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28.09.11Kommentieren

Kolumne von Jannis Friedag, eventurecat

Finanzierung mit Venture Capital – wieviel Geld nehme ich auf?

Wer sich mit der Finanzplanung für das eigene Unternehmen beschäftigt, kommt irgendwann zu der Frage, wie man die benötigten Investitionen finanziert. Wachstumsstarke Unternehmen geben hierbei oftmals einen Anteil an ihrem Unternehmen an Venture Capital-Gesellschaften ab – im Gegenzug erhalten sie frisches Kapital, um das Wachstum zu finanzieren. Doch wie viel Geld sollte ein Unternehmen aufnehmen? Dieses Frage diskutiert Jannis Friedag, Senior Corporate Finance Advisor und Prokurist bei eventurecat, in seiner aktuellen Kolumne.

Jannis Friedag, Senior Corporate Finance Advisor und Prokurist bei eventurecatJannis Friedag, Senior Corporate Finance Advisor und Prokurist bei eventurecat

Wer sich mit der Finanzplanung für das eigene Unternehmen beschäftigt, kommt irgendwann zu der Frage, wie man die benötigten Investitionen finanziert. Wachstumsstarke Unternehmen geben hierbei oftmals einen Anteil an ihrem Unternehmen an Venture Capital-Gesellschaften ab – im Gegenzug erhalten sie frisches Kapital, um das Wachstum zu finanzieren. Oft stellt sich aber die Frage, wie viel Geld man einwerben sollte. Nun, grundsätzlich muss man das Unternehmen natürlich durchfinanzieren – das heißt, dass die kumulierte Liquidität niemals negativ wird. Oftmals benötigt man dafür aber hohe Beträge – und würde im Gegenzug viele Anteile an seinem Unternehmen abgeben. Daher stellt sich oft die Frage: wie viel Geld sollte ein Unternehmen aufnehmen?

Auch in unserer Praxis tritt diese Frage sehr häufig auf. Leider gibt es keine goldene Regel, sondern nur einzelne Empfehlungen, die ich hier vorstellen möchte.

Cash-Reichweite
Ein wesentlicher Faktor zur Bestimmung der Summe ist die Frage, wie lange ein bestimmter Geldbetrag ausreicht, um ein Unternehmen zu finanzieren. Meine Empfehlung ist hier, dass die Reichweite einer Finanzierungsrunde mindestens 15 Monate betragen sollte. Wenn die Reichweite deutlich kürzer ist, besteht das Problem, dass sich das Management spätestens sechs bis neun Monate nach der Finanzierungsrunde um eine Anschlussfinanzierung kümmern muss – und wer schon einmal eine Finanzierungsrunde gemacht hat weiß, dass das operative Geschäft darunter in der Regel erheblich leidet.

Anteile und Bewertungen
Ein zweiter Aspekt, den man betrachten muss, ist die Unternehmensphase. Eine Venture Capital-Finanzierung bedeutet immer auch eine Verwässerung der Anteile der Gründer am Unternehmen, da Investoren im Rahmen einer Kapitalerhöhung Unternehmensanteile erwerben. Die Höhe der abzugebenden Unternehmensanteile wird hierbei durch die Unternehmensbewertung sowie die Höhe der Investition durch den Geldgeber bestimmt. Bei einem Unternehmen, dass eine Bewertung von einer Million EuroPre-Money (Pre-Money ist der Unternehmenswert vor dem Zeitpunkt des Eintritts des Investors) ausverhandelt hat, bedeutet ein Investment von 500 T Euro, dass ein Drittel der Anteile an den Investor abgegeben werden müssen. Eine Grundregel lautet, dass Venture Capitalisten in der Regel nicht mehr als 50 Prozent der Anteile am Unternehmen halten wollen. Eine solche Minderheitsbeteiligung von VCs bedeutet natürlich auch eine Incentivierung des Managements, den Unternehmenswert zu steigern und durch einen Exit der Investoren zu profitieren. Gleichzeitig sollten sich die Gründer auch klarmachen, dass es in der Regel nicht bei einer Finanzierungsrunde bleiben wird – Folgefinanzierungen führen zu weiteren Verwässerungen, so dass über die Zeit das Management immer weniger Anteile hält. Anschlussfinanzierungen erschweren sich zudem oftmals, wenn das Management nur noch sehr geringe Anteile am Unternehmen hält.

VC-Markt in Deutschland
Gleichzeitig muss man betrachten, wie groß die Finanzierungsrunden in Deutschland in den jeweiligen Phasen sind. Eine Seed-Finanzierung in Höhe von mehreren Millionen Euro durchzuführen wird in der Regel nur für Serial Entrepreneurs mit sehr wachstumsstarken Geschäftsmodellen möglich sein. Die Investmenthöhe hängt stark von der Branche ab: In der Software- und Internetbranche sind Erstrundenfinanzierungen zwischen 500 T Euro und 1,5 Mio. Euro üblich, bei Games in einigen Fälle auch deutlich höher. Natürlich gibt es überall Ausreißer nach oben.

