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20.04.09Kommentieren

Interview

"Gründer stellen ihre Geschäftsidee manchmal überoptimistisch dar"

Im ersten Teil seines Interviews mit förderland gab VC Christian Claussen von Crédit Agricole Private Equity (CAPE) Auskunft über die Rahmenbedingungen für ein Engagement in deutschen Unternehmen. Jetzt nennt er die häufigsten Fehler von Gründern und Start-up-Betreibern in VC-Gesprächen und sagt seine Meinung über die deutsche Gründerszene.

förderland: Welche Tipps haben Sie für Gründer und Start-up-Betreiber, um an Venture Capital zu kommen?

Claussen: Portfoliofirmen sollten im Idealfall bereits über eine erste funktionierende Produktgeneration und erste Umsätze bzw. Kundentraktion verfügen. Profitabilität ist dagegen noch nicht erforderlich. Viel wichtiger sind überdurchschnittliche Wachstumschancen, die auf differenzierter und gut zu verteidigender Technologie und/oder Geschäftsmodellen basieren.

Was sind die größten Fehler von Gründern und Start-up-Betreibern in VC-Gesprächen?

Grundsätzlich ist es aus meiner Sicht nie ein Fehler, miteinander zu sprechen! Doch es kommt sicherlich vor, dass Gründer ihre Geschäftsidee einfach überoptimistisch darstellen. Dagegen möchte ein Investor neben Begeisterung und mitreißender Energie auch erfahren, inwieweit ein erfahrener Unternehmer Risiken und Strategien zu deren Umgehung mit einkalkuliert. Die Vermittlung von genereller Aufgeschlossenheit gegenüber Ideen von Außen (nicht zuletzt auch durch den VC selbst) trägt sicherlich auch dazu bei, von Anfang an Vertrauen zu schaffen.

Wie schätzen Sie die deutsche Gründerszene im europäischen Vergleich ein?

In Deutschland gibt es viele gute Ideen und eine starke Technologieszene. Es gilt sicherlich nach wie vor, dass deutsche High-Tech-Unternehmer traditionell weniger Erfahrung bei der Kommerzialisierung ihrer Produkte und der intelligenten Positionierung ihrer Unternehmen in der Wertschöpfungskette haben. Allerdings hat die Internet-/Neue-Markt-Blase eine Generation von mittlerweile auch international deutlich erfahrenen Unternehmern beschert, die – wenn synergetisch mit den exzellenten deutschen Technologen kombiniert – sehr viel höhere Erfolgschancen haben als noch vor zehn Jahren. Dieses angesichts der Mängel der deutschen VC-Struktur bislang unterfinanzierte Potenzial werden wir mit CAPE für profitable Investments zu nutzen versuchen.

Zur Person: Seit 1. Januar 2009 ist Christian Claussen (45) Senior Partner im Venture Capital Team der Crédit Agricole Private Equity (CAPE), Paris. Claussen kommt vom Münchener VC-Unternehmen TVM Capital. Von 1990 bis 1999 war der gebürtige Berliner für Siemens Communication Networks Division, München, tätig, wo er seit 1997 als Vice President Business Development unter anderem den Start des Corporate Venture Fonds der Siemens Kommunikationssparte vorbereitete. Christian Claussen studierte an der Ecole Supérieure d'Ingénieurs en Electronique et Electrotechnique (Frankreich), der University of Essex (UK) sowie der Universität Karlsruhe und erwarb den Titel eines europäischen Diplom-Ingenieurs in Elektrotechnik und Telekommunikation.

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