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26.03.12Kommentieren

Interview mit Bernd Storm, aboalarm.de

"Es gibt nicht DEN idealen Zeitpunkt für eine Beteiligung durch einen Investor"

Über anderthalb Jahre ist das letzte Interview mit Aboalarm-Gründer Bernd Storm her - Grund genug, mal nachzufragen, wie es ihm und seinem Unternehmen in dieser Zeit ergangen ist. Soviel sei gesagt: Er will Marktführer bleiben!

Bernd Storm: Gründer von aboalarm.deBernd Storm: Gründer von aboalarm.de

förderland: Hallo Herr Storm, unser letztes Interview ist ja jetzt schon einige Zeit her. Deshalb: Für alle, die Aboalarm noch nicht kennen –was genau ist das Geschäftskonzept?

Bernd Storm: Wir haben die Vision, dass jeder Verbraucher nur jene Verträge hat, die er wirklich braucht. Mit Hilfe von Aboalarm soll der Verbraucher Geld sparen und/oder Leistung gewinnen. Aboalarm versteht sich als smarter und neutralerService rund um das Thema Laufzeitverträge für den Verbraucher. Aboalarm unterstützt in den drei Prozessen:

  • Vertragskündigung: Schnell, einfach und sicher kündigen
  • Tarifauswahl: Immer der beste Tarif
  • Vertragsverwaltung: Überblick wahren und keine Frist mehr verpassen

Was hat sich seit unserem letzten Gespräch im Oktober 2010 entwickelt? Wie viele User nutzen denn bereits ihren Kündigungsservice und was wird gekündigt?

Storm: Aboalarm hat sich seitdem sehr gut entwickelt. Täglich werden deutlich mehr als 10.000 Kündigungen durch Aboalarm unterstützt. Zusammenfassen kann man die Entwicklung mit den drei Trends Mobile, Marke und Mainstream.

  • Mobile: Im Januar 2011 startete unsere iPhone/iPad App und wurde bis jetzt über 500.000 Mal heruntergeladen. Wir wurden von Apple zur besten Finanz-App des Jahres in Deutschland gewählt und wir haben es geschafft, dass über 50 Prozent der Usage bereits mobil ist. Dies sind alles Fakten, auf die wir sehr stolz sind.
  • Marke: Was die Marke Aspirin für Kopfschmerztabletten ist, soll Aboalarm für die smarte Vertragsoptimierung sein. Hinsichtlich der Markenwahrnehmung haben wir in den letzten Monaten große Fortschritte gemacht. In Foren wird Aboalarm schon oft als Synonym für Vertragskündigung verwendet; und wenn man in der Straßenbahn neben zwei Personen sitzt, die sich erzählen, wie cool die App von Aboalarm ist, dann fühlt man sich als Gründer schon bestätigt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Laut einer Umfrage unter unseren Nutzern werden mit Aboalarm eine praktische, verlässliche und irgendwie coole Form der Vertragsverwaltung in Verbindung gebracht. Diese Kombination hat uns bestätigt, denn wir wollen genau diesen Coolness-Faktor in die sonst so trockene Vertragsverwaltung bringen.
  • Mainstream: Wenn wir für einige Unternehmen, darunter auch der ein oder andere Marktführer mit mehreren Millionen Kunden, über 50 Prozent der Kündigungen kanalisieren, dann kann man guten Gewissens behaupten, dass man kein Nischen- sondern ein Mainstream-Service ist. Gleichzeitig wächst unsere Anbieterdatenbank permanent, sodass wir mehr und mehr Vertragskategorien abdecken können und immer mehr Nutzern helfen können.

Aboalarm hat unlängst seinen dritten Geburtstag gefeiert: Aus welchen Entscheidungen haben Sie am meisten gelernt?

Storm: Unseren dritten Geburtstag gefeiert zu haben, hat das Team echt stolz gemacht. Es hat gezeigt, dass wir damals mit unserer Geschäftsidee zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren. Die erste Entscheidung, aus der wir viel gelernt haben, war also: Just do it!

Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir in diesem Umfang nicht mit diesem Erfolg gerechnet. Getrieben von der hohen Akzeptanz der User mussten wir immer wieder riskante Entscheidungen treffen. Sicherlich haben wir gelegentlich Energien und Ressourcen falsch gebündelt und Fehlentscheidungen getroffen. Keine war aber so, dass sie uns langfristig geschadet hätte. Im Gegenteil: Gerade diese haben unseren Fokus auf das Wesentliche immer weiter geschärft. Die zweite Entscheidung, aus der wir viel gelernt haben, war: "Nicht unbedacht agieren aber Risiken bewusst eingehen!"

Sie haben im vergangenen Jahr eine App für iOS und Android gelauncht. Haben diese beiden Apps das Geschäftsmodell von Aboalarm verändert?

Nein. Wir haben nur das Toolset erweitert, mit dem unsere Nutzer ihre Verträge ganz einfach verwalten können. Das Geschäftsmodell ist das gleiche geblieben.

Bereits damals sprachen Sie davon, mit ihrem Dienst ins Ausland zu gehen. Was hat Sie bislang daran gehindert und wann wird es soweit sein? Welche Länder werden Sie als erstes in Angriff nehmen?

Storm: Ende 2010 standen wir vor der Wahl, mobile Apps oder weitere Länderversionen zu launchen. Wir haben uns für Ersteres entschieden und sind zurückblickend damit sehr zufrieden. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es viel zu früh für eine Internationalisierung gewesen wäre, da wir den Heimatmarkt noch nicht ausreichend bearbeitet hatten. Aus heutiger Sicht gehe ich davon aus, dass Anfang 2013 der richtige Zeitpunkt für weitere Länderversionen ist. Neben dem deutschsprachigen Raum sind insbesondere Länder für uns von großem Interesse, die vergleichbare rechtliche Rahmenbedingungen aufweisen.

2008 sind Sie als Hobbyprojekt gestartet. Sie hatten von Anfang an auf Bootstrapping als Finanzierungsmodell gesetzt und sich aus den Gewinnen finanziert. Konnten Sie an diesem Prinzip festhalten? Welche Vor- bzw. Nachteile bringt das organische Wachstum mit sich?

Storm: Aboalarm wächst weiterhin organisch. Wir haben weder Fremdkapital aufnehmen müssen noch hat sich ein Investor beteiligt. Die Umsätze entwickeln sich derzeit so gut, dass wir alle unsere Pläne für dieses Jahr alleine umsetzen können.

Die Vorteile des Bootstrappings sind aus meiner Sicht die Selbstbestimmtheit der Gründer und die höhere Risikobereitschaft. Sobald man einen Investor an Bord hat, muss man unbedingt die zuvor vereinbarten Ziele erreichen. Da diese in der Regel hoch gesteckt sind (auch um eine hohe Unternehmensbewertung zu rechtfertigen), darf man seinen Entwicklungspfad nur bedingt verlassen und sich nicht viele Fehler erlauben. Hierdurch kann das Potential nachträglicher, riskanter aber erfolgreicher Unternehmensentscheidungen sowie von Lerneffekten aus Fehlern verloren gehen. Allerdings bringt ein Investor in der Regel nicht nur Geld, sondern auch entsprechendes Markt-Know-How und sein Netzwerk mit. Dadurch können Teams zügig und sinnvoll ergänzt und wichtige Geschäftskontakte schnell geknüpft werden.

Ohne Investor kann sich dies schnell als Nachteil identifizieren: Ohne entsprechende Kontakte und wichtiges Fachwissen kann eine gute Geschäftsidee schnell an Geschwindigkeit verlieren und das Momentum verlieren. Organisch zu wachsen bedeutet, dass die Investitionen für die Zukunft erst einmal verdient werden müssen. Das kann natürlich dauern...

Können Sie angehenden Gründern Tipps hinsichtlich Bootstrapping mit auf den Weg geben?

Storm: 1) Innovative Lösungen finden: Aus der Not eine Tugend machen und kreative Lösungswege finden, die auch mit wenig Ressourceneinsatz realisierbar sind.
2) Sehr sorgfältig wirtschaften: Nicht geizen, aber alle Ausgaben kritisch hinterfragen.
3) Sich nie mit Mittelmaß zufrieden geben: In keinem Bereich (Produkt, Marketing, Recruiting) durchschnittliche Qualität akzeptieren. Nur die besten Mitstreiter, Software oder Marketingkampagnen bringen einen weiter.

