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07.07.09Leser-Kommentare

Gründertagebuch von onchestra.com

Gründungszuschuss, Gründerstipendium, Nebenjob, oder …?

Vom Laptop über die notwendigsten Versicherungen bis hin zu Kaffeemaschine – alles Dinge, die bei einer Full-Time-Unternehmensgründung ohne Fremdkapital irgendwie bezahlt werden müssen. In der neuesten Folge ihres Gründertagebuches kalkulieren Jörg Pescheck und Michael Krause, die beiden Gründer von onchestra.com, ihre Anfangsinvestitionen und diskutieren mögliche Finanzierungsmöglichkeiten. Diskutieren Sie mit!

Jörg Pescheck und Michael Krause, Gründer von onchestra.comJörg Pescheck und Michael Krause, Gründer von onchestra.com

Nein – hier geht es nicht um Wagniskapital, vermögende Privatleute oder aufreibende Kreditverhandlungen. Denn einer unserer großen Vorteile ist doch, prinzipiell nur ein Dach über dem Kopf und einen Rechner zu brauchen - und eventuell auch noch einen Server, der die Onlinepräsenz beherbergt. Aber das war's schon (wer jetzt schon nach dem riesengroßen Marketingbudget, den Aufwendungen für die Gründungsmodalitäten und den Kosten für den Rechtsbeistand schreit, sollte sich zunächst bitte noch etwas gedulden). Was haben wir in unserem Fall als 2-Personen-Team also bisher konkret für - reale, keine kalkulatorischen - "Anfangsinvestitionen":

  • Laptop: hat jeder

  • Zwei Schreibtische : 60 Euro (Eigenkreation aus dem Baumarkt)

  • Zwei Schreibtische : 20 Euro

  • Drucker: fährt noch irgendwo einer im Keller herum

  • Scanner: 10 Euro (gebraucht)

  • Mikrowelle: 30 Euro

  • Maklerprovision fürs Büro: Es gibt immer Räumlichkeiten, die keines Maklers bedürfen.

  • Kaution: nicht nötig, da Privaträume als Büro umfunktioniert werden (nein, das muss nicht beim Bauamt angemeldet werden, da weder Publikumsverkehr herrscht noch ein Chemielabor installiert wurde und mit der postalischen Adresse auch nicht aktiv geworben wird)

  • 1.0-Kaffeemaschine (wer braucht einen Kaffeeautomat?): abgestaubt und gespült – wie neu!

Summa Summarum sind wir also bei exakt 120 Euro. Soweit so schön. 120 Euro sollte man auch als mittelloser Student oder 400 Euro-Jobber aufbringen können (wiederum Nein: Das soll nicht abwertend klingen. Alles schon selber gewesen und daher generell keine Vorurteile in diese Richtung).

Soweit, so gut, aber:

Was ist denn mit dem privaten Leben? Essen, trinken, wohnen, vorsorgen, versichern, mobilen – alles Dinge, die es nicht umsonst gibt. Ja, ich weiß, das sind laufende Kosten die streng genommen nicht unter "Investitionen" fallen. Na und? Zahlen muss man sie dennoch.

In diesem unseren Fall sowohl in dem Monat, in dem die zuerst genannten Investitionen anfallen und vermutlich in allen noch auf uns zukommenden Monaten. Also fahren wir mit unserer lustigen Liste der finanziellen Fußfesseln fort (jeweils auf den Monat heruntergebrochen):

  • Kfz-Versicherung: 50 Euro

  • Kfz-Steuer: 30 Euro

  • Rentenversicherung: 90 Euro

  • Krankenversicherung: 200 Euro

  • Haftpflichtversicherung: 10 Euro

  • Hausratsversicherung: 10 Euro

  • Miete (inkl. Internet, Telefon, TV): 450 Euro

  • Handy: 30 Euro

  • Essen/Trinken: 200 Euro

  • Sprit (1500km Fahrleistung ): 150 Euro

Klar, alles nur Richtwerte, aber nimmt man die Einzelbeträge zusammen ist man bei guten 1.200, sagen wir 1.300 Euro. Worum geht es nun also? Richtig – die 1.300 Euro müssen gedeckt werden bevor man sich überhaupt mit irgendwas anderem beschäftigen kann. Hierfür kommen für uns drei verschiedene Ansätze in Frage: Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit, Exist Gründerstipendium oder Nebenjob.

Wie Ihr schon gemerkt habt, polarisiere ich ganz gerne. Daher mal drei Aussagen zu o. g. Möglichkeiten:

  1. "Gründungszuschuss ist nur ein besseres Arbeitslosengeld und eher was für Leute, die Eisdielen eröffnen wollen, aber eigentlich keine Ahnung haben! Wieso wären sie sonst auch arbeitslos? Also auf keinen Fall etwas für uns High-Tech-Gründer!"

  2. "Exist-Gründerstipendium ist doch nur für Studenten, die grad von der Hochschule kommen, keinen Arbeitsplatz finden und sich deshalb jetzt vom Staat durchfüttern lassen wollen!"

  3. "Entweder ich konzentriere mich zu 100% auf meine Gründung oder nicht. Wer einen Nebenjob annimmt glaubt nicht an seine eigene Idee und wird daher niemals erfolgreich damit sein können!"

Oder wie seht Ihr das?

Kommentare

  • Blogstone

    07.07.09 (09:01:47)

    Interessanter Schreibstil ;-). In der Startphase darf ein Gr?nder meiner Meinung nach auch einen Nebenjob haben um sich finanziell abzusichern und dann nachher ins richtige Business zu wechseln, wenn es l?uft.

  • Michael@onchestra

    07.07.09 (09:49:59)

    @Stefan. Glaubst Du, dass man in diesem unseren "Online-Business" in Teilzeit wirklich zu Rande kommt? Uns erwarten so allmorgendlich schon zahlreiche Mails und zu beantwortende Kommentare. Wenn ich mir nun ?berlege, wir h?tten nur die H?lfte der Zeit, wie wir sie aktuell haben - puh, w?rde eng werden....

  • Christoph Ahr

    07.07.09 (10:34:31)

    Hallo,
    erfrischender Schreibstil. Eine gute Antwort auf den weit verbreiteten Habitus erst einmal den Firmenwagen auszusuchen und um dann zu schauen, was man eigentlich verkaufen will.

    Beste Gr??e
    C.Ahr

  • Jan

    07.07.09 (20:31:00)

    Alle drei sind legitime M?glichkeiten. Wer noch an der Idee feilt oder sie am Markt erstmal testet (zu empfehlen!), kann noch 2-3 Tage die Woche irgendwo als Lohnsklave arbeiten. Wen die Investmentbank auf die Stra?e gesetzt hat, sollte aus der Arbeitslosenstatistik schleunigst verschwinden und mit dem Gr?ndungszuschuss seine eigenen Ideen verwirklichen (Mach et einfach). Studenten w?ren ja dumm, wenn sie den Kampf mit den Exist-Formularen verloren g?ben. Sonst findet sich sicher noch eine vierte und f?nfte M?glichkeit. Gr?nder sind Helden, sie finden immer einen Weg (wie erfrischend!).

  • Michael@onchestra

    08.07.09 (14:26:01)

    Jan, wie w?rdest Du empfehlen, ein Produkt in Teilzeit zu entwickeln und gleichzeitig noch am Markt zu testen? Was wenn ein Kunde Hilfe braucht, w?hrend ich gerade bei Aldi Regale einr?ume? Was wenn das System abst?rzt, w?hrend ich morgens im Bus in Richtung Kellneranstellung bin?

    Oder was, wenn ich so viel Zeit f?r die Entwicklung "nebenher" ben?tige, um nach 6 Monaten zu sehen, dass parallel jemand innerhalb der ersten 3 Monate entwickelt und w?hrend dieser 3 und den folgenden 3 Monaten bereits eine Vielzahl an Kunden akquiriert hat?

    Viele Gr??e

  • Jan

    08.07.09 (21:53:33)

    Was geht: nebenbei an einer Idee arbeiten, die noch nicht marktreif ist; nebenbei eine Idee am Markt testen (Wie ist der Bedarf, das Interesse etc.; kommt nat?rlich auf das konkrete Konzept an, ob das machbar ist).

    Was nicht geht: wenn du schon Kunden hast (gratuliere!) und der Betrieb laufen muss, in der Aldi-Uniform unterwegs sein; im Nebenjob das deutsche Twitter starten. Klar, wenn es hier um ein Wettrennen geht, gib Gas. Manchmal ist Eile geboten (z.B. StudiVZ), aber der Schnellste wird noch lange nicht Marktf?hrer. Ich mag den langsamen, durchdachten Faltin-Ferriss-Style!

  • Michael@onchestra

    13.07.09 (09:35:53)

    Hallo Jan,

    das deutsche Twitter (das sicherlich kein Microblogging-Dienst sein wird ;) ) wird, meiner Meinung nach, wenn ?berhaupt nur jemand nebenher gr?nden k?nnen, der eigentlich etwas v?llig anderes beabsichtigte. Aber das lassen wir am besten auf uns zukommen.

    Wir f?r uns haben den Vollzeit-Weg gew?hlt, den wir dennoch versuchen durchdacht und teilweise bewusst langsam zu gehen.

    Ob das der richtige Ansatz ist, wird sich zeigen. Das Sch?ne ist aber, dass niemand mit 100%iger Sicherheit sagen kann, dass es der falsche ist ;-)

  • Michael@onchestra

    13.07.09 (09:38:17)

    Ach ja, bevor jemand nach "Ferriss" sucht ;-)

    http://www.amazon.de/Die-4-Stunden-Woche-Mehr-Zeit-Leben/dp/3430200512

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