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01.07.15Kommentieren

Aus der Not eine Tugend machen

Es braucht nicht immer Fremdkapital für eine Gründung

Robert Litwak ist der Geschäftsführer der plusForta GmbH, die seit knapp sechs Jahren mit kautionsfrei.de eine Alternative zur Barkaution auf dem deutschen Mietmarkt etabliert. Mit seinen Partnern hat er das Unternehmen ohne Fremdfinanzierung gegründet und lässt nun andere Gründer an seinen Erfahrungen teilhaben und gibt Tipps, worauf man bei der Finanzierung einer Geschäftsidee achten muss.

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Auch wenn es medial oftmals den Anschein macht, als würde kaum ein Unternehmen ohne stattlichem Venture Captial oder die Unterstützung von Business Angels erfolgreich durchstarten können, ist die Realität eine andere. Laut Deutschem Startup Monitor 2014 finanziert mit 82,5 Prozent der Großteil der Jungunternehmer sein Business aus der eigenen Tasche. Business Angel Capital und Venture Capital scheinen bei ihnen nicht so verbreitet zu sein, wie angenommen: Diese Optionen werden „nur“ von 28,2 Prozent beziehungsweise 21,4 Prozent in Anspruch genommen.

Profitabilität oder Wachstum?

Der Trend geht dahin, sich den Traum von der Selbstständigkeit selbst zu erfüllen. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Unternehmung auf Profitabilität ausgerichtet ist. Wer anstrebt, innerhalb kürzester Zeit gute Umsätze und damit einhergehend Gewinne zu erwirtschaften, kommt in der Regel bereits mit relativ wenig Kapital aus, sodass es oftmals genügt, die eigenen Reserven anzuzapfen. Um eine Geschäftsidee zu realisieren, die jedoch ein hohes Startkapital erfordert oder aber auf ein großes Wachstum fokussiert ist, lässt sich externe finanzielle Unterstützung nur in den seltensten Fällen umgehen. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten, denn nur die Wenigsten haben zum Start ihrer Gründung Erfahrungen mit dem Umgang mit großen Geldsummen. Daher sollte man das zur Verfügung gestellte Geld klug für den Unternehmensauf- und -ausbau aufteilen. Wer nicht geplant und strukturiert vorgeht, wird sich wundern, wie schnell sich eine große Summe liquidiert, wenn man sein Ziel aus den Augen verliert und für kleine, quasi nebenbei anfallende Maßnahmen mal hier und mal da ein paar Euro ausgibt.

Die Kosten im Blick behalten, aber nicht am falschen Ende sparen

Grundsätzlich gilt es, beim Start nicht an der Webseite, IT sowie am Marketing zu sparen. Sie haben entscheidenden Einfluss auf den späteren Unternehmenserfolg. Wer hierbei zu Beginn nachlässig ist, wird später immer wieder nachjustieren müssen, was letztlich zu unnötigen, hohen Folgekosten führt – die kleinen Fehler von heute sind die großen Fehler von morgen! Dennoch sollte man sparsam sein, denn gerade wenn man ein Massengeschäft mit einer geringen Marge aufbauen will, benötigt es einen sehr langen Atem und Geduld. Dementsprechend muss das finanzielle Polster so groß sein, dass man trotz verhältnismäßig geringen Umsatzes das Unternehmen mindestens ein Jahr lang am Laufen halten kann. Das kann mitunter bedeuten, dass die eigenen Lohnzahlungen sehr knapp ausfallen – in dieser Phase ist es wichtiger, das Personal halten und bezahlen zu können, da es das Rückgrat des Unternehmens ist.

Kreativität statt Kapital

Bei der Gründung von kautionsfrei.de haben wir uns dazu entschieden, vollkommen auf Finanzierungen von außen zu verzichten. Und es hat sich gezeigt, dass das für unser Geschäftsmodell genau richtig war. Entscheidend ist in unserer Branche nicht unbedingt die Höhe des zur Verfügung stehenden Kapitals, sondern vielmehr die Kreativität. Da wir nie mit großen Geldsummen kalkulieren konnten, haben wir es uns zur Philosophie gemacht, aus der vermeintlichen „Not“ eine Tugend zu machen. Wir waren immer darauf bedacht, mit einem geringen finanziellen Rahmen maximale Ergebnisse zu erzielen. So haben wir zum Beispiel unseren ersten Messestand aus Einzelteilen bei ebay zusammengekauft und am Ende konnten wir auf der Veranstaltung mit unserem „Homemade“-Produkt die Konkurrenz ausstechen, da die Besucher durch unseren außergewöhnlichen Stand auf uns aufmerksam geworden sind. Obwohl einige unserer Mitbewerber sehr viel Geld in teure Werbung investieren, bedeutet das nicht, dass sie auch gleichzeitig wesentlich höhere Umsätze erzielen oder gar profitabel sind – wie wir.

Ohne Druck, aber mit viel Motivation zum Erfolg

Darüber hinaus war es uns wichtig, unabhängige Entscheidungen treffen zu können und nicht erst Rücksprache mit potenziellen Teilhabern halten zu müssen. Dies ermöglicht eine sehr hohe und vor allen Dingen schnelle Umsetzungskompetenz. Haben wir uns für eine Kampagne entschieden, können wir diese innerhalb kurzer Zeit realisieren, ohne dass wir vorher lang und breit darüber diskutieren müssen oder es zu langwierigen Interessenkonflikten kommt. Zudem genießen wir durch unsere Eigenfinanzierung den großen Luxus, keinen externen Druck zu haben und unseren internen Prinzipien treu bleiben zu können. Eines davon ist zum Beispiel, dass die Mitarbeiter das wichtigste „Gut“ in unserem Unternehmen sind. Mit ihrer Motivation und Leistungsbereitschaft gestalten sie den Geschäftserfolg maßgeblich mit. Unser Team arbeitet wie in einem Familienunternehmen, Schulter an Schulter und man steht füreinander ein. Dieses Miteinander könnte in dieser Form kaum stattfinden, hätten die Mitarbeiter das Gefühl, nicht für sich oder die „Familie“, sondern für die finanzielle Bereicherung eines Investors zu arbeiten.

Fazit

Bevor man überlegt, wie die eigene Geschäftsidee zu finanzieren ist, sollte man sich also erst einmal fragen, welche Ziele man mit ihr erreichen will – wo soll die Reise hingehen? Auf dieser Basis lassen sich Berechnungen dahingehend anstellen, wie viel Geld für die Gründung überhaupt nötig ist. Diese Kalkulation ist das A und O für eine Gründung, da sie über die Realisierbarkeit des Vorhabens Aufschluss gibt. Darauf aufbauend sollte man sich dann für die individuell passende Finanzierungsoption entscheiden. Sobald diese gefunden ist, heißt es, mit großem Einsatz die gesteckten Ziele zu erreichen, denn unabhängig von der Finanzierung erfordert jedes frisch gegründete Unternehmen viel Schweiß und Aufwand.

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