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07.04.10Kommentieren

Kolumne von Olaf Jacobi

Harte Fakten über die deutsche Venture Capital-Szene

Hat sich Venture Capital als Unternehmensfinanzierung in Deutschland schon etabliert? Wie sehen die harten Fakten dazu aus? Olaf Jacobi, Partner beim Münchner Venture Capital-Investor Target Partners, beschreibt in seiner neuen förderland-Kolumne, wie der Venture Capital-Markt in Deutschland aussieht.

Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich.Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich.

In der ersten Kolumne habe ich beschrieben, wie die deutsche Venture Capital-Szene entstand und sich entwickelte. Das Ergebnis: Sie befindet sich noch im Aufbau – vor allem im Vergleich zum US amerikanischen VC-Markt. Doch können das auch die Zahlen, Daten und Fakten belegen?

Eine knappe Sache

Aktuelle Studien und Daten über Venture Capital stellt der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) jedes Quartal zur Verfügung. Laut diesen Zahlen ist Venture Capital in Deutschland knapp – vor allem im Vergleich zu anderen führenden Industrienationen.

Europa im Vergleich

Denn der europäische Durchschnitt liegt bei 0,05 Prozent. Das heißt: Insgesamt wurden in Europa im Jahr 2008 durchschnittlich 0,05 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Venture Capital investiert. Spitzenreiter sind Schweden, das 2008 0,15 Prozent seines BIPs investierte, und England mit 0,09 Prozent. Unter diesem Durchschnitt liegen neben Belgien und Portugal auch Deutschland: Nur 0,04 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts flossen als Venture Capital in Start-ups.

In Zahlen

Was bedeutet das in konkreten Zahlen? 2008 wurden in Deutschland 456 Millionen Euro in insgesamt 602 Unternehmen investiert. Das waren drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Venture Capital-Szene zeigte sich noch unbeeindruckt von den Wirren der Finanz- und Wirtschaftskrise. Dies änderte sich in 2009 schlagartig: Die Seed- und Early-Stage-Investitionen sanken um 16 Prozent auf 381 Millionen Euro. Ähnlich auch das Bild bei den Fonds: 2008 gab es noch drei neue Fonds mit 238 Millionen Euro, 2009 hingegen nur zwei neue mit 120 Millionen Euro.

Marktstruktur

Wer teilt sich nun diese Summen auf dem Venture Capital-Markt? Im BVK sind insgesamt 92 Venture Capital-Gesellschaften organisiert (Stand Juni 2008). Sie stellen einen bunten Mix dar: 58 unabhängige Gesellschaften, elf öffentlich geförderte Gesellschaften des Bundes oder der Bundesländer, elf Corporate Venture Capital-Gesellschaften und elf Sparkassengesellschaften.

Zusätzlich investieren noch etwa 20 Mittelständische Beteiligungsgesellschaften, Generalisten und nicht im BVK organisierte Beteiligungsgesellschaften regelmäßig oder zumindest vereinzelt in ein junges Unternehmen. Zusammengenommen gibt es hierzulande also etwa zwischen 110 und 120 Venture Capital-Gesellschaften.

Fazit

Auch die Zahlen bestätigen: Deutschland befindet sich hinsichtlich der Venture Capital-Szene im Aufbau. Das Kapital für diese Finanzierungsform ist im Gegensatz zu anderen Ländern verhältnismäßig knapp. Außerdem gibt es nur wenige Venture Capitalisten, die sich zum einen auf Deutschland und die frühen Phasen Seed und Early-Stage fokussieren und zum anderen ein ausreichendes Fund-Volumen haben, um ein Start-up langfristig zu unterstützen. Doch das sind nur Zahlen und Fakten – ich glaube trotzdem, dass ein Start-up mit einem überzeugenden Business-Case Kapital finden wird.

In der folgenden Kolumne schaffe ich einen Überblick über das "Who is Who" der deutschen Venture Capital-Investoren.


Zur Person:
Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich. 2005 gründete er Collax Inc. (Boston und München), die Linux-Serversysteme für den Mittelstand anbietet und leitete das Unternehmen bis Ende 2006 als CEO. Zuvor war Olaf Jacobi Investor und Vertriebsvorstand der Cobion AG (IT-Security Software), die 2004 erfolgreich an ISS Internet Security Systems Inc. (Atlanta) verkauft wurde.

Von 1999 bis 2002 gehörte er zum Vorstand der ACG AG (NEMAX 50). Von 1992 bis 1999 war Olaf Jacobi in verschiedenen Managementpositionen im IT-Sektor tätig, unter anderem als Senior VP Marketing und Mitglied der Geschäftsführung der Minolta GmbH.

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