Venture Capital zu erhalten ist immer eine schwierige Aufgabe. Deswegen sollte man sich auch überlegen, ob man mit einem Thema arbeitet, das bei Venture Capitalisten gerade im Trend ist, oder ob solche Geschäftsmodelle dort gerade eher "out" sind.

Geschäftsmodellbasierte Überlegungen
Ein wichtiger Faktor ist zudem das jeweilige Geschäftsmodell. Welches Geschäftsmodell man verfolgt, hat erhebliche Auswirkungen auf die Finanzierungsstrategie. Wesentliche Fragen, die beantwortet werden müssen, lauten:

  • Wie schnell muss ich mich als etablierter Anbieter auf dem Markt positionieren, um Wettbewerber durch Markenpräsenz, Standardsetzung oder Ähnliches abzuschrecken?
  • Wie sieht die Entwicklungsstrategie aus? Kann ich schnell ein Basisprodukt veröffentlichen oder muss es gleich das High-End-Produkt mit allen Features sein?
  • Wie sieht der Cash-Flow aus? Erhalte ich Upfront-Payments?

Toomuchmoney
Viele Gründer sind bestrebt, so viel Geld wie möglich aufzunehmen. Dies ist aber oftmals wenig sinnvoll, da in der frühen Phase das Unternehmen oftmals eine viel geringere Bewertung erhält und die Aufnahme von Kapital in späteren Phasen mit dem gestiegenen Unternehmenswert zu für das Management und die Altinvestoren günstigeren Konditionen erfolgen kann.

Praxisbeispiele
Zwei Beispiele aus unserer Praxis bei eventurecat zeigen, warum sich Unternehmer für eine bestimmte Strategie entscheiden. Stephan Brack und sein Team von Spezialisten für das Berechtigungsmanagement in Unternehmen bei der protected-networks.com GmbH haben sich im Sommer 2009 zunächst für eine Seedrunde im niedrigen Millionenbereich entschieden und ein Investment des High-Tech Gründerfonds zusätzlich mit einer Technologieförderung aus dem Pro FIT-Programm der Investitionsbank Berlin kombiniert. Für die Internationalisierung und Weiterentwicklung des Produkts wurde dann im Januar 2011 eine A-Runde im bereits mittleren einstelligen Millionenbereich mit Milestone Venture Capital geschlossen. "Der Hauptgrund für die relativ bescheidene Finanzierungsrunde mit einer Reichweite von anderthalb Jahren war für uns, dass wir in diesem frühen Unternehmensstadium mit der entsprechend niedrigen Bewertung bei einer höheren Runde zu viele Anteile hätten abgeben müssen", erläutert Geschäftsführer Stephan Brack. "Bei der A-Runde hätte man sich trotz der besseren Bewertung mit dieser Argumentation auch für eine niedrigere Runde entscheiden können, doch diesmal wollten wir den Rücken für unser Produkt frei haben, ohne Kapital suchen zu müssen."

Bei der Parklabs GmbH – bekannt mit der Social-Betting-Plattform Crowdpark – fiel die A-Runde deutlich höher aus. "In den Gesprächen mit verschiedenen VC-Gesellschaften haben wir feststellen müssen, dass die Bezeichnung Risikokapitalgeber für viele nicht ganz zutreffend ist", meint Martin Frindt, Geschäftsführer der Parklabs GmbH rückblickend. "Wir hatten uns schon darauf eingestellt, nur ein deutlich kleineres Szenario finanzieren zu können. Mit Earlybird haben wir dann aber einen Investor gefunden, der bereit war, mit uns das Risiko einzugehen. In Kombination mit Pro FIT-Mitteln von der Investitionsbank Berlin haben wir dann eine schöne Finanzierungsrunde strukturiert, die uns schnelles Entwickeln und schnellen Markteintritt ermöglicht hat." Über die Reichweite der Finanzierungsrunde wollte uns das Team leider keine Auskunft geben – aber da nach der Finanzierung immer vor der Finanzierung ist, müssen wir also abwarten, wann das Unternehmen die B-Runde meldet.

Fazit
Meine Erfahrung ist, dass am wichtigsten immer die individuelle Betrachtung des Unternehmens, der benötigten Markteinführungsgeschwindigkeit und der Interessen der Gesellschafter ist. Nur wenn man sich hierüber im Klaren ist, lässt sich bestimmen, wann eine Finanzierungsrunde nicht zu hoch oder zu niedrig angelegt ist. Letztendlich wird aber oftmals auch der Venture Capital-Markt mit darüber entscheiden, wie hoch die Finanzierung maximal ausfällt, wenn sich nämlich für das große Ticket kein Investor findet und man allein deshalb zu einer kleinschrittigeren Finanzierungsrunde greifen muss.

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