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18.12.15Kommentieren

Motivieren, Beraten, Investieren

Die Arbeit von Gründernetzwerken

Von der Idee zum Produkt - auf diesem Weg suchen sich Gründungswillige immer wieder Unterstützung von verschiedenen Gründungnetzwerken. Dort erhalten sie fachliche Beratung von Gründungs- und Branchenexperten oder können Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern, Investoren und Kunden knüpfen.

Quelle: Thinkstock.de © aelitta

Die Netzwerke bündeln relevantes Fachwissen und können es individuell weitergeben. Bereits zu Beginn der Gründungsphase kann die Markterfahrung, auf die Gründungsnetzwerke zurückgreifen, den Einblick in die relevanten Branchen ermöglichen. So lassen sich wichtige Fragen zu Marktbedarf und möglichen Einsatzgebiete leichter beantworten und ein Verständnis für die Anforderungen der Branche entwickeln. Durch Finanzierungen, Vermittlung von Kontakten, Ergänzung der Kompetenzen im Gründerteam oder Coachings zu verschiedenen betriebswirtschaftlichen und juristischen Themen können Gründernetzwerke dazu beitragen, den Weg zur erfolgreichen Unternehmensgründung zu ebnen. Zuletzt bieten Netzwerke für das oft unliebsame Thema „Marketing und Vertrieb“ zahlreiche Möglichkeiten, um sich zum Beispiel auf verschiedenen Plattformen, Messen oder Netzwerkveranstaltungen zu präsentieren.

Thomas Doppelberger ist Leiter von Fraunhofer Venture. Als Partner von Spin-offs der Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Instituten, Industrie und Kapitalgebern unterstützt die Abteilung Fraunhofer-Forscher auf ihrem Weg zum eigenen Technologie-Unternehmen. Er gibt einen Einblick in die Arbeit von Gründungsnetzwerken und erklärt, wie Gründer und Netzwerk zueinander finden.

Herr Doppelberger, auf welches Netzwerk kann Fraunhofer Venture zurückgreifen und wie wird es genutzt?

Thomas Doppelberger: In erster Linie verfügen wir über ein umfangreiches Netzwerk innerhalb der deutschen Forschungslandschaft. Unsere Forschungsinstitute bieten einen großen Pool an aktuellem Hightech-Wissen, mit dem wir bei der frühzeitigen Erkennung von Markttrends helfen und eine schnelle Einschätzung bezüglich Wettbewerbsfähigkeit und möglicher Einsatzgebiete neuer Technologien geben können. Dieses Wissen ist auch für Investoren spannend, die in die Hightech-Märkte von morgen investieren möchten. Wir arbeiten daher eng mit Venture Capital Unternehmen, Corporate Ventures, Business Angels oder öffentlichen Fonds wie dem High-Tech-Gründerfonds zusammen. In Kombination mit dem juristischen und betriebswirtschaftlichen Know-how unseres Teams können wir Ausgründungsprojekte gezielt dabei unterstützen, ihr Unternehmen auf dem Markt zu etablieren. Nicht zuletzt spielt der Austausch mit anderen Transferstellen beispielsweise von Forschungseinrichtungen und Universitäten eine große Rolle, um strategisch wichtige Themen auch auf politischer Ebene anbringen zu können. Insgesamt kann man als Teil eines großen Netzwerks auf einen gemeinsamen Wissens- und Erfahrungsschatz zurückgreifen und so besser einschätzen, welche Ideen wirklich marktfähig umgesetzt werden können und welche Vorhaben noch verbessert werden müssen.

Fraunhofer Venture ist also die Schnittstelle zwischen Forschung und Wirtschaft. Welche Technologiefelder sind derzeit für Gründer und Investoren besonders vielversprechend?

Ein großes Forschungsthema ist aktuell die Industrie 4.0, deren Ziel die intelligente Fabrik ist. Die gesamte Produktion organisiert sich selbstständig, ist damit flexibler und kann so schneller auf individuelle Kundenbedürfnisse eingehen. Das Ergebnis sind kürzere Planungszeiten, schnellere Produktionszyklen und ein höherer Durchsatz. Auf dem Weg dorthin ist ein neuer Markt an der Schnittstelle zwischen IT und Produktion entstanden, der zahlreiche Chancen für Gründer und junge High-Tech-Unternehmen bereithält. Dabei gewinnen auch andere Technologiefelder wie etwa IT-Security oder Cloud Computing an Potential.

Auch das Thema Elektromobilität bietet einen attraktiven Markt für Gründer. Dabei geht es nicht nur um eine Revolution der Automobil- und Zulieferindustrie und die Frage, wie Batterien günstiger produziert und die Reichweiten erhöht werden können. Auch die Schaffung einer umfassenden Ladeinfrastruktur gehört dazu. Die Frage ist hier nach wie vor: Wer wagt den großen Schritt? Um unkonventionelle Ideen erfolgreich umzusetzen, braucht es Visionen und unternehmerisches Denken. Gleichzeitig sind große Investitionen von Risikokapital in die Forschung und Entwicklung sowie in den Ausbau der Produktionskapazitäten nötig.

