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03.09.13Kommentieren

Interview mit Stefanie Springer

EXI-Gutscheine: Branchenexperten coachen Hightech-Gründer

Gründer aus technologienahen Branchen brauchen einen Berater, der sie und ihr Produkt wirklich versteht. In Baden-Württemberg können Start-ups deshalb auf die Expertise von Top-Beratern aus der eigenen Branche zurückgreifen. Dafür erhalten sie vom Land großzügig bezuschusste EXI-Gutscheine. Im Interview stellt Stefanie Springer, Leiterin des Projektteams Innovations- und Unternehmensförderung bei der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected (bwcon) und Ansprechpartnerin für die EXI-Gründungsgutscheine, das Programm vor.

förderland: Lars Hinrichs, Gründer von XING, hat kürzlich kritisiert, dass es in deutschen Start-ups zu viele Betriebswirte und zu wenige Ingenieure und Programmierer gibt. Baden-Württemberg ist da eine Ausnahme von der Regel. Hier gibt es jede Menge technisches Know-how. Trotzdem ist die Zahl der technologieorientierten Gründungen in Berlin höher als in Stuttgart. Woran liegt das?

Stefanie Springer: So paradox das klingt: Vielleicht sind die Rahmenbedingungen hier zu günstig. Viele der Absolventen von Kaderschmieden wie dem Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) oder der Konstanz Research School Chemical Biology bleiben in der Forschung, weil sie hier interessante Projekte und eine großzügige Förderung vorfinden.

Außerdem gibt es in Baden-Württemberg jede Menge Global Player und erfolgreiche Mittelständler aus dem Technologiesektor, die um Talente werben. Viele Absolventen entscheiden sich da lieber für die sichere Anstellung bei einem gestandenen Unternehmen als für das Wagnis Selbstständigkeit.

Und natürlich gibt es auch hier sehr viele erfolgreiche Start-ups – nur eben nicht so viele wie vielleicht in Berlin. Dafür haben wir hier den Vorteil, dass die Projekte sehr solide sind, weil sie zum Großteil von Leuten mit einem technischen Hintergrund gegründet werden. In der Zusammenarbeit mit Gründern habe ich immer wieder festgestellt, dass es leichter für einen Ingenieur oder IT-ler ist, sich kaufmännische und vertriebliche Unterstützung zu holen als umgekehrt. Insofern sind wir hier im Südwesten sogar im Vorteil, denn fundierte, technisch ausgereifte Produkte haben immer einen Markt.

Wie können Gründer sich auf das „Wagnis Selbstständigkeit“ vorbereiten?

Springer: Das Wichtigste ist, dass sie selbst aktiv werden und nicht abwarten, bis jemand sie an die Hand nimmt. Weil kein Start-up alle Aspekte einer Gründung selbst abdecken kann – auch dann nicht, wenn es im Team gründet – ist es wesentlich, sich Unterstützung von außen zu holen, sich zu vernetzen, sich mit anderen Gründern auszutauschen und sich beraten zu lassen.

Das hilft ihnen nicht nur inhaltlich weiter, sondern verbessert auch ihr Standing bei potenziellen Investoren und Partnern. Aus unserer Zusammenarbeit mit dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) wissen wir zum Beispiel, dass Start-ups, die einen Coach an der Seite haben, in Finanzierungsrunden sehr viel besser abschneiden als Einzelkämpfer – einfach weil sie sich besser vorbereitet haben, weil sie professioneller auftreten, weil sie die Anforderungen des Marktes genauer kennen.

Gerade in der Gründungsphase haben aber viele nicht das Geld für eine professionelle Beratung.

Springer: Das ist richtig. Hinzu kommt, dass nicht jeder Berater auch ein guter Ratgeber ist. Gerade Hightech-Gründungen setzen beim Berater eine hohe Fachkenntnis voraus. Wenn Gründer aus der IT-Branche oder dem Maschinenbau das Gefühl haben, der versteht mich und mein Produkt ohnehin nicht, dann macht eine externe Beratung keinen Sinn.

Wie finden Gründer denn einen geeigneten Partner, der sie wirklich versteht und voranbringt?

Springer: Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat erkannt, dass Beratungsangebote niedrigschwellig und trotzdem qualifiziert sein müssen, damit sie von den Gründern angenommen werden. Sie hat deshalb vor knapp einem Jahr die sogenannten EXI-Gutscheine eingeführt. Über die Gutscheine erhalten Gründer hochqualifizierte Beratung von Experten, die wirklich etwas von ihrer Branche verstehen. Das Erfreuliche daran: Die Gutscheine werden großzügig vom Land gefördert, so dass die Gründer zu einem Bruchteil der üblichen Kosten auf Top-Berater zurückgreifen können.

Wer stellt sicher, dass die Gründer auch wirklich an einen Berater geraten, der zu ihnen passt?

Springer: Für die Hightech-Branche ist bwcon der Träger der EXI-Gutscheine. Wir koordinieren die Anfragen, führen den sogenannten Gründungs-Check-up durch und vermitteln die Coaches für eine weiterführende Beratung. Dabei arbeiten wir eng mit BIOPRO Baden-Württemberg und dem CyberForum Karlsruhe zusammen und achten darauf, dass Coaches und Unternehmen zusammenpassen. Alle Berater, die im EXI-Programm gelistet sind, müssen selbst in der Branche gearbeitet haben, die sie beraten.

Was bekommen Gründer genau, wenn sie die EXI-Gutscheine in Anspruch nehmen?

Springer: EXI ist ein zweistufiges Angebot. Am Anfang steht der Gründungs-Check-up, eine Erstberatung durch die Berater der bwcon-Geschäftsstelle – allerdings eine, die durchaus in die Tiefe gehen kann. Bis zu 10 Beratungsstunden stehen dafür zur Verfügung. Der Check-up ist für die Gründer kostenlos. Dann gibt es noch das Intensiv-Coaching, in dem die Gründer ausgewählte Themen mit spezialisierten Beratern vertiefen können.  Dafür zahlen sie pro Beratungstag 160 Euro. Das ist ein Betrag, der auch für die meisten Gründer erschwinglich ist.

Was unterscheidet EXI von anderen Unterstützungsangeboten?

Springer: Mit EXI – vor allem mit dem Gründungs-Check-up – schließt das Land die Lücke zwischen Kurz- und Intensivberatung. Die Gründer erhalten schon im ersten Schritt ein sehr detailliertes Feedback von Beratern, die sich damit auskennen. Neu ist auch der branchenspezifische Ansatz. Anstatt den Gründern die Leistungen einer klassischen Unternehmensberatung anzubieten, setzt man auf Beratung aus der Branche für die Branche.

Wie ist die Resonanz?

Springer: Sehr gut. Vor allem die Check-up-Beratungen werden sehr häufig nachgefragt. Wir haben im ersten Jahr 280 Erst- und 44 Intensivberatungen durchgeführt – und damit mehr, als wir selbst bei der Einführung von EXI prognostiziert hatten.

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