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07.10.09Kommentieren

Interview mit Dr. Tobias Müller-Prothmann, Pumacy Technologies AG

"Gerade für junge Unternehmen kann eine frühzeitige Integration von Innovations- und Wissensmanagementprozessen eine lohnende Investition sein"

Die Pumacy Technologies AG ist ein Beratungsunternehmen, das für das hier vorgestellte BMWi-Programm Innovationsmanagement akkreditiert wurde. Im Interview mit förderland erklärt Dr. Tobias Müller-Prothmann, Bereichsleiter Innovationsmanagement bei Pumacy, warum dieses Förderprogramm gerade für Start-ups hilfreich ist.

förderland: Hallo Herr Müller-Prothmann, stellen Sie sich doch bitte kurz unseren Lesern vor und geben Sie uns die wichtigsten Infos zu Ihrem beruflichen Werdegang und Ihrer aktuellen Position!

Dr. Tobias Müller-Prothmann: Aufgrund meines Hintergrunds als Soziologe und Volkswirtschaftler habe ich mich bereits frühzeitig einerseits mit Konzepten wie der Lernenden Organisation, andererseits mit der Gestaltung von Rahmenbedingungen für die Innovationsförderung auf Unternehmens- wie auch auf politisch-gesellschaftlicher Ebene beschäftigt. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin war meine Forschung vor allem auf die Untersuchung informeller Netzwerke in Forschungs- und Entwicklungsumgebungen ausgerichtet. In meiner aktuellen Position bin ich bei der Pumacy Technologies AG als Bereichsleiter für unser Geschäftsfeld Innovationsmanagement verantwortlich. Darüber hinaus engagiere ich mich unter anderem als Vorstand bei der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V.

Was bietet die Pumacy Technologies AG ihren Kunden?

Dr. Müller-Prothmann: Unseren Kunden bieten wir maßgeschneiderte Lösungen für ihr Innovationsmanagement an. Wir begleiten sie von ersten Bestandsaufnahmen ihrer Innovationsfähigkeit über die Erstellung von Innovationsstrategien und -konzepten bis hin zur Implementierung eines individuell angepassten Lösungspakets. Dabei kommen zum Beispiel im Rahmen der Innovationsanalyse etablierte Methoden, wie das europäische IMP³rove-Innovationsaudit, oder unsere Eigenentwicklungen, wie der INNOPLEX Innovation Profiler, zum Einsatz. Zusätzlich vermitteln wir auch Grundlagenwissen für Innovationsmanager durch Trainings und führen Workshops zur Problemlösung und Kreativitätssteigerung durch. Insofern können wir unseren Kunden ein "Rundumpaket" für das Innovationsmanagement anbieten. Als führender Anbieter für Wissensmanagement haben wir dabei auch stets die Wissens- und Prozessperspektive im Blickfeld.

Aktuell unterstützt Pumacy kleine Unternehmen im Rahmen des Programms Innovationsmanagement des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) mit Beratungsleistungen für Produkt- und Prozessinnovationen. Worum geht es in diesem Programm?

Dr. Müller-Prothmann: Das BMWi-Programm Innovationsmanagement richtet sich an kleine Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern bzw. 20 Mio. Euro Umsatz zur Unterstützung bei der Umsetzung von Produkt- und Prozessinnovationen. Als akkreditierter Partner können wir den Unternehmen geförderte Beratungsleistungen für die Entwicklung ihrer Innovationsvorhaben von der ersten Idee bis zur Umsetzung in Forschungsprojekten anbieten.

Das Programm besteht aus drei aufeinander aufbauenden Leistungsstufen: (1) Entwicklung und Konkretisierung von Ideen sowie Analyse ihrer Machbarkeit, (2) Erstellung eines Realisierungskonzepts einschließlich Finanzierungsquellen (z. B. durch öffentliche Fördermittel) und (3) Begleitung der Projektumsetzung. Der modulare Aufbau des Beratungsmodells ermöglicht eine Anpassung an die individuellen Ansprüche gerade von kleinen Unternehmen sowie die schrittweise Entwicklung ihrer Innovationsvorhaben. So lassen sich Ideen Schritt für Schritt zu neuen Produkten umsetzen und für eine erfolgreiche Markteinführung entwickeln.

Im Übrigen sind seit Anfang dieses Jahres nicht nur Unternehmen aus den neuen Bundesländern und Berlin, sondern auch aus ausgewählten Modellregionen der alten Bundesländer im Rahmen dieses Programms förderfähig. Dies sind: Ruhrgebiet, Metropolregion Köln-Bonn-Aachen, Bremen-Oldenburg, Weserbergland plus, Südwestfalen/Ostwestfalen-Lippe, Münster und Umgebung, Saarland und Oberfranken.

Wissensmanagement, Prozessmanagement, Innovationsmanagement – wie sollten speziell Start-ups diese Themen angehen? Lohnt es sich für kleinere Unternehmen überhaupt in der Anfangsphase Zeit und Geld in diese Themen zu investieren? Welcher Nutzen ist damit verbunden?

