<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

24.08.09Kommentieren

Nela Widmayer, Swiss Life

"Gründer und Selbstständige haben wenig von der staatlichen Rentenversicherung zu erwarten"

Gründer und Selbstständige müssen können bei der Grundsicherung fürs Alter nicht auf den Staat vertrauen, sondern müssen selbst entsprechende Vorsorgungen treffen. Im Interview mit förderland erklärt Nela Widmayer, Expertin für die betriebliche Altersversorgung (bAV) bei Swiss Life Deutschland, welche Möglichkeiten es gibt, welche Fehler immer wieder gemacht werden und gibt praktische Tipps, wie man das Thema am besten angeht.

Nela Widmayer ist Expertin für die betriebliche Altersversorgung (bAV) bei Swiss Life in Deutschland.Nela Widmayer ist Expertin für die betriebliche Altersversorgung (bAV) bei Swiss Life in Deutschland.

förderland: Warum sollten sich gerade Gründer und Selbstständige um das Thema Altersversorgung kümmern?

Nela Widmayer, Swiss Life: Gründer und Selbstständige haben wenig von der staatlichen Rentenversicherung zu erwarten: Sie zahlen häufig nichts in das Rentensystem ein und haben höchstens geringe Ansprüche von früheren Zeiten als Angestellte. Gründer und Selbstständige haben daher oft noch nicht mal eine Grundsicherung für ihr Alter. Sie haben damit ebenfalls keinen staatlichen Schutz für die Risiken Erwerbsunfähigkeit und Todesfall.

Wann sollten sich Gründer mit dem Thema Altersversorgung beschäftigen?

Widmayer: So früh wie möglich! Wenn man ein Unternehmen aufbaut, muss man sich um viele Dinge kümmern und denkt normalerweise an alles, aber nicht an den Ruhestand oder die Absicherung persönlicher Risiken. Um systematisch für das Alter vorzusorgen, ist es jedoch wichtig, sich so früh wie möglich mit seiner Altersversorgung auseinanderzusetzen. Gründer sollten sich mit dem Thema daher bei der Gründung des Unternehmens kurz aber intensiv beschäftigen.

Wie gehen Gründer Ihrer Erfahrung nach mit dem Thema Altersversorgung um, welche Fehler erleben Sie immer wieder?

Widmayer: Viele Existenzgründer kümmern sich zu Beginn fast ausschließlich um den Aufbau ihres Unternehmens, so dass für das Thema Altersversorgung keine Zeit bleibt. Sie bauen ein gut laufendes Unternehmen auf und entdecken dann oft viel zu spät, dass sie vorsorgen müssen, um im Alter ihren Lebensstandard halten zu können. Und dann wird es richtig teuer! Je später man anfängt, für das Alter vorzusorgen, desto höher sind natürlich auch die Beträge, die man ansparen muss. Gleichzeitig hat man die steuerlichen Förderungsmöglichkeiten für die ersten Jahre verschenkt.

Dann gibt es Existenzgründer, die sich zwar frühzeitig mit der Altersversorgung beschäftigen und sich auch eine entsprechende Zusage für ihr Alter erteilen und diese auch mit einer Rückdeckungsversicherung absichern. Aber sie vergessen, diese Pensionszusage regelmäßig an die aktuelle Situation anzupassen. Schaut man sich die Rückdeckung dann nach einiger Zeit an, stellt man häufig fest, dass viel zu wenig Geld angespart wurde. Denn die Lebenserwartung steigt langfristig gesehen an und die Zinsen für das angesparte Kapital können geringer ausfallen als zu Beginn erwartet. Häufig entspricht die Pensionszusage auch nicht mehr dem gestiegenen Lebensstandard des Existenzgründers. Eine laufende Kontrolle der Altersversorgung ist daher unerlässlich.

Welche Möglichkeiten der Altersversorgung stehen Jungunternehmern offen?

