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17.09.09Kommentieren

Interview mit Frederick Dohn, Euro London Appointments

"Gute Mitarbeiter machen den Arbeitgeber aus"

Handfeste Ratschläge hat Frederick Dohn für alle Gründer parat. Als Leiter der Niederlassung Düsseldorf bei Euro London Appointments hat er tagtäglich mit den Herausforderungen der Mitarbeiterführung zu tun. Verfolgen Sie, welche Strategien bei großen Unternehemen funktionieren und wie man sie auch bei kleinen Start-ups effektiv einsetzen kann.

förderland: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Arbeitgeber aus?

Frederick Dohn: Ein guter Arbeitgeber ist nicht nur in der Lage, ein harmonisches Arbeitsumfeld zu schaffen, die Mitarbeiter zu motivieren und zu fördern, sondern er erkennt zudem auch, wenn sich ein Mitarbeiter unwohl fühlt – noch bevor er oder sie es selbst realisiert hat. So kann er gegen Probleme und Missstimmungen vorgehen, um eine langfristige Karriere und Zusammenarbeit zu fördern. Ebenfalls sind regelmäßige Feedback-Gespräche hilfreich, um auf jeden Mitarbeiter individuell eingehen zu können. Auch lässt sich die Fragestellung umformulieren: Gute Mitarbeiter machen den Arbeitgeber aus! Mit diesem Grundgedanken sollte jeder Vorgesetzte auf das Wohl seiner Belegschaft achten und sie in Entscheidungen mit einbeziehen. Die besten Ideen kommen oft aus der Belegschaft und nicht immer nur aus der Führungsetage – doch diese Denkweise ist noch nicht bei allen Firmen angekommen. Leider!

Was tun Sie, um Ihre Mitarbeiter zu motivieren oder bei ihnen gar Begeisterung für die Arbeit zu wecken?

Dohn: Wichtig sind in meinen Augen die Aspekte: Zuhören, verstehen und erst dann handeln. Erst dann ist man als Arbeitgeber in der Lage das Umfeld stetig zu verbessern. Jeder Mitarbeiter hat individuelle Punkte, die ihn motivieren; man kann kein starres Schema zur Mitarbeiter-Motivation anwenden. Dennoch gilt es als erwiesen, dass motivierte Mitarbeiter zu höherer Leistung bereit und auch imstande sind. Also: Leistung muss anerkannt werden! Dennoch: Achten Sie bei der Motivation auf die individuellen Bedürfnisse. Es muss nicht immer ein Sachpreis sein – oftmals helfen auch Lob, Kritik, Verständnis, Anerkennung und das besagte offene Ohr.

Ein positives Arbeitsklima sorgt zudem für eine gute Stimmung am Arbeitsplatz. Immerhin verbringen alle hier die meiste Zeit ihres Tages. Ein erster Schritt kann ein Wettbewerb sein, bei dem die gesamte Belegschaft angehalten ist, Verbesserungsvorschläge einzureichen. So erhalten Sie ein erstes ungefiltertes Bild über das aktuelle Befinden in Ihrer Firma und können dann entscheiden, was verbessert werden muss und was in naher Zukunft verbessert werden kann.

Was sind typische Fehler, die bei der Mitarbeiterführung gemacht werden?

Dohn: Als Gründer/-In ist es selbstverständlich, dass Sie von Ihrer Geschäftsidee und Ihrem Unternehmen zu 120% überzeugt sind! Machen Sie jedoch nicht den Fehler, die gleiche Begeisterung und den gleichen Einsatz von Ihrer Belegschaft zu erwarten. Sicherlich, ein Interesse wird schon vertreten sein; sonst würden sie nicht bei Ihnen arbeiten. Doch steht für sie nicht unbedingt die Firma an erster Stelle, sondern das eigene Wohlbefinden.

  • Übergehen Sie Mitarbeiter nicht bei Entscheidungen – gewähren Sie ihnen ein gewisses Maß an Mitbestimmung.
  • Es ist in Ordnung, viel von Mitarbeitern zu erwarten. Solange es realistisch ist und Sie ihnen ebenfalls viel bieten.
  • Sie möchten Ihre Firma nach vorne bringen – doch in Wirklichkeit machen das nicht Sie direkt, sondern Ihre Mitarbeiter. Wie können Sie sie hierbei unterstützen, um dann gemeinsam den Erfolg zu feiern? Weiterbildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten geben Ihrem Team die Motivation, sich voll einzubringen.
  • Als Gründer ist Ihre eigene Unternehmung wie das eigene Kind. Schnell hält eine familiäre Atmosphäre Einzug: Man duzt sich, der Umgang ist locker, man hat Spaß bei der Arbeit, unternimmt auch außerhalb der Arbeit etwas und lacht viel.
    Schnell sind die Grenzen zwischen beruflichem und privatem Leben nicht mehr klar getrennt. Mein Tipp: Halten Sie eine gewisse Distanz! Sie müssen nicht der beste Freund Ihrer Belegschaft sein. Kritik oder gar eine Kündigung kann äußerst schwierig werden, wenn die Grenzen nicht klar gesteckt sind.
  • Sie sind der Chef und man folgt Ihnen. Sie haben eine Vorbildfunktion; nutzen Sie diese Chance. Ihr Team soll sich Ihre Stärken abschauen und nicht Ihre Schwächen. Kommen Sie als erster und gehen als letzter, setzen Sie selbst mit Ihrer Arbeit und Ihrem Auftreten (z. B. Kleidung) Maßstäbe, und man wird Ihnen folgen. Wenn Sie  hingegen jeden Mittag über 2 Stunden in der Mittagspause verbringen und alle 10 Minuten zum Rauchen vor die Tür gehen, denken die Mitarbeiter,  das gleiches Recht auch für sie gilt.