Dr. Müller-Prothmann: Start-ups sollten sich sehr genau darüber Gedanken machen, wie sie aus ihren Ideen tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln können. Dazu ist es fast immer ratsam, sich Verbündete ins Boot zu holen, denn die Synergien, die sich mit strategisch günstigen Kooperationen erzielen lassen, sind beachtlich.

Die finanzielle Absicherung solcher Entwicklungsprojekte ist für Start-ups natürlich eine besondere Herausforderung, da sie einerseits einen hohen Bedarf besitzen, ihre Leistungen weiterzuentwickeln, andererseits jedoch meist noch nicht über entsprechende Rückflüsse aus Kundengeschäften verfügen. Hier gibt es interessante Fördermöglichkeiten, die den Gründern oftmals nicht bewusst sind beziehungsweise aufgrund des damit verbundenen Aufwands in der Antragstellung nicht genutzt werden. Ein erfahrener Partner kann ihnen dabei helfen, diese administrativen Hürden zu meistern und ihre innovativen Forschungsprojekte schnell und effektiv auf den Weg zu bringen. Das Dilemma, dass die so wichtigen Beratungsleistungen selbst ein finanzielles Hindernis gerade für junge Unternehmen sein können, wird durch das BMWi-Programm Innovationsmanagement erfolgreich angegangen. Kleinen Unternehmen bietet sich somit ein kostengünstiger Zugang zu qualitativ hochwertiger Beratung.

Gerade für junge Unternehmen kann eine frühzeitige Integration von Innovations- und Wissensmanagementprozessen eine lohnende Investition sein, die andere Unternehmen erst aufgrund leidvoller Erfahrungen in späteren Phasen vollziehen. Unsere webbasierte Wissensmanagementplattform KMmaster® stellt mit der "Team Edition" eine speziell auf kleine Unternehmen und Teams ausgerichtete Lösung zur Integration eines einfachen Ideenmanagementprozesses dar.

Können Sie vielleicht anhand eines Best-Practice-Beispiels oben genannte Begriffe mit Leben füllen?

Dr. Müller-Prothmann: Stellen Sie sich ein neu gegründetes Unternehmen zur Entwicklung von sogenannten Serious Games vor, beispielsweise Computerspielen mit Lerninhalten für Kinder: Das kleine Gründerteam besteht aus ambitionierten, gut ausgebildeten Konzeptentwicklern und Programmierern, die bereits in vorherigen Projekten zusammengearbeitet haben. Ihre fachliche Kompetenz steht außer Frage. Dennoch fehlt ihnen das notwendige Netzwerk, um ihre eigenen innovativen Produkte zu entwickeln. Möglicherweise benötigen sie einen Forschungspartner, der sich mit didaktischen Methoden auskennt oder relevante Lerninhalte einbringen kann. Außerdem sehen sie Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit anderen Spielentwicklern. Je genauer das Team darüber nachdenkt, desto größere Potenziale sehen sie.

Die Frage ist nun, wie dieser nicht unerhebliche zeitliche Aufwand erbracht werden soll, die Partner zu gewinnen, zu koordinieren und das Forschungsvorhaben zu planen und zu realisieren. Das Team verfügt über keine Experten, die sie eigens dafür abstellen können. An dieser Stelle kann ein Partner wie die Pumacy Technologies AG weiterhelfen und im Rahmen des oben beschriebenen Programms aktiv werden. Sobald das Innovationsvorhaben als förderfähig bestätigt wurde, wird die Arbeit in enger Abstimmung mit dem Unternehmen aufgenommen. Auf Basis der Innovationsberatung besitzt das Unternehmen ein besseres Bild des vorhandenen Marktpotenzials sowie der nötigen Entwicklungsaufwendungen und einen Überblick über geeignete Förderprogramme, im Idealfall sogar bereits ein konkretes Projektvorhaben einschließlich des ausgearbeiteten Förderantrags. Einer gemeinsamen zielgerichteten Umsetzung, die ebenfalls durch eine geförderte Begleitung unterstützt werden kann, steht von da an nichts mehr im Wege.

Welche Start-ups haben sich in jüngster Vergangenheit – Ihrer Meinung nach – das Prädikat „innovativ“ redlich verdient? – Und warum?

Dr. Müller-Prothmann: Ohne ein bestimmtes Start-up herausgreifen zu wollen, fällt uns gerade an unserem Berliner Standort auf, dass viele innovative Unternehmen entstehen, die in den sogenannten Wirtschaftsclustern der Stadt angesiedelt sind. Die kreativen Industrien erhalten besonders durch Start-ups viele spannende Impulse, beispielsweise in dem erwähnten Beispiel der Spieleindustrie oder auch der Modeindustrie, die wie selbstverständlich neue Vertriebs- und Produktionsmöglichkeiten nutzt und in kürzester Zeit auf kulturelle und gesellschaftliche Impulse reagiert und sie in neue Modetrends übersetzt. Oder denken Sie an die Biotechnologieunternehmen, die oftmals recht klein sind, nichtsdestotrotz aber innovative Spitzentechnologien auf international führendem Niveau hervorbringen und den Markt antreiben.

Vielen Dank für das Interview!

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