Widmayer: Welche Möglichkeiten der Altersversorgung einem Gründer offen stehen, hängt von der Rechtsform des Unternehmens und seiner Stellung darin ab. Handelt es sich beispielsweise um eine Personengesellschaft wie bei Selbstständigen oder Freiberuflern, kann der Gründer für sein Alter lediglich mit einer staatlich geförderten Rürup-Rente oder privat vorsorgen.

Mit der Rürup-Rente lassen sich vergleichsweise hohe Beträge ansparen, die man als Sonderausgaben von der Einkommensteuer absetzen kann. Beträge von bis zu 20.000 Euro bzw. 40.000 Euro für gemeinsam veranlagte Verheiratete lassen sich aktuell zu 68 Prozent als Altersvorsorgeaufwendungen geltend machen. Dieser Prozentsatz steigt jedes Jahr schrittweise an, bis ab dem Jahr 2025 die Höchstbeträge komplett steuerlich geltend gemacht werden können. Die Rentenzahlungen muss man dafür später mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.

Bei Kapitalgesellschaften wie einer GmbH sind darüber hinaus Lösungen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) möglich. Ein Inhaber und Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft kann sich so im Laufe der Zeit eine Zusage auf Altersversorgung erteilen, die mithilfe einer Rückdeckungsversicherung abgesichert wird. Nach Gründung des Unternehmens muss er aber eine Wartezeit von in der Regel fünf Jahren einhalten, die er mit einer Direktversicherung überbrücken kann. Häufig bietet es sich für Gründer einer Kapitalgesellschaft an, möglichst umgehend eine Direktversicherung abzuschließen, um einen ersten Baustein für ihre betriebliche Altersversorgung zu legen.

Die Prämien für eine Direktversicherung sind aktuell bis zu einem Jahresbetrag von 2.592 Euro von Steuer und Sozialabgaben befreit. Besitzt man keinen älteren Versicherungsvertrag, der pauschal versteuert wird, lassen sich weitere 1.800 Euro steuerfrei einzahlen. Wie bei der Rürup-Rente gilt das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung, so dass man die Einnahmen aus einer Direktversicherung erst im Ruhestand versteuert. Da man aber im Alter in der Regel über weniger Einkommen verfügt und einen geringeren Steuersatz hat, ist diese nachgelagerte Besteuerung meist vorteilhaft.

Was müssen Gründer bei Ihrer Altersversorgung beachten?

Widmayer: Ausgangspunkt für jede Planung ist die Rechtsform des Unternehmens. Denn diese bestimmt wie gesagt, ob eine betriebliche Altersversorgung möglich ist oder privat vorgesorgt werden muss. Zudem sollte man sich zeitnah bei der Deutschen Rentenversicherung Bund beraten lassen, um beispielsweise einen Befreiungsantrag für die gesetzliche Rentenversicherung fristgerecht zu stellen.

Bei der Planung ist es selbstverständlich wichtig, die persönlichen Umstände zu berücksichtigen. Hier sollte man – am besten zusammen mit einem kompetenten Berater – die Altersvorsorge darauf abstimmen, wie alt man ist, wann man voraussichtlich in den Ruhestand gehen möchte oder mit welchen Veränderungen man in der Zukunft rechnet. Denn es ist wichtig, früh mit der Altersversorgung zu beginnen. Gleichzeitig wird sich im Laufe eines Lebens viel ändern, so dass man die Vorsorgelösung entsprechend anpassen können muss.

Die verschiedenen Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung haben nicht zuletzt unterschiedliche Auswirkungen auf die Bilanz eines Unternehmens.

All dies sollte bei einer systematischen Planung bedacht werden.

Was sollte man bei der Wahl des Versicherungsanbieters berücksichtigen?

Widmayer: Der Versicherer sollte ein möglichst breites Angebot an Lösungen der privaten und betrieblichen Vorsorge bieten und über ausreichende Erfahrung verfügen. Nur dann ist gewährleistet, dass man eine Lösung findet, die optimal auf den individuellen Bedarf abgestimmt ist.

