<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

02.05.08Kommentieren

Interview mit Dr. Dirk Haft

Erfolg hat, wer nicht nur Produkte verkauft, sondern Vertrauen schenkt

Dr. Dirk Haft ist Gründer und Geschäftsführer der attocube systems AG in München. Das attocube-Team gewann 2001 den Münchener Business Plan Wettbewerb und gründete im November 2001 das Unternehmen. Mittlerweile ist attocube führender Anbieter von Nano-Stellmotoren und Mikroskopsystemen, die bei Tiