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29.06.11Kommentieren

Interview mit Nadine Sauerzapfe, EAST LONDON

"God Save Brit Food"

Heute gehen wir zum Engländer. Damit dieser Satz im Sprachgebrauch der Deutschen den selben Stellenwert erlangt wie sein italienisches Pendant, dafür möchte Nadine Sauerzapfe sorgen. Die will die Berliner mit ihrem Restaurant EAST LONDON für die englische Küche begeistern. Doch auch andere deutsche Städte dürfen sich wohl auf Fish & Chips freuen, wie die Gründerin im Interview mit förderland verrät.

Nadine Sauerzapfe, Gründerin des EAST LONDONNadine Sauerzapfe, Gründerin des EAST LONDON

förderland: Hallo Frau Sauerzapfe, würden Sie sich kurz unseren Lesern vorstellen… Wie sieht ihr beruflicher bzw. unternehmerischer Background aus?

Nadine Sauerzapfe: Nach meinem Abitur habe ich eine klassische Ausbildung zur Steuerfachangestellten gemacht, im Anschluss habe ich BWL studiert, mit den Schwerpunkten Marketing, Internationales Management und Wirtschaftsgeographie. Mit Beginn meines Hauptstudiums habe ich bei JCT (Junior Consulting Team) als studentischer Unternehmensberater angefangen, mich als Ressortleiter Kundenmanagement in die Führungsebene vorgewagt und bin dann in den deutschen Dachverband BDSU (Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberater) aufgestiegen. Danach bin ich für 8 Monate nach Brüssel zu unserem europäischen Dachverband Jade gegangen, um auf europäischer Ebene das Unternehmertum von Studenten zu fördern und habe in dieser Funktion 2 Events geplant und durchgeführt (15th Anniversary of Jade und Generations Club). Im Anschluss habe ich mein Studium beendet und parallel eine Ausbildung zum Trainer für Soft Skills absolviert und im Anschluss einige Trainings in den Bereichen Kommunikation, Netzwerken und Kundenakquise gehalten.

Während dieser Zeit habe ich parallel als Messe- und Eventhostess gearbeitet. Nach meinem Studium habe ich mit der Planung des EAST LONDON begonnen.

Jetzt wollen Sie den Deutschen für die englische Küche begeistern. Was genau ist Ihr Konzept?

Sauerzapfe: Das Konzept ist so simpel wie genial. Die englische Küche hat ja leider einen sehr schlechten Ruf, zu unrecht wie ich finde. Die Grundrezepte der britischen Küche sind sehr schmackhaft, nur hapert es meist an der Umsetzung, zu fettig, zu ungesund (jeder der mal in England war, weiß was ich meine!). Wir nehmen also diese traditionellen Rezepte und kombinieren Sie mit frischen Produkten und der Kreativität meiner beiden Köche (Jake aus Australien, Joe aus England) und kreieren "Moderne Britische Küche". Man kann entweder im Restaurant sitzen und wird am Tisch bedient oder kann sich alles auch im Take-Away-Bereich mitnehmen. Kombiniert mit dem speziellen Ambiente im EAST LONDON schaffen wir ein völlig neues Restaurantkonzept, das wir in Zukunft multiplizieren werden.

Wie ist die Idee entstanden? Warum diese Nische?

Sauerzapfe: Ich wusste schon lange, dass ich mich selbständig machen möchte, nur war die Idee in die Unternehmensberatung zu gehen. Nach dem Ende meines Studiums habe ich mir eine Auszeit genommen und war 3,5 Monate mit dem Rucksack in Australien und Neuseeland unterwegs und kam in den Genuss britischer Küche (vorwiegend Pies). Als ich zurück in Deutschland war, vermisste ich die britische Küche und suchte verzweifelt nach einem britischen Restaurant, vergebens. Und da war die Idee geboren, ich muss ein britisches Restaurant eröffnen.

Auf welche Maßnahmen setzen Sie bei Marketing bzw. Werbung?

Sauerzapfe: Für mich ist es wichtig, ein konsistentes Konzept zu verfolgen, der Kunde bzw. Gast soll den roten Faden erkennen. Wichtige Elemente wie die Krone oder unser Slogan "God Save Brit Food" findet man als Designelemente überall im Laden und auf allen unseren Materialien. Als Marketingstudent ist mir das CI sehr wichtig. Facebook ist für mich ein starkes und wichtiges Element, weil es die Interaktion mit den Fans fördert. Ich habe bereits während der Planung und der Umbauphase an meine Fans berichtet, sie konnten mitverfolgen, zu welchen Ämtern ich musste und was alles so schief gehen kann.

Ich habe sie das Logo bewerten und auswählen lassen, sie nach Wunschgerichten und -produkten befragt. Das alles lief sehr gut und ich hatte bereits vor der Eröffnung mehr als 300 Fans. Zusätzlich bin ich in Berlin auf vielen Events unterwegs und knüpfe permanent Kontakte zu Veranstaltern, Szenemenschen und Presseleuten. Ich setze sehr stark auf die persönliche Interaktion und die meisten Menschen honorieren das. Als besonderes Bonbon habe ich mir ein Rennrad im EAST LONDON Design bauen lassen. Mit dem fahre ich jeden Tag zur Arbeit und komme sogar darüber ständig mit Anderen ins Gespräch. Es gibt noch viele Ideen für Events und Aktionen, die werden aber noch nicht verraten.

Was waren/sind für Sie die größten Probleme bei der Gründung?

Sauerzapfe: Es gab viele Probleme, aber die zwei Hauptprobleme waren die Kalkulation, da es keine Vergleichsgrößen gab. Wie soll man planen, wenn man ein neues Konzept entwickelt, welches es so noch nicht gibt?

Das zweite Problem war natürlich das Geld. Mein Bankberater sagte mir: "Sie haben sich die denkbar ungünstigste Konstellation ausgesucht: Existenzgründer, Gastronomie und Berlin, das kann nicht funktionieren." Ich konnte ihn aber mit meinem Businessplan und meiner Argumentation überzeugen. Daher rate ich jedem Gründer: Gebt nicht auf und glaubt an euer Konzept, nur dann könnt ihr auch jeden Bankberater überzeugen.

Welche besonderen Herausforderung bringt gerade die Gastro-Branche mit sich?

Sauerzapfe: Die Gastro-Branche ist groß, vor allem in Berlin. Viele Restaurants werden von Menschen betrieben, die leider kaum Ahnung von Betriebswirtschaft haben. Leider kommt der Spruch "Wer nichts wird, wird Wirt" nicht von ungefähr. Außerdem nehmen viele die Sauberkeit und Qualität nicht sehr ernst, jedoch sind die besonders wichtig. Auch ein Grund, warum es bei mir eine offene Küche gibt, wo jeder Gast sehen kann, wie und wo sein Essen gemacht wird. Da kann man sich unhygienische Zustände nicht erlauben.

Wie haben Sie das Ganze finanziert? Aus privaten Mitteln oder sind Investoren mit an Bord?

Sauerzapfe: Die Finanzierung ist eine Kombination aus Fremdkapitel (Kredit) und privaten Mitteln eines Privatinvestors.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Könnten Sie sich z. B. mittelfristig ein Franchise-Konzept vorstellen?

Sauerzapfe: Ich planen definitiv weitere Restaurants, zunächst in Berlin, später auch in anderen Städten. Ob es Franchise wird, weiß ich noch nicht. Das hängt natürlich vom Erfolg ab.

Vielen Dank für das Interview!

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