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15.04.10Kommentieren

Interview mit Eduard Siemens, Tixel GmbH

"Großunternehmen wie Technicolor und Dreamworks nutzen das System im täglichen Betrieb"

2009 wurden sie als Spin-off von Thomson gegründet und gewannen im März diesen Jahres den hannoverimpuls Ideenwettbewerb. Gemeint ist die Tixel Gmbh, die mit ihrem System die Highspeed-Datenübertragung in ein neues Zeitalter katapultiert hat. Geschäftsführer Eduard Siemens erklärt im Interview mit förderland, wie sich das Projekt trägt, wie man an Investoren herankommt und gibt darüber hinaus brauchbare Tipps für Jungunternehmer.

Eduard Siemens, Tixel GmbHEduard Siemens, Tixel GmbH

förderland: Guten Tag Herr Siemens! Stellen Sie sich doch bitte kurz unseren Lesern vor. Wie sieht Ihr beruflicher bzw. unternehmerischer Werdegang aus?

Eduard Siemens: Da muss ich mich wohl zwischen der Forschung und Business entscheiden… Ich komme aus der Forschung habe in der Vergangenheit etwa 7 Jahre an der Universität Hannover geforscht. Danach noch vier Jahre im Forschungslabor des Thomson-Konzerns. Thematisch haben mich Fernmelde- und Datenkommunikation seit meiner Jugendzeit fasziniert. Allerdings hatte ich in meiner Forschungstätigkeit immer realitätsfremde Dinge strikt abgelehnt. Es war mir immer wichtig, Themen zu erarbeiten, die Hand und Fuß haben, keine abstrakte Modellierung, die nie realisiert wird. Daher bin ich nach dem Universitätsabschluss nicht an einem klassischen Forschungsinstitut gelandet, sondern am Regionalen Rechenzentrum für Niedersachsen – mit realem Netzbetrieb und viel Innovation in der Praxis. So hatten wir in Hannover schon sehr früh Hochleistungsrechner über große Distanzen vernetzt. Das Voice-over-IP und das dazu gehörige SIP-Protokoll (Session-Initiation-Protokoll) haben wir alltagstauglich gemacht.

Auch wenn ich eine reine Ingenieurausbildung habe, habe ich mir sehr früh die Bedeutung betriebswirtschaftlicher Aspekte zu eigen gemacht – bereits während des Studiums habe ich mich selbständig gemacht und Dienstleistungen im IT-Umfeld für Unternehmen angeboten. 2003 kam dann die erste konkrete Produktidee – im Voice-over-IP Umfeld. Gemeinsam mit einem Universitätskollegen haben wir einen Prototyp entwickelt und für die Entwicklung und Vermarktung ein Unternehmenskonzept erstellt. Danach im Frühjahr 2004 die Netea GmbH gegründet. Vom Land Niedersachsen haben wir für die Realisierung einen Zuschuss bekommen, allerdings mussten wir 50 % aus eigener Tasche finanzieren. Beim Thema Beteiligungskapital bekam man in Niedersachsen derzeit keine Unterstützung. Zum Glück hat sich in dieser Hinsicht in Niedersachsen in den vergangenen Jahren sehr viel getan.

Sie sind Gründer und Geschäftsführer der Tixel GmbH. Was genau können Sie Ihren Kunden anbieten?

Siemens: Mit der Produktserie TIXstream bieten wir ein Produkt für einen sehr schnellen Datentransport über Internet-basierte Datennetze an. Damit kann man beispielsweise auf transatlantischen Verbindungen Datenbestände etwa hundertfach schneller abgleichen als mit herkömmlichen Verfahren. Doch nicht nur auf transkontinentalen Verbindungen bieten die TIXstream-Produkte eine deutliche Zeitersparnis. Derzeit läuft ein Feldtest in der Klimaforschung zwischen Hamburg und Helsinki. Wo früher die Daten mit etwa 10 Mbit/s übertragen wurden, werden mit unserem System 500 Mbit/s realisiert. Und dies ist für uns kein Maximum. Entsprechend schnelle Netze vorausgesetzt, könnten wir auch das 8fache erreichen.

Wie sieht denn Ihre Zielgruppe aus? Ist TIXstream jeden zugänglich, oder mehr für Unternehmensstrukturen gedacht?

Siemens: Unser ursprüngliches Ziel war es, der Filmindustrie zu ermöglichen, die digitalen Rohdaten in Echtzeit zwischen mehreren Standorten zu übertragen. Dieses Ziel haben wir auch erreicht. Großunternehmen wie Technicolor und Dreamworks nutzen das System im täglichen Betrieb, um die Daten zwischen Drehort und den Filmverarbeitungsstätten zu übertragen. Ähnlich große Datenmengen entstehen in der Fernsehproduktion. Daher testen das System derzeit Fernsehanstalten in den USA. Doch nicht nur für die Medienindustrie ist das Produkt von Interesse. Großunternehmen haben riesige Datenmengen in Data-Centern gebunkert, welche täglich zwischen verschiedenen Standorten abgeglichen werden müssen. Da wo die herkömmliche Technik an ihre Grenzen stößt, kommen wir mit TIXstream Produkten ins Spiel.

Tixel ist ein Spin-off von Thomson. Wie trägt sich Ihr Projekt? Werden Sie von Thomson finanziell unterstützt? Oder sind Sie auf andere Investoren angewiesen?

Siemens: Thomson hat für die Lebensfähigkeit der TIXEL einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Technologie ist im Forschungslabor von Thomson entwickelt worden. Es war in Hannover ein exzellentes Forschungslabor für Datennetze neuester Generation aufgebaut. Nun gehört sowohl die Laborausstattung als auch der Quellcode samt Patente der TIXEL GmbH. Allerdings hat dies auch seinen Preis – ein technologisches Kontinuum kann nur durch ständige Weiterentwicklung gewährleistet werden. Daher sind derzeit 8 Entwickler bei uns beschäftigt. Unser Marketing und Vertrieb steht dagegen noch in den Startlöchern. Daher werden wir ohne externe Investoren nicht auskommen. Allerdings ist es heute in Niedersachsen deutlich einfacher Investoren zu finden als vor fünf Jahren.

Erklären Sie doch bitte, wie Sie an diese externen Investoren herankommen? Denn das dürfte für junge Unternehmer und Unternehmer in spe sehr interessant sein.

Siemens: Auch wenn es banal klingt – hier spielen Kontakte eine herausragende Rolle. Allerdings muss man nicht mit Kontakten geboren sein. Eine sehr große Hilfe in dieser Hinsicht haben wir von HannoverImpuls bekommen. Diese haben uns nicht nur zu nützlichen Kontakten verholfen, sondern auch gelehrt, wie man hier die Spreu vom Weizen unterscheidet. Aber auch Namen wie die NBank und BANSON sollten hier nicht unerwähnt bleiben. Da unser Produkt in den USA bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, kamen einige Angebote auch direkt aus den USA sowie einige aus Frankreich. Hier kam uns zugute, dass wir während der Tätigkeit bei Thomson uns nicht nur auf die Forschung fixiert hatten, sondern auch reichlich Kontakte geknüpft haben.

Die Höchstleistung Ihrer TIXstream Produktreihe liegt bei einer Übertragungsrate von 500 Megabyte pro Sekunde. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft von solch riesigen Datenübertragungen aus? Ist das schon das Limit oder geht da noch mehr?

Siemens: Diese Übertragungsraten sind noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. In einer Laborumgebung können wir schon jetzt deutlich mehr. Genauere Zahlen behalte ich aber lieber für ein nächstes PressRelease. Doch auch der Bedarf endet nicht bei dieser Datenrate. Die Filmstudios würden gerne eine garantierte Datenrate von 6,5 Gbit/s haben, damit sie die Daten direkt von der Kamera mit höchster Auflösung auf entfernte Speichernetze schreiben können. Für uns ist es nur eine Frage der Zeit, wann wir das als Produkt anbieten werden. Allerdings arbeiten schon heute japanische Forscher an Filmproduktionsketten mit vierfach höherer Bildauflösung. Aber auch die Netzbetreiber hätten gerne Anwendungen, die ihre 10Gbit-Netze füllen. Unsere Forscher und Entwickler werden wohl in den nächsten Jahren alle Hände voll zu tun haben.

Sie sind vor kurzem Sieger des Startup Impuls Gründerwettbewerbs geworden. Was haben Sie von diesem Wettbewerb erwartet? Hätten Sie gedacht, als Sieger da herauszukommen?

Siemens: Es gibt sicher keinen Anspruch auf einen Sieg. Es reicht ja, wenn nur Einer ein besseres Konzept vorlegt. Der Wunsch und auch die Hoffnung waren aber sicherlich da. Gestärkt war dieses von vielen positiven Rückmeldungen, die wir in diversen Investorengesprächen bis dahin bekommen haben. Der Wettbewerb hat uns gewissermaßen ins Rampenlicht gestellt. Dies hat uns bei der Aufstellung der Finanzierung sehr geholfen. Außerdem haben die ganze Vorbereitung auf den Wettbewerb und die diversen Vorstellungen unser Unternehmenskonzept gut abgeschliffen und glatt poliert.

Also ist der Ideenwettbewerb ein guter Start für Gründer, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln?

Siemens: Ich denke, in den Wettbewerb geht man, um zu gewinnen. Erfahrungen sind wohl ein positiver Nebeneffekt.  Ein gewisses Maß an Selbsteinschätzung würde sicherlich auch im Sinne der Jury sein. Natürlich hilft der Wettbewerb aber, die eigene Einschätzung der Gründungsidee zu überprüfen. Man darf aber nicht vergessen, dass nicht alleine die Ideen der Gewinner gründungswürdig sind. Zum Glück bekommen Gründer in Niedersachsen auch ohne den Wettbewerb eine sehr solide Beratung und Einschätzung der Ideen.

Nennen Sie doch zum Abschluss bitte drei Tipps, was Unternehmer bei einer Gründung alles beachten sollten.

Siemens: 1. Eine solide Gründung Kostet viel Zeit und viel Nerven. Diesen Faktor darf man nicht unterschätzen. Es gibt keine Gründung die genau nach Plan läuft. Daher müssen Gründer mit Krisensituationen umgehen können.

2. Gute und zuverlässige Partner für das Vorhaben finden. Am besten solche, die sich in Krisensituationen schon bewährt haben. Auch die Anzahl der (Gründungs)partner ist essentiell. Ein größeres Vorhaben benötigt mehrere Schultern, die sich mit der Idee identifizieren. Bei zu vielen Gründern kann es bei vielen Partnern zu unnötigen Reibungsverlusten kommen.

3. Frühzeitig die Finanzierung planen. Hierbei sich möglichst viele Freiräume verschaffen.  Es ist schade, wenn eine wirklich gute Idee Mangels Finanzierung oder wegen Absprung eines Investors nicht realisiert werden kann.

Vielen Dank für das Interview!

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