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01.07.08Kommentieren

Interview mit Peter Pauli, BayBG

"Erfolgreiche Investments sind ein Gewinn für alle Beteiligten"

Zur Person: Peter Pauli ist Geschäftsführer der BayBG. Diese stellt Unternehmen Eigenkapital für die Finanzierung von Wachstum, Innovationen, Unternehmensnachfolge und Turn-around zur Verfügung und ist die führende mittelstandsorientierte Beteiligungsgesellschaft in Bayern. Doch auch technologiebasierte Start-ups haben eine Chance auf Beteiligungskapital. So ist die BayBG etwa seit 1998 als Erstinvestor an Proteros biostructures beteiligt und ging 2007 in die zweite Finanzierungsrunde.

Peter Pauli, Geschäftsführer der BayBGPeter Pauli, Geschäftsführer der BayBG.

Der erfolgreiche Unternehmer Henry Ford sagte: 'Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegenkommen.' Stimmen Sie ihm zu? Und könnte diese Erkenntnis auch ein Leitmotiv für Jungunternehmer auf Kapitalsuche sein?

Ja, ich stimme Henry Ford zu. Doch nicht nur Jungunternehmer sollten sich an dieser Erkenntnis orientieren. Jeder Unternehmer, der einen Investor sucht, muss ihm eine Geschäftsidee anbieten, die so interessant ist, dass sich ein Investment lohnt. Damit meine ich vor allem Marktpotenzial, Alleinstellungsmerkmal, Wachstumsmöglichkeiten und ein hervorragendes Managementteam. Ein Unternehmer, dem dies gelingt, kommt dem benötigten Kapital ganz sicher erfolgreich entgegen.

Welche Chancen überzeugen Sie an einer Geschäftsidee besonders?

Eine große Rolle spielt sicher das Geschäftsmodell und ob es dafür einen interessanten Markt gibt, der Wachstum verspricht. Die Unternehmen, an denen wir uns beteiligen, können einen ersten Marktnachweis auch erbringen, da wir keine Seedfinanzierungen machen, sondern uns zu einem Zeitpunkt beteiligen, an dem das Marktpotenzial und die Vermarktungsstrategie schon nachweisbar sind. Wir legen außerdem Wert darauf, dass Alleinstellungsmerkmale vorhanden und gegebenenfalls geschützt sind, damit der unternehmerische Vorsprung gesichert ist. Und natürlich interessieren uns die Exitmöglichkeiten, da das investierte Kapital nach spätestens zehn Jahren eine angemessene Rendite erwirtschaftet haben sollte.

Spielen für Sie auch die Menschen im Unternehmerteam eine wichtige Rolle, oder geht es vor allem um Zahlen und Fakten?

Da die Menschen die Geschäftsidee umsetzen, sind sie ein ganz wichtiger Faktor. Worauf wir gerade bei jungen Unternehmen besonders achten, ist die Erfahrung der einzelnen Teammitglieder. Ob sich diese inhaltlich ergänzen und vor allem, ob jemand dabei ist, der unternehmerische Kenntnisse mitbringt. Gute Erfahrungen haben wir mit Teams gemacht, die aus jüngeren und älteren Mitgliedern bestehen, da sich in dieser Kombination jugendlicher Elan und erprobte Erfahrungswerte meist optimal ergänzen. Außerdem sollten die Mitglieder des Managementteams in der Lage sein, strategisch zu denken und über genügend Durchhaltevermögen verfügen, um mögliche Durststrecken zu überstehen.

Sollte ein Investor auch die Teambesetzung verändern, wenn unternehmerische Kompetenz fehlt?

In so einem Fall sollte man zunächst dem Gründerteamteam bewusst machen, dass es dem Unternehmen zugute kommt, wenn noch fehlende Qualifikationen integriert werden. Denn nur ein gutes Team kann gute Ergebnisse bringen, und nicht jeder exzellente Technologe ist ein guter Geschäftsführer. Meist ist diese Einsicht bei den Unternehmern auch vorhanden, denn diese sind ja, genau wie ein Investor, ebenfalls an einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung interessiert.

Über welche anderen strategischen Aspekte neben der Teambesetzung sollten Investor und Unternehmer offen und frühzeitig miteinander reden?

