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21.04.11Kommentieren

Interview mit Andreas Pfau, Werbeboten Media

"Für ein MUSS gibt es mindestens 600 Millionen Gründe"

Die Werbeboten haben ein Content Management System für Facebook-Fanpages entwickelt. Gründer und CTO Andreas Pfau erklärt im Interview mit förderland, wie die Idee entstand, die technischen Hintergründe und warum eine eigene Fanpage heutzutage für jedes Unternehmen dazu gehört.

Andreas Pfau - Gründer und CTO der WerbebotenAndreas Pfau - Gründer und CTO der Werbeboten

förderland: Hallo Herr Pfau, stellen Sie sich doch bitte kurz unseren Lesern vor …

Andreas Pfau: Hallo, ich bin Andreas Pfau, Gründer und CTO bei Werbeboten Media, einer Social Media Agentur mit Fokus auf Community Management. Über unsere Plattform werbeboten.de organisieren wir einerseits Botschafterkampagnen für Unternehmen über das Social Web, aktuell z.B. für die Allianz. Darüber hinaus konzentrieren wir uns stark auf Facebook und seiner API, um darüber individuelle Apps zu entwickeln und nützliche Lösungen für Unternehmen anzubieten. Dies ist vor allem mein Part und der meines Teams. Wir sind jeden Tag mind. 16 Stunden auf Facebook online und versuchen die tollsten Apps zu entwickeln.

Ihr neuestes Projekt: ein Facebook-CMS. Was kann das System?

Pfau: Seit kurzem kann man auf Facebook Fanseiten keine eigenen Unterseiten sog. Static-FBML-Tabs mehr erstellen bzw. individuelle Inhalte wie Aktionen etc. integrieren. An diesem Punkt haben wir angesetzt und wollten eine sehr nutzerfreundliche Lösung anbieten, die es jedem User erlaubt, neue Tabs zu erstellen und Inhalte einzupflegen. Dafür haben wir ein CMS entwickelt, den Content Manager for Facebook, kurz CMF, welcher genau dies ermöglicht.

Damit können Fanpages viel intensiver verwendet werden, da somit auf aktuelle Aktionen hingewiesen werden kann, Newsletteranmeldungen eingebunden werden können bis hin zu eigenen Shops.

Unser CMF funktioniert wie ein übliches Content Management System. Der User kann über ein Backend neue Tabs zu seiner Fanpage hinzufügen, diese individuell benennen und unterschiedliche Inhalte einbinden. Dafür geben wir zunächst drei Möglichkeiten. Man kann ein komplettes Bild hochladen bspw. einen Flyer und diesen verlinken, eine komplette URL per iFrame einbinden oder über einen Word-ähnlichen Editor (RTE) Texte selbst schreiben, formatieren und hochladen.

Wie ist das bisherige Feedback der Nutzer? Gibt es auch kritische Stimmen?

Pfau: Das bisherige Feedback ist durchweg sehr positiv sowohl auf der Werbeboten B2B Fanpage, wo wir intensiv über unseren CMF berichten und uns mit den Nutzern austauschen, aber auch in Gesprächen mit Kunden. Die einzige Kritik, die es bisher gab, war, warum wir diese Lösung noch nicht eher entwickelt haben.

Wie ist die Idee dazu entstanden? Stecken die technischen Umstellungen bei Facebook dahinter?

Pfau: Seit Mitte März gibt es bei Facebook eine Neuerung, was das Thema Fanpages individualisieren betrifft. Bis dato hatten Fanpagebetreiber die Möglichkeit, individuelle Inhalte und Tabs für ihre Fanpages zu erstellen. Dies lief mittels Facebooks eigener Sprache FBML ab und war sehr leicht. Seit dem 11. März 2011 ist diese Möglichkeit verschwunden. Zwar bleiben die FBML Tabs bestehen und vereinzelt kann man diese auch noch bearbeiten, in naher Zukunft werden sie jedoch ganz verschwinden.

Im Austausch hat das Netzwerk eine neue Möglichkeit eingeführt, Inhalte per iFrame Apps einzubinden. Dafür bedarf es allerdings eines Developer Accounts bei Facebook und erheblichen Programmierkenntnissen. Für viele Marketingabteilungen wird es also in Zukunft sehr kompliziert, ihre Fanpages individuell und up2date zu halten, ohne eine teuren Entwicklungsaufwand in Kauf zu nehmen.