Wie können Jungunternehmer eine gute Kommunikation möglichst frühzeitig in die Unternehmensphilosophie aufnehmen?

Dohn: Regelmäßige Team-Meetings haben sich als erfolgreich erwiesen. Ebenfalls festgelegte Einzelgespräche mit den Mitarbeitern (das berühmte 4-Augengespräch). Warum nicht die Woche mit einem Montagmorgen-Meeting beginnen, um die Themen der Woche gemeinsam zu besprechen und die Mitarbeiter hiernach mit einer motivierenden Ansprache in die Woche starten lassen? Auch haben sich kurze Einzelgespräche am Freitagnachmittag bewährt. Hier kann man die Woche gemeinsam mit dem Mitarbeiter analysieren und konstruktive Kritik geben. Wichtig ist aber auch, das Gespräch mit Lob zu beenden – entlassen Sie den Mitarbeiter mit einem guten Bauchgefühl ins Wochenende.

Vielleicht bietet es sich in Ihrer Firma auch an, ein Freitags-Frühstück mit der Belegschaft als Ritual zu etablieren? Andere Unternehmer haben mit Kaffee und Kuchen am späteren Freitagnachmittag gute Erfahrungen gemacht. In dieser inoffiziellen Atmosphäre lassen sich viele Themen entspannt besprechen und die Kommunikation fördern. Grade für neue Mitarbeiter ist das ein guter Weg, die Kollegen besser kennenzulernen.
 
Welche drei Tipps würden Sie jungen Gründern und Unternehmern für ihre Mitarbeiterführung mit auf den Weg geben?
 
Dohn:

  • Warum sollte jemand seine aktuelle Position kündigen um bei Ihnen zu beginnen? Machen Sie sich Gedanken um Ihre Vorzüge als Arbeitgeber, und arbeiten Sie diese Punkte konsequent aus. Denken Sie aber auch ein Mal über Verbesserungspotenziale nach. Hilfreich ist hier das Feedback Ihrer Mitarbeiter – binden Sie sie z. B. mit einer Umfrage ein und nehmen Sie sich die Verbesserungsvorschläge zu Herzen. Sie wissen ja: Gutes kann man auch besser machen!
  • Nehmen Sie eine Vorbildfunktion ein. Mitarbeiter arbeiten nur so motiviert und engagiert wie ihr Vorgesetzter. Seien Sie als erster morgens im Büro und verlassen es abends als letzter. Achten Sie auf Ihre Umgangsformen, Ihre Kleidung und Ihren Arbeitsstil – Ihre Mitarbeiter schauen sich dies ab. Sind Sie 2 Stunden pro Tag in der Mittagspause und alle 10 Minuten vor der Tür, um eine Zigarette zu rauchen, so färbt das auf das Team ab. Schnell denken die Mitarbeiter, dass selbige Gesetze auch für sie gelten. Das beste Ergebnis erzielen Sie, wenn Sie sich so verhalten wie Sie sich einen idealen Mitarbeiter vorstellen: Engagiert, motiviert, hart arbeitend und mit Spaß bei der Arbeit.
  • Erarbeiten Sie mit Ihren Mitarbeitern individuelle Karrierepläne. Mitarbeiter, die Perspektiven in der eigenen Firma sehen, wechseln seltener den Arbeitsplatz als Menschen, die sich in der „beruflichen Sackgasse“ sehen. Hier helfen Weiterbildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten, die Sie intern oder aber in Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern anbieten können. Schulungen sind eine minimale finanzielle Investition im Vergleich zur Suche, Einstellung und Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters.
    Besprechen Sie die Karrierepläne (fachliche oder persönliche Ziele) in den Quartals- und Jahresgesprächen, um eine Strategie zur Weiterentwicklung zu erarbeiten. Welche Skills benötigt der Mitarbeiter, um seine Position perfekt auszufüllen? Welche Skills werden noch benötigt um die nächste Stufe des Karriereplans zu erreichen? Ihre Mitarbeiter erkennen so, dass Sie sich Gedanken machen und danken es mit einer langen Firmenzugehörigkeit und einer motivierten Arbeitseinstellung. Glauben Sie an Ihre Mitarbeiter – so glauben auch sie an ihre Firma!

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