Ein ganz entscheidender Punkt sind die jeweiligen Vorstellungen über den möglichen Exit. Ob zum Beispiel ein Börsengang oder ein Verkauf des Unternehmens angestrebt wird oder der Unternehmer vorhat, sein Unternehmen langfristig zu entwickeln. Letzteres spielt für die jüngere Unternehmergeneration zwar eine zunehmend geringere Rolle, dennoch müssen beide Seiten frühzeitig ihre Absichten klären, und dem Unternehmer muss auch bewusst sein, dass ein Investor naturgemäß an einem attraktiven Exit interessiert ist. Ein weiterer Aspekt, über den man offen miteinander reden muss, sind die Wachstumsschritte des Unternehmens und die damit verbundenen Umstrukturierungen in der Organisation. Denn ein international agierendes Unternehmen hat andere Anforderungen als eines, das national ausgerichtet ist, und in diesem Zusammenhang können wiederum auch personelle Veränderungen im Führungsteam notwendig sein. Doch je offener Investor und Unternehmer über diese Punkte miteinander reden, desto besser kann ihre Partnerschaft auf Zeit gelingen.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle in dieser Partnerschaft auf Zeit?

Wichtig ist für mich und die BayBG generell, dass wir vor allem Sparringspartner der finanzierten Unternehmen sind. Dazu gehören die Unterstützung in strategischen Fragen, Kontakte zu wichtigen Geschäftspartnern und, wenn es nötig ist, eine Hilfe als Mentor und Coach. Hinzu kommt, dass wir unsere Investments über einen längeren Zeitraum hinweg halten können und nicht in dem Maße einen schnellen Exit benötigen, wie es bei rein privaten, renditegetriebenen Investoren der Fall ist. Dadurch können wir den Unternehmen mehr Zeit für ihr Wachstum geben, was sich wiederum unternehmerisch positiv bemerkbar macht. Denn Unternehmen, die sich für die einzelnen Wachstumsschritte mehr Zeit lassen können, sind oft stabiler als jene, die in sehr kurzer Zeit expandieren.

Haben es junge Unternehmen heute schwerer als früher, sich im Markt zu etablieren?

Die heutigen Märkte sind globaler und dadurch komplexer als vor zwanzig oder gar dreißig Jahren. Insofern sind auch die unternehmerischen Herausforderungen komplexer geworden. Andererseits steht heute mehr Kapital zur Verfügung, die Infrastruktur ist besser, junge Unternehmer bekommen wesentlich mehr Unterstützung und auch das unternehmerische Denken hat sich verändert. All diese Rahmenbedingungen und Aspekte zusammen erleichtern es meiner Meinung nach, ein erfolgreicher Unternehmer zu werden.

Was ist für Sie ein guter Unternehmer?

Jemand, der klare Ziele hat, strategisch denken kann und in der Lage ist, seine Ideen auch umzusetzen. Was er außerdem benötigt, ist Charakterstärke, um ein Vorbild sein zu können und Menschen gut zu führen. Abwägender Mut ist ebenfalls eine wichtige Voraussetzung, denn etliche unternehmerische Entscheidungen sind mit Risiken verbunden, die man eingehen muss, um gewinnen zu können.

Waren es diese Eigenschaften, mit denen auch Dr. Neuefeind von Proteros die BayBG überzeugt hat?

Ja, bereits die ersten BayBG-Ansprechpartner, mit denen Dr. Neuefeind zu tun hatte, waren von seinem unternehmerischen Potenzial überzeugt. Dieser Eindruck hat sich bestätigt. Ich erlebe ihn als sehr umsichtigen Unternehmer, der auch mit dem investierten Kapital verantwortungsvoll umgeht. Ausschlaggebend für unsere Beteiligung war jedoch auch, dass das Geschäftsmodell zu uns passt und alle Kriterien erfüllt, auf die wir Wert legen.

Kann man unternehmerische Fähigkeiten Ihrer Meinung nach lernen?

Manche Fähigkeiten und Charaktereigenschaften sind sicherlich genetisch angelegt, sie lassen sich auch nicht nachträglich aneignen. Doch zum Beispiel im learning by doing kann man auf jeden Fall unternehmerische Praxis erwerben und sich weiterentwickeln.

Können erfahrene, ältere Entrepreneure heute noch ein Vorbild für die junge Unternehmergeneration sein?

Sie können auf jeden Fall ein Vorbild dafür sein, was eine gute unternehmerische Haltung auszeichnet, wie man Durchhaltevermögen beweist und es schafft, sich Jahrzehnte lang erfolgreich im Markt zu behaupten.

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Monika Thiel am 26. Juni 2008 für die Gesprächsreihe "Entrepreneure im Dialog" des Münchener Business Plan Wettbewerbs und Monika Thiel , PR-Consulting. 
Das Interview mit Dr. Torsten Neuefeind im Rahmen dieser Veranstaltung finden Sie
hier.

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