Momentan bieten Sie Ihr System kostenlos an. Aber Sie wollen mittelfristig doch sicher direkt an Ihrem Tool verdienen …

Pfau: Wir haben in unserem ersten Release eine kostenfreie Version des CMF entwickelt und werden diese auch weiterhin kostenlos anbieten. Darüber können Tabs und Inhalte wie bereits erwähnt via Bildupload, iFrame oder mittels eines Editors erstellt werden. Dieses Paket ist beschränkt auf 5 Tabs und komplett kostenlos.

In zukünftigen Releases werden wir verschiedene kostenpflichtige Pakete anbieten, welche mit vielen zusätzlichen Features ausgestattet sind, die die Gestaltungsmöglichkeiten enorm erhöhen. User können einzelne Tabs hinzukaufen oder ganze Pakete mit vielen Features wie Twitterchannel oder White Labeling erwerben.

Für die "next-generation" Version wollen wir ein komplett modulares Tool anbieten, worüber verschiedene Module wie Gewinnspiele, Coupons bis hin zum eigenen Shop eingebunden werden können. Damit bieten wir Unternehmen eine Möglichkeit, Facebook als direkten Sales Channel zu nutzen.

Warum MUSS heutzutage jedes Unternehmen auf Facebook mit einer eigenen Fanpage präsent sein? Oder ist MUSS klein zu schreiben?

Pfau: Für ein MUSS gibt es mindestens 600 Millionen Gründe, wenn man allein auf die Nutzerzahlen schaut. Dennoch ist Facebook kein must have für alle Unternehmen. Es hat einen klaren Endkundenfokus und ist somit für B2C Unternehmen wesentlich interessanter.

Eine Fanpage bietet die einzigartige Möglichkeit, auf einfachem Wege direkt mit den Kunden und der eigenen Zielgruppe in Kontakt zu treten. Fans sind kommunikativ und tauschen sich gern über Fanpages aus. Dieses Potential können Unternehmen in vielen Bereichen nutzen, z.B. um sich Meinungen zu Produkten einzuholen und die Feedbacks in die Produktentwicklung mit einzubinden. Auch die Tatsache der schnellen "viralen" Verbreitung sehe ich als sehr wertvoll für Unternehmen an, schnell eine hohe Reichweite zu erzielen.

Wie können sich Ihrer Meinung nach die "normale" Corporate Website und die Facebook Fanpage optimal ergänzen?

Pfau: Grundlegend ist Facebook ein Kommunikationskanal, d.h. dafür sollten es Unternehmen auch nutzen, um z.B. auf ihren Fanpages Neuigkeiten zu berichten, neue Produkte oder Veranstaltungen vorzustellen. Die Corporate Website ist aktuell noch wesentlich stärker eine Transaktionsplattform. Um beides miteinander zu verbinden, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten. Facebook bietet dahingehend bereits Plugins, die direkt auf der Website eingebunden werden können z.B. die Fanbox, wie sie auch auf foerderland.de zu finden ist. Auch das Thema Facebook Connect halte ich für Websites für sehr interessant.

Ich denke, dass Facebook in Zukunft v.a. als Transaktionsmedium an Bedeutung gewinnen wird. In diesem Zusammenhang finde ich die Tatsache sehr spannend, dass sich Unternehmen bereits die Frage stellen:"Website oder Fanseite?". Ich bin sehr gespannt, wie sich dies weiterentwickeln wird.

Wie denken Sie, wird sich Facebook in Zukunft entwickeln? Viele User werden dem ja schon überdrüssig …

Pfau: Ich denke, dass Facebook auch weiterhin stark wachsen wird und die Nutzerzahlen weltweit ansteigen werden. Für Unternehmen wird es somit immer interessanter werden. Ich denke auch, dass sich das Netzwerk stärker auf Unternehmen ausrichten wird und dies nicht nur vor dem Hintergrund, dass ein baldiger IPO ansteht und es bis auf Werbung bisher keinen Monetarisierungsansatz gibt.

Es fehlt Facebook bisher absolut an Konkurrenz und immer mehr Menschen drängen in das Netzwerk, um sich dort auszutauschen. Mir selbst ist es schon so ergangen, dass ich nicht nach meiner Telefonnummer gefragt wurde, sondern wie mein Facebookname ist.

Was dürfen wir in Zukunft von den Werbeboten erwarten?

Pfau: Viel auf jeden Fall! Unser Fokus konzentriert sich immer mehr auf technische Entwicklung rund um das Thema Brand Building und Community Management im Social Web. Insofern darf man in Zukunft auf interessante Produkte gespannt sein.

Vielen Dank für das Interview!

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