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13.06.13Kommentieren

Interview mit Marthe-Victoria Lorenz, CEO fairplaid.org

"fairplaid.org soll mittelfristig zu einer neuen Säule der Sportförderung werden"

Marthe-Victoria Lorenz, Gründerin von fairplaid.org, wird als eine von sechs Gewinnerinnen im nächsten halben Jahr am Mentoring-Programm des Frauenbeirats der HypoVereinsbank teilnehmen. Im Interview mit förderland stellt sie die Crowdfunding-Plattform für Sportprojekte vor und spricht über ihre Erfahrungen in der vermeintlich männerdomminierten Unternehmerwelt.

Marthe-Victoria Lorenz, Gründerin und CEO fairplaid.org

förderland: Hallo Frau Lorenz, seit April ist mit Ihrem Start-up fairplaid.org die erste deutsche Crowdfunding-Plattform für Sportprojekte live. Für alle unsere Leser, die vom Trend Crowdfunding noch nie etwas gehört haben – wie funktioniert dieses Prinzip?

Marthe-Victoria Lorenz: Das Prinzip von fairplaid ist einfach: Sportler und Vereine können auf der Plattform kostenlos Projekte einstellen, für die Gelder benötigt werden – von Trikots über Trainingslager bis zu einem neuen Stadion. Fans, Freunde und Förderer können dann ihr Wunschprojekt innerhalb eines gewissen Zeitraums schon ab einem Euro unterstützen und erhalten für ihr Engagement entweder eine Prämie des Vereins oder eine Belohnung in Form von Rabattgutscheine kooperierender Unternehmen.

Ein Beispiel: Sie geben dem Verein MTV Stuttgart 10,00 Euro für sein Sportprojekt und erhalten hierfür eine Belohnung in Form eines Gutscheins und in Höhe von 20,00 Euro. Sie tun Gutes und haben gleichzeitig einen persönlichen Vorteil.

Geben Sie uns doch ein paar Beispiele. Was sind das für Projekte, die auf fairplaid.org Unterstützung suchen? Wie finden die den Weg auf die Plattform? Und: Gibt es bereits erste Erfolgsgeschichten?

Lorenz: Der Sport und die Sportvereine in Deutschland sind vielfältig und das sind auch die Projekte auf fairplaid.org. Von Vereinen, die Gelder für Ihre Ausrüstung wie Trikots oder in einem Fall auch Flossen sammeln bis zur Finanzierung einer Kampagne eines Sportverbands – alles ist dabei. Man merkt einfach, dass die Sportvereine und Sportler dringend finanzielle Unterstützung benötigen. Den Weg auf die Plattform finden die Vereine zu Beginn zum Großteil über Multiplikatoren, sprich Sportverbände oder auch Gesprächsrunden.

Und zu möglichen Erfolgsgeschichten: Die Plattform ist zwar bewusst schon länger erreichbar, aber eine Finanzierung, also das eigentliche Gelder sammeln auf fairplaid.org, ist erst seit wenigen Tagen möglich. Die erste Erfolgsgeschichte lässt sicher nicht mehr lange auf sich warten. Ich denke spätestens nächste Woche wird es soweit sein.

Wie ist die Idee zustande gekommen, das Crowdfunding-Prinzip für die Förderung von Sportprojekten zu nutzen?

Lorenz: Wer einmal ehrenamtlich im Verein gearbeitet hat, wird mit dem Thema Geld kontinuierlich konfrontiert. Insbesondere Kinder- und Jugendprojekte können oftmals nicht oder nur mit viel, viel Arbeit umgesetzt werden – und Zeit ist Geld. Der Bedarf ist also da, es musste nur etwas passieren. Gleichzeitig bin ich während meines Studiums erstmalig mit Crowdfunding in Berührung gekommen und habe gedacht: das könnte doch die Möglichkeit sein, hier kann man aufsetzen. Klar war aber auch, dass das „klassische“ Crowdfunding für Sportvereine nicht ausreicht, diese nicht den Mehrwert für Unterstützer als Gegenleistung bieten können, wie es Filme, Bands, Künstler oder Produktentwickler können. Ich habe daraufhin das Konzept um die Unternehmen erweitert; es wird somit auch dem im Vereinssport wichtigen und gängigen Thema Sponsoring gerecht.