Wann ist Ihrer Meinung nach der richtige Zeitpunkt für ein Unternehmen, einen Investor mit ins Boot zu holen? Wann wird es bei Aboalarm so weit sein?

Storm: Es gibt nicht DEN idealen Zeitpunkt für eine Beteiligung durch einen Investor. Jedes Startup ist anders und hat eigene Gegebenheiten. Manche Unternehmen brauchen einen Investor sehr früh, andere überhaupt nicht. Insbesondere in der Skalierungsphase kann aber das Geld und Know-how eines erfahrenen Investors im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert sein. Aboalarm ist in der glücklichen Lage, derzeit alle Wachstumspläne aus eigenen Umsätzen finanzieren zu können - und das soll erst einmal so bleiben.

Welche jungen Unternehmen haben Sie im letzten Jahr beeindruckt und warum?

Storm: myTaxi beeindruckt mich sehr. Die Gründer hatten eine richtig gute Idee, die viel Mehrwert für die wichtigsten Stakeholder bietet. Ihr Produkt ist sehr gut gelungen und die Markteinführung mit einer tollen Balance zwischen Angebot und Nachfrage war exzellent. Glückwunsch an das Team!

Aboalarm ist derzeit in der Wahrnehmung der User noch ein reiner Kündigungsservice. Stimmt Ihrer Meinung nach dieses Bild denn überhaupt noch?

Storm: Ja. Der Nutzer entscheidet ja schließlich selbst, welche Funktionen er einer Anwendung nutzt. Als solcher sind wir 2008 gestartet und mit unseren anwenderfreundlichen Kündigungsfunktionen ist es kein Wunder, dass wir derzeit noch so wahrgenommen werden. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich dies bald ändern wird. Wir erweitern Aboalarm derzeit um wesentliche Funktionen und binden neue, bislang einzigartige Lösungen für die Bereiche Tarifbedarfsrechner und Vertragsverwaltung ein.

Wie wird es in den nächsten Monaten mit Aboalarm weitergehen? Worauf liegt zurzeit der Fokus Ihrer Arbeit?

Storm: Wir konzentrieren uns derzeit mit voller Kraft auf das Produkt. Wir haben daher gerade unser Entwicklerteam verdoppelt und werden im Laufe der kommenden Monate die bestehenden Funktionen weiter verbessern und mit einem Tarifbedarfsrechner den Kunden Möglichkeiten bieten, noch einfacher die Verträge zu optimieren.

Vereinzelt gibt es ja bereits Ansätze, Aboalarm in seiner Grundfunktion zu kopieren. Wie und mit was wird es Ihnen in Zukunft gelingen, unverwechselbar bleiben zu wollen?

Storm: Ja, das stimmt und wir beobachten die Entwicklung genau. Jedes erfolgreiche Unternehmen hat früher oder später Copycats. Konkurrenz belebt das Geschäft und es spornt uns an. Wir wollen trotz Nachahmern ganz klar Marktführer bleiben und es nimmt uns in die Verpflichtung, das Produkt immer weiter zu verbessern, um beim Kunden die Nr.1 zu bleiben. Das heißt auch, den Nutzer ernst zu nehmen und anzuerkennen, dass er uns sensible Daten anvertraut. Bei unserem Konkurrenten mangelte es mir zuletzt allerdings an Feingefühl dem Nutzer gegenüber. Als Marktführer müssen wir hier sehr genau aufpassen, dass ein Mitwettbewerber nicht eine ganze Branche in Verruf bringt.

Grundsätzlich werden wir versuchen, uns immer wieder durch Produktinnovation vom Wettbewerb abzusetzen. In der Vergangenheit waren dies erst der Fax-Service und dann die Apps für iOS und Android. In Zukunft sollen dies insbesondere smarte Tarifbedarfsrechner sein, die den etablierten Tarifrechnern von Check24 & Co. deutlich überlegen sein werden.

Vielen Dank für das Interview!

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