Wie findet Fraunhofer Venture innovative Technologien, die für den Markt interessant sein könnten?

Wir arbeiten laufend daran, eine Gründerkultur innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft zu etablieren. Die besten Ideen nützen nicht, wenn man sie nicht erkennt. Zum einen müssen die Forscher unternehmerisches Denken und Handeln erlernen und sich die Frage stellen, wie innovative Technologien marktfähig werden können. Daher müssen wir als Venture Einheit ein Bewusstsein schaffen für die Möglichkeit einer Ausgründung und die Unterstützung, die wir auf diesem Weg anbieten. Weckt ein Forschungsprojekt  mit Ausgründungspotential unser Interesse, gehen wir auch selbst auf die Wissenschaftler zu. Unser internes Ideenportal hilft uns dabei, innovative Ideen und Unternehmerpersönlichkeiten aufzuspüren.

Nur eine marktfähige Technologie zu haben, genügt meist nicht. Worauf achten Gründerberater noch bei der Unterstützung von Gründungsprojekten?

Uns ist es sehr wichtig, die Gründer kennenzulernen. Nur so können wir erkennen, welche Erfahrungen und Hintergründe sie mitbringen. Oftmals ist das Gründerteam nicht komplett, dann sollten fehlende Kompetenzen früh genug ergänzt werden. Gleichzeit achten wir darauf, wie leidenschaftlich die Gründer an das Thema herangehen. Denn wenn Ernsthaftigkeit und Begeisterung fehlen, kann es schnell kompliziert werden, wenn man in schwierige Situationen gerät.

Wie werden die passenden Maßnahmen zur Finanzierung und anderweitiger Unterstützung ausgewählt?

Auch hier sehen wir uns jeden Gründer und jedes Projekt individuell an. Die Auswahl der passenden Maßnahmen hängt maßgeblich davon ab, welche Fähigkeiten das Gründerteam mitbringt, in welcher Phase sich die Ausgründung befindet und was benötigt wird. Besteht ein Finanzierungsbedarf oder benötigen die Gründer zeitliche Freiräume, um das Projekt voranzutreiben? Ist eine fachliche Erweiterung oder Ausbildung des Teams notwendig? Können wir sinnvolle Kontakte zu Investoren, Branchenexperten oder Beratern herstellen? Diese Fragen stellen wir, um die passenden Fördermaßnahmen auszuwählen.

Welche Probleme können bei der Unterstützung auftauchen?

Oft neigen Gründer aus dem technologischen Bereich dazu, technische Probleme zu lösen beziehungsweise deren Lösungen zu verkaufen. Wichtig ist es aber, wirkliche Geschäftskonzepte anzubieten. Nur so können Innovationen auf dem Markt etabliert und neue Themen, Ideen, Produkte und Prozesse in die Unternehmen gebracht werden. Hier müssen wir das Team dabei unterstützen, unternehmerisches Denken und Handeln zu erlernen. Schwierig wird es aber, wenn die Gründer nicht bereit sind, sich fehlende Kompetenzen, wie etwa vertriebliches Know-how, selbst anzueignen oder Externe hinzuzuholen. Generell sollten Gründer immer offen für Ratschläge und Ergänzungen sein. Dabei ist es aber dennoch wichtig, dass es sich nicht um eine aufgezwungene Beratung handelt, sondern wir den Gründern helfen, bestehende Lücken zu schließen.

Nicht immer ist eine Unternehmensgründung erfolgreich: Welche Rolle spielt die „Kultur des Scheiterns“  und was kann man aus Misserfolgen lernen?

Eine klassische Ursache für das Scheitern ist zum Beispiel der „time-to-market“-Aspekt. Oftmals dauert die Entwicklung von einem Forschungsergebnis hin zu einem marktfähigen Produkt länger als geplant. Dann werden nochmals große Summen für die abschließenden Entwicklungsarbeiten notwendig, die nicht aufgebracht werden können. Einige Gründer unterschätzen auch den Entwicklungsstand von Wettbewerbern. Wenn dann die Alleinstellungsmerkmale nicht stark genug ausgeprägt sind, ist es für Start-ups schwierig, sich gegenüber etablierten Unternehmen zu behaupten. Auch wenn das Scheitern oft eine schmerzvolle Erfahrung ist und in Deutschland noch immer mehr als Makel anstatt als „lessons learned“ angesehen wird, kann man natürlich aus jedem gescheiterten  Ausgründungsprojekt Erkenntnisse ziehen. Und auch wir bei Fraunhofer Venture können daraus lernen und Erfahrungen weitergeben.

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