Das Vorsorgesystem sollte sich zudem flexibel an die verschiedenen Lebensphasen eines Unternehmers anpassen lassen. Schließlich sollten regelmäßige Kontrollen der Altersversorgung selbstverständlich sein. Nur dann ist gewährleistet, dass die Versorgung stets auf dem aktuellen Stand ist und man sie gegebenenfalls rechtzeitig anpassen kann.

Wie wichtig ist die Beratung bei der Wahl der Altersversorgung? Reicht es nicht aus, sich aktiv und ausführlich, zum Beispiel im Internet zu informieren?

Wismayer: Der wichtigste Schritt ist bereits getan, wenn man sich als Existenzgründer überhaupt mit dem Thema Altersversorgung auseinandersetzt. Da ist das Internet als erste Anlaufstelle sicherlich hilfreich. Bei der Altersversorgung gibt es aber eine Vielzahl an Details zu beachten, so dass der Einzelne in der Regel nicht in der Lage ist, sämtliche Umstände und aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten. Zudem ist man als Gründer ja auch im Unternehmen fast rund um die Uhr gefordert und zeitlich eingespannt.

In Zusammenarbeit mit einem Experten sollte man dann Schritt für Schritt einen Anforderungskatalog für die eigene Altersversorgung erarbeiten. Dabei sollte man sich Fragen stellen wie beispielsweise: Was passiert bei Berufsunfähigkeit? Sind im Todesfall meine Hinterbliebenen abgesichert? Wie hoch soll eine angemessene Altersversorgung für mich ausfallen? Welche Konsequenzen haben bestimmte Lösungen für mein Unternehmen? Oder wie wirkt sich eine spätere Nachfolgeregelung auf meine Altersversorgung aus?

Da die optimale Altersversorgung immer von der persönlichen Situation abhängt, gibt es keine pauschale Lösung, die für jeden Unternehmensgründer passt.

Zum Abschluss: Welche Tipps können Sie Gründern mit auf den Weg geben?

Widmayer: Ganz wichtig sind folgende Punkte:

Vereinbaren Sie einen Beratungstermin bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Nur so stellen Sie sicher, dass Sie keine wichtigen Fristen verpassen.

Sichern Sie mit relativ kleinen Beträgen die Risiken Berufsunfähigkeit und Tod ab, damit Ihre Hinterbliebenen im Ernstfall versorgt sind. Denn mit wenig Geld können Sie so die größten Risiken absichern, die Sie immer treffen können – vom ersten Tag der Existenzgründung an.

Beschäftigen Sie sich so früh wie möglich mit der eigenen Altersversorgung und finden Sie eine passende Vorsorgevariante. Das klingt einfach, fällt aber gerade bei Existenzgründern, die so sehr mit dem Aufbau ihres Unternehmens beschäftigt sind, in der Praxis oft unter den Tisch. Suchen Sie sich dafür einen kompetenten Ansprechpartner, der Sie unabhängig und umfassend berät und Sie auch in Zukunft unterstützen kann. Der Berater sollte Ihnen möglichst viele Versorgungslösungen anbieten können, so dass Sie wirklich die Lösung finden, die zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt. Achten Sie darauf, dass der Berater eine ausgewiesene Erfahrung auf dem Gebiet der betrieblichen Altersversorgung hat und prüfen Sie sorgfältig, ob Ihnen die Möglichkeit der bAV offen steht oder ob für Sie nur eine private Altersvorsorge in Frage kommt. Ziehen Sie bei Bedarf einen Steuerberater hinzu, um steuerliche Details zu klären.

Wenn Sie dann noch Ihre Versorgung regelmäßig überprüfen, sind Sie auf einem guten Weg zu einem gesicherten Ruhestand.

Herzlichen Dank für das Interview.

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer