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08.04.11Leser-Kommentar

Interview mit Sebastian Diemer, fastforward ventures

"fastforward ist positioniert als Start-up-Bäckerei"

Kaum hatte er uns ein Interview über sein Start-ups-Projekt "predictX" gegeben, kam über XING auch schon die Meldung, dass er für fastforward ventures ins Rennen zieht. Wir fragten Sebastian Diemer nach diesem neuen Projekt, hinter dessen Finanzierung alte Bekannte aus der Hamburger Venture-Szene stehen.

Sebastian Diemer, fastforwardSebastian Diemer, fastforward

Am Anfang stand eine Statusmeldung auf XING, die uns ins Auge stach - Sie sind ab nun mit fastforward Ventures im Risikokapital-Geschäft. Eigentlich waren Sie doch gerade dabei, Ihr Start-up predictX auf den Markt zu werfen. Wie darf man diese Meldung einordnen?

Sebastian Diemer: Moin moin, PredictX lebt nach wie vor, wir haben uns nach intensivem Sparring mit Venture Capitalists dazu entschlossen, mit dem Launch zu warten, bis ein solches Konzept nach der deutschen Rechtsprechung 100 Prozent legal anzubieten ist. PredictX war technologisch ausgereift, weltweit einmalig und hatte klare USPs. Die Gefahr, das Angebot auf 50-Cent-"Wetten" beschränken zu müssen und/ oder bestimmte Marketingkanäle nicht nutzen zu können, war uns zu "akut", daher ist das Projekt on hold bis Januar nächsten Jahres.

Was muss ein Start-up mitbringen, damit es fastforward-tauglich ist?

Diemer: Wir glauben an schnell skalierbare Geschäftsmodelle mit klaren USPs in schnell wachsenden B2C Märkten. Nebenbei muss ein Konzept das gewisse Etwas besitzen, was sich häufig nicht in Excelsheets kalkulieren lässt, sondern von subjektiven Faktoren abhängt.

Woher kommt das Kapital von fastforward?

Diemer: Wir sind solide finanziert durch ein Business-Angel Konsortium sowie Hanse Ventures.

Liest man Ihre Stellenangebote und Idas Mission Statement auf Ihrer Webseite, gewinnt man fast den Eindruck, dass Sie fastforward eher als eine Art Inkubator verstehen. In wie weit ist das der Fall?

Diemer: fastforward ist positioniert als Start-up-Bäckerei. In anderen Worten: Wir gründen Unternehmen selbst und legen dabei auf 3 Dinge wert: Vision, Execution und Performance. Konkret heißt das: Strategische Positionierung, extrem schnelle und qualitative Umsetzung durch intelligente Prozesse und Ressourcennutzung und quantifizierter Performenceauswertung. Jeder der 20 Mitarbeiter bei uns hat klare KPIs (Key Performance Indicator, Anm. d. Red.), an denen er gemessen wird.

Schnelligkeit ist dabei unsere Kernkompetenz – während andere Teams sich noch in der "Powerpoint-Folien-Mal"- und "Excel-Kaffeesatz-Kalkulations"-Phase befinden, haben wir eine fertige Plattform ins Netz gestellt.

Also wenn ich das recht verstehe, haben Sie es sich zum Ziel gesetzt, Start-up-Konzepte innerhalb kürzester Zeit hervorzubringen - aber woher kommt dann das Personal, um diese nachhaltig zu führen und weiterzuentwickeln?

Diemer: Die gesunde Mischung aus persönlichen Netzwerken, ein 1A Recruiter (Henning) füllt unsere Bewerberpipeline. Die Möglichkeiten für Mitarbeiter und Praktikanten, in einem extrem dynamischen Umfeld innerhalb weniger Wochen (oder sogar Tage) eigene Verantwortungsbereiche zu übernehmen, macht einen Einstieg bei uns attraktiver als Beratungs- oder Investmentbanking-Geknechte. Ich behaupte, dass ein Praktikum bei uns der schnellste Weg in die eigene Gründung ist. Das Komplettpaket an Verantwortung, Learnings und Kontakten zu Branchenexperten, Kapitalgebern und Programmierern ist in dieser Form einmalig.

Gibt es bereits schon Start-ups unter Ihren Fittichen?

Diemer: Ja, selbstverfreilich. Nach fünf Wochen Entwicklungszeit ist Gigalo in Spanien und Deutschland online, weitere Länder folgen in Kürze. Nebenbei schrauben wir an einem innovativen Projekt, das mit prominenter Unterstützung in den nächsten Tagen/ Wochen online gehen wird. Unser Hauptprojekt wird am 14.04.2011 auf der republica enthüllt – Vorabinformationen gibt es auf gigalocal.de.

In gleich zwei Ländern auf einmal und in fünf Wochen? Das bricht tatsächlich Rekorde - welches Konzept verbirgt sich hinter Gigalo?

Diemer: Gigalo ist ein Neukundenakquise-Tool und Marktplatz für Minidienstleistungen. Jedermann hat die Möglichkeit, innerhalb von zwei Minuten kostenfrei eigene Dienstleistungen anzubieten.

Gigalo vermarktet diese Angebote und kümmert sich um Abwicklung, Bezahlung, Kommunikation zwischen Käufer und Verkäufer sowie Kundensupport. Als weltweit erstes Portal ist Gigalo nicht nur Verkaufskanal, sondern primär Neukundengewinnungstool, da Käufern die mit der fünf Euro Dienstleistung zufrieden waren, größere Projekte angeboten werden können (ab 01.05.2011). Käufer haben somit die Möglichkeit, Verkäufer und Dienstleistung für fünf Euro zu testen, bevor der Auftrag vergeben wird. In anderen Worten: Wir sind das Groupon für ortsunabhängige Dienstleister und schaffen ein neues Beschäftigungsmodell für Leute, die Geld im Internet verdienen wollen.

Mehrere Projekte gleichzeitig zu leiten - leidet da nicht Ihre Performance?

Diemer: Wir haben ein enorm fähiges Team sowie flexible Ressourcen (u.a. einen Programmierer-Kerker sowie eine Schar an Designern und Product Managern), die es uns ermöglichen, strategischen Fokus und Synergien unter einen Hut zu bringen. Unser ständig wachsendes Team ermöglicht es uns, sich auf die strategischen Fragestellungen zu konzentrieren, ohne dass darunter die operative Seite leidet.

Wie geht es übrigens Ihrem Projekt predictX? Haben Sie die selbstgesteckten Ziele erreicht?

Diemer: Wir haben in der gut einmonatigen Testphase fast 500.000 Kontrakte gehandelt und enorm positives Feedback von Usern, Investoren und Branchenexperten erhalten. Lediglich der Gesetzgeber teilte diese Ansicht nicht und steckte uns in eine Schublade mit blinkenden Online-Casinos, was eine Markteinführung enorm schwierig gemacht hätte. Wir haben uns dazu entschieden, unsere Energie in andere Projekte zu stecken, bis im Januar 2012 Glücksspiel (hoffentlich) legal ist in Deutschland.

Wie wurde predictX eigentlich auf dem idealab aufgenommen?

Diemer: Super! Wir hatten im Nachgang Pitches bei nahezu allen namhaften Business Angels und VCs in Deutschland. Das rechtliche Risiko war dann letztlich der ausschlaggebende Punkt, warum wir unser Flugticket nach Malta gecancelled haben.

Zum Abschluss noch kurz eine persönliche Frage: Haben Sie überhaupt noch ein Privatleben?

Diemer: Nachdem man mit den Samwers ein Start-up (Groupon China in unserem Fall) aufgebaut hat, gewöhnt man sich an vier Stunden Schlaf und zwei freie Tage im Monat. Die spannenden Projekte, unser 1A-Team sowie unser Arsenal an ferngesteuerten Office-Helikoptern machen die Zeit im Office hochgradig erträglich. Ich wünsche mir, noch viele weitere Abende mit diesem Team auf unserer Dachterasse im Hamburger Hafen verbringen zu können.

Vielen Dank für die Zeit und natürlich viel Erfolg!

Kommentare

  • Maximilian

    08.04.11 (12:26:07)

    Sehr gutes Interview, sympathischer Typ!

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