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14.02.12Kommentieren

Interview mit Vanessa Bern und Nils Tißen, DIE SENDER

"Es geht nicht alles so schnell, wie bei den Berliner Jungs mit VC-finanzierten Ideen"

Vanessa Bern und Nils Tißen kommen aus der Werbung. Heute "trommeln" die beiden aber nur noch für ihr Start-up DIE SENDER, über das wir bereits im Oktober letzten Jahres berichtet hatten. Denn die Gründungsphase ihres digitalen Direct-Mailingsservices haben die beiden GründerInnen in einem Blog dokumentiert. Heute sprechen sie im Interview mit förderland über ihre Aktion "Startup in a Week" und die Entwicklung ihres noch jungen Unternehmens.

DIE SENDER-Gründerin Vanessa BernDIE SENDER-Gründerin Vanessa Bern

förderland: Hallo Vanessa, Hallo Nils – bevor wir auf Euer Start-up "DIE SENDER" zu sprechen kommen, stellt euch doch bitte kurz vor. Was habt Ihr vor der Selbständigkeit gemacht? Und wie ist die Idee entstanden, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Vanessa Bern: Mein Name ist Vanessa Bern und vor der Gründung unseres Start-ups habe ich in Düsseldorfer Werbeagenturen als Projektmanagerin bzw. Beraterin für Kunden wie SAP, Toshiba und den Burda Verlag gearbeitet. Anfang 2011 habe ich meine damalige Agentur, die EURO RSCG 4D, verlassen, um mich erst einmal als freiberufliche Projektleiterin in die Selbständigkeit vorzuwagen.

Nils Tißen: Wir kommen beide ursprünglich aus der Werbung. Wobei mein Schwerpunkt schon immer eher im Onlinebereich war. Ich bin, wie auch Vanessa, seit 2001 dabei. Erst als freiberuflicher Designer und in den letzten Jahren zunehmend in der Konzeption digitaler Produkte, großer Unternehmensauftritte, E-Commerce, Social Media-Dinge usw.

Als Begleiterscheinung dazu habe ich mich immer mehr mit Entrepreneurship, Unternehmensmodellen und -strategie auseinandergesetzt - das gehört aus meiner Sicht zu einer umfassenden konzeptionellen Betrachtung dazu.

Vanessa Bern: Der Wunsch ein eigenes, kleines Unternehmen zu gründen, welches nicht direkt der klassischen Werbeagentur gleicht, hat mich bzw. uns schon lange begleitet. Aber es braucht immer erst eine gute Idee. Nils hatte bereits vor einigen Jahren viele gute Ansätze, aber diese haben wir aus unterschiedlichen Gründen nicht zur konkreten Umsetzung geführt - noch nicht. Das Thema Mailingversand hat uns aber immer begleitet. Ob in der Agentur oder, in seinem Fall, bei der Arbeit mit eigenen Kunden.

Man sagt ja oft, dass die besten Geschäftsideen aus einem Problem heraus entstehen. So war es bei uns auch. Wir hatten es satt, tagelang auf Kosten und Termine von unterschiedlichen Dienstleistern für den Druck, die Personalisierung, die Konfektionierung und den Versand zu warten, um ein einfaches Werbemailing kurzfristig zu versenden. Damit waren DIE SENDER geboren.

Worum geht’s bei "DIE SENDER"? Was bietet Ihr Euren Kunden? Was ist das Geschäftskonzept?

Vanessa: Das ist einfach. DIE SENDER kümmern sich um Druck und Versand von Standard-Werbemailings und anderen Kundenanschreiben: Rundschreiben, Benachrichtigungen, Einladungen - und das schon ab kleinen Auflagen von nur 100 Empfängern.

Nils: Wir kombinieren Teile der typischen Druckerei mit Elementen des Lettershops. Zum Einen macht es die Kombination deutlich günstiger für unsere Kunden, zum Zweiten bieten DIE SENDER über ihren Online-Preisrechner die Möglichkeit, Kosten für einen großen Teil der Produkte einzuholen, ohne auf ein Angebot warten zu müssen. Und das war das Hauptziel. Unkompliziert sein und mit gutem Unternehmensdesign Kostenvorteile schaffen.

Gleich zu Beginn habt Ihr mit der Aktion "Startup in a Week" auf Euch Aufmerksam gemacht. Worum ging es dabei?

Nils: Vanessa hat es grade schon gesagt: Wir haben uns schon länger mit mehreren Ideen befasst, einige verworfen, andere auf die Umsetzungsliste gegeben. Dazu kam, dass wir in Gesprächen häufig mit dem Vorurteil konfrontiert wurden, eine Gründung sei immer teuer und sehr zeitaufwändig.

Vanessa: Eigentlich ging es darum zu zeigen, dass man auch in kürzester Zeit etwas Gutes auf die Beine stellen kann. Wir wollten auch uns ein Zeitlimit setzen und auch uns selbst beweisen, dass es funktioniert. Und hinzu kommt natürlich ebenfalls, dass wir unsere Idee über unser eigenes Umfeld hinaus reflektieren wollten.

Hat die Aktion "funktioniert"? Was habt Ihr für Feedback bekommen?

Vanessa: Nils ist etwas anderer Meinung, aber ich denke schon. Startup in a Week sollte transparent zeigen, was man als Gründer alles beachten muss, und auf welche Aufgaben man stößt.

Nils: Es ist eine Frage der Perspektive. Wir hatten schon eine gute Aufmerksamkeit in der Gründungswoche. Das macht sich auch heute noch bemerkbar, wenn wir mit Neukunden sprechen. In dieser Woche hatten wir etwa 2.500 Kontakte im Blog und später auf der Seite - das hätte auch etwas mehr sein können. Aber durch die Pressearbeit auf Gründungsportalen und im Medienbereich, und auch durch unsere Social Media Aktivitäten bei Facebook standen und stehen wir gezielt im Kontakt mit Menschen, die unser Produkt auch wirklich interessiert. Das heißt, die Kommunikation ist effektiver.

Vanessa: Insgesamt war es sehr spannend zu sehen, wie sich alles entwickelt. Sowohl bei der Aktion, als auch für das Unternehmen. Wir hatten ja nichts, außer einen Plan. Und uns war schon am Anfang klar, dass nicht alles nach unseren Vorstellungen laufen würde.

Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?

Nils: Es läuft gut. Wir kommen ohne externes Kapital aus und bootstrappen. Das heißt, es geht nicht alles so schnell, wie bei den "Berliner Jungs" mit VC-finanzierten Ideen. Und das muss es auch nicht. Wir setzen auf gute Erfahrungen, solide Entscheidungen und bauen DIE SENDER sukzessive aus. Aktuell suchen wir neue Büroräume, unter anderem, um mit mehr Raum bessere Produktionsbedingungen zu schaffen. Leider haben wir in letzter Zeit unsere Marketingaktivitäten etwas vernachlässigt. Aber da geht es bald auch wieder weiter.

Wie wollt Ihr "Die Sender" weiterentwickeln? Was sind gerade die großen Aufgaben? Investorensuche? Produktentwicklung?

Vanessa: Wie gesagt: Marketing. Wieder mehr bloggen, mehr mit den Leuten ins Gespräch kommen. Bekannter werden. Das ist für uns ein wichtiger Punkt.

Nils: Dazu bauen wir unser Produktsortiment massiv aus. Mittlerweile läuft sehr viel über individuelle Angebote, die noch nicht im Preisrechner vorgesehen sind. Da wird sich dieses Jahr noch etwas zu ändern haben, so dass wir unser Ziel, der schnellen Angebote auch für den geänderten Kundenanforderungen wieder 100%ig erfüllen. Dabei helfen uns die gewonnenen Erfahrungen schon sehr.

Warum wird "Die Sender" erfolgreich?

Vanessa: Weil wir sehr flexibel sind. Wir hatten letzten Monat eine Anfrage, mit der wir das wieder unter Beweis stellen konnten: Innerhalb von nur 6 Stunden haben wir ein 1.000er Mailing von der Anfrage bis zum Versand vollständig produziert.

Nils: Das geht natürlich nicht immer.

Vanessa: Richtig. Aber in diesem Moment war es möglich und so konnte unser Kunde noch rechtzeitig zu seiner Veranstaltung einladen. Die hätte er sonst absagen müssen.

Nils: Meiner Meinung nach werden DIE SENDER erfolgreich, weil wir uns am Kunden orientieren: Wir stellen Bedürfnisse in den Vordergrund und nicht technische Rahmenbedingungen. Darauf bauen wir eine kleine, geile Firma auf.

Vielen Dank für das Interview!

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