Sie kooperieren mit der Fidor Bank AG, der erfolgreichen Crowdfunding-Community Startnext sowie der Mergenthaler & Lenz Managementgesellschaft mbH. Wie sind diese Kooperationen zustande gekommen – und wie läuft die Zusammenarbeit?

Lorenz: Die Partnerschaften sind alle wichtig, müssen aber doch ein wenig voneinander getrennt werden. Die Mergenthaler & Lenz Managementgesellschaft mbH ist sozusagen von Anfang an mit im Boot. Der Geschäftsführer Philipp Mergenthaler kommt aus dem Sportbereich, wir haben über längere Zeit gemeinsam am Konzept gefeilt, die fairplaid GmbH gemeinsam gegründet und arbeiten eng zusammen.

Die Startnext Network GmbH ist unser exklusiver Technologiepartner und zusätzlich mit der Fidor Bank unser Dienstleister für die Zahlungsabwicklung. Ebenfalls also wichtige Partnerschaften.

Sie sind kürzlich ins Mentoring-Programm des Frauenbeirats der HypoVereinsbank aufgenommen worden. Was hat Sie zur Bewerbung bewogen? Und was erwarten Sie von den kommenden sechs Monaten, in denen das Mentoring läuft?

Lorenz: Zuerst einmal fand ich den Wettbewerb sehr interessant. Er setzt sich ab von anderen Businessplan oder Start-up-Wettbewerben, weshalb ich mich auch mit der fairplaid GmbH beworben habe. Das ich mit unserem Start-up zu den Gewinnerinnen zähle, ist natürlich unglaublich aufregend und freut mich wirklich sehr. Ich bin gespannt auf die kommenden 6 Monate, insbesondere auf die Erfahrungen und Tipps meiner Mentorin Alexandra Schöneck. Der Austausch wird sicherlich hochinteressant.

Ein eigenes Unternehmen gründen, das sehen viele als Männersache. Und auch die Statistik belegt, dass Gründer den Gründerinnen zumindest zahlenmäßig überlegen sind. Ist das für Sie ein Thema? Welche Erfahrungen haben Sie in der vermeintlichen „Männerdomäne Unternehmertum“ gesammelt?

Lorenz: Ich bin der Meinung, dass Unternehmertum Typsache ist und nicht unbedingt in „Männersache“ und „Frauensache“ oder auch nach Generationen getrennt werden kann. Denn vor allem wenn es um das Thema Finanzierung geht ist, für viele ist nicht das Geschlecht Thema, sondern das Alter. „Du bist ja schon sehr jung“ hört man hier öfter, als „Du bist ja eine Frau“. Sicherlich aber haben Frauen ein anderes Verhältnis zu dem Risiko, dass das Unternehmertum mit sich bringt, und erst die Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten haben dazu geführt, dass Frauen vermehrt diesen Schritt wagen.

Auch ich persönlich habe mir die Zeit genommen, mich zu diesem Schritt zu entscheiden und voll und ganz dahinter zu stehen. Meine Erfahrungen sind aber durchweg positiv. Als Abteilungsleiterin einer Basketball-Abteilung und aktive Basketballerin bin ich eine von Männern geprägte Umgebung auch gewohnt, für mich ist dies nichts Neues.

Zurück zu fairplaid.org. Was sind die nächsten Ziele? Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Start-ups?

Lorenz: fairplaid.org soll mittelfristig zu einer neuen Säule der Sportförderung werden, auf die Sportvereine und Sportler zurückgreifen können. Um das zu erreichen werden verschiedene Punkte wichtig sein. Zum Beispiel die Akzeptanz bei Sportvereinen oder die Attraktivität unserer Prämien. Wenn wir das schaffen, wird auch die fairplaid GmbH erfolgreich sein. Wir stehen am Anfang, sind aber auf einem guten Weg.

Vielen Dank für das Interview!

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