiseportal HelpReisen.de. Darin bieten wir das komplette Sortiment der meisten Reiseanbieter mit Bestpreisgarantie an. Am Ende der dort gebuchten Reise erhält der Kunde einen HelpGutschein über 3 Prozent des Reisewertes, den er individuell den Hilfsprojekten auf dem Spendenportal HelpDirect.org zugute kommen lässt - ähnlich wie bei der HelpCard.

Wichtig ist, dass wir nicht in Konkurrenz zu den Organisationen stehen. Vielmehr sichern und fördern wir mit innovativen Fundraisinginstrumenten ihr erwirtschaftetes Sozialvermögen. Unsere Produkte ermöglichen den Organisationen neue Wege mehr Spenden zu generieren.

Wie werden Ihre Angebote auf Kundenseite angenommen?

Meurer: Sehr gut: Die HelpCard bieten wir über viele unterschiedliche Kanäle an, wie zum Beispiel über unseren Onlineshop www.helpcard.de. Damit liegen wir genau im Trend, dass immer öfter online eingekauft wird. Der Verbraucher kann in dem Shop ganz individuell seine eigene HelpCard gestalten und mit persönlichem Text versehen. Zur besseren Übersicht haben wir dafür verschiedene soziale Themen zusammengefasst und zusätzlich die Karten nach Anlässen sortiert, über die der Verbraucher seine HelpCard aussuchen und beschriften kann. Der Versand erfolgt entweder direkt an den Empfänger oder an den Besteller, wenn der seine Geschenkkarte lieber persönlich übergeben möchte. Wer nicht online die HelpCard bestellen möchte, erhält sie auch im Einzelhandel, beispielsweise ab Anfang 2010 bei 600 A.T.U.-Filialen

Große Hilfsorganisationen zählen wir demnächst auch zu unseren Kunden. Ihnen bieten wir die HelpCard als Whitelabel-Produkte an, damit sie die Geschenkkarte unter eigenem Logo und Claim an ihre Mitglieder und Förderer weitergeben können. Die ersten Whitelabel-Versionen werden Anfang des neuen Jahres online gehen.

Aber auch im B2B-Markt sind wir erfolgreich unterwegs. Beispielsweise wird die HelpCard von Unternehmen als Incentive eingesetzt, zur Pflege von Geschäftsbeziehungen bis hin zum Ausbau der eigenen Corporate Social Responsibility und natürlich auch zu Kundenbindung über den gemeinsamen sozialen Mehrwert.

Wie ist die Idee entstanden, die HelpGroup zu gründen?

Meurer: Ich wollte schon seit zehn Jahren das Thema des unternehmerischen Wirkens mit sozialem Engagement zusammen führen. Doch erst in jüngster Zeit ist der Markt überhaupt reif dafür, um darauf ein Unternehmen zu gründen, das sinnvoll eine soziale Ausrichtung mit wirtschaftlichen Streben zu verbinden weiß. Den letzten Kick bekam ich auf dem Vision Summit Kongress im November 2008, als ich Prof. Yunus und sein ökonomisches Prinzip des Social Business kennen lernen durfte. Noch während seines Vortrags entwickelte ich erste Ideen und Konzepte für ein neues Unternehmen. Aufgrund der Verbindung zum Spendenportal HelpDirect.org war es klar, dass der Firmenname ähnlich sein muss. Anfang dieses Jahres startete ich dann die HelpGroup GmbH - The Social Business Company.

Wie sehen Sie sich generell in Ihrer Rolle als Unternehmer? Denken Sie, dass man als Unternehmer per se in einer besonderen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft steht?

Meurer: Grundsätzlich ja, aber ich würde das nicht nur auf das Unternehmertum fixieren. Ich war viele Jahre als Manager tätig. Auch in solchen Positionen sollte man sich seiner Verantwortung für die Gesellschaft bewusst sein. Leider ist diese Denke in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Im Gegensatz dazu ist es in den USA Standard, das Unternehmer und Manager gesellschaftlich sozial aktiv sind.

Wichtig ist jedoch, dass bei allem ehrenamtlichen Engagement, der Unternehmer darin auch den Nutzen für sein Unternehmen erkennt. In aktuellen Studien wird belegt, dass trotz Rezession die Verbraucher vermehrt darauf achten, welches Unternehmen sich sozial engagiert. Sinnvolles, glaubwürdiges und transparentes Corporate Social Responsibility, dass die gesamte Unternehmensstruktur vom Manager bis Mitarbeiter durchdringt, wird vom modernen Verbraucher zunehmend in die Kaufentscheidung mit einbezogen und letztendlich honoriert. Für Unternehmen bedeutet das eine zusätzliche Möglichkeit, sich in unserer Produkt-Überschuss-Gesellschaft individuell zu positionieren.

Wie bewerten Sie das Gründungsgeschehen in Deutschland? Denken Sie, dass sich hierzulande die Gründerkultur weiterentwickelt hat in den letzten Jahren?

Meurer: Ich war bereits in der New Economy erfolgreich aktiv. Damals gab es eine richtige Aufbruchsstimmung sowohl in Richtung industrieller Massenabfertigung, als auch innovative Unternehmensgründungen. Klar wissen wir heute, dass viele Geschäftsmodelle in der Zwischenzeit wie Seifenblasen zerplatzt sind. Die Gründerkultur ist heute aufgrund der Erfahrungswerte von damals sicherlich bedachter und ernster unterwegs und besinnt sich wieder vermehrt auf Individualität und Sinnhaftigkeit. Und das ist auch gut so.

Leider ist die Förderung von Jungunternehmern seitens des Staates hier noch nicht so ausgeprägt, wie in vielen anderen westlichen Ländern. Weiterentwickelt ja, aber leider nicht in der Intensität wie es wünschenswert wäre.

Wie wird sich die HelpGroup weiterentwickeln? Was steht momentan auf Ihrer To-do-Liste?

Meurer: Das erste Jahr war sehr hektisch und von einer Aufbruchsstimmung geprägt. Wir werden unsere Geschäftsmodelle verfeinern, neue Modelle entwickeln und den Schritt ins Ausland wagen. Erste Anfragen aus Übersee liegen bereits vor. Bis dahin setzen wir auf die HelpCard, den HelpCard-Shop und das Reiseportal HelpReisen.de sowie unsere weiteren HelpProdukte, die demnächst offiziell an den Start gehen. Kurz: Es ist viel zu tun und es bleibt spannend!

Vielen Dank für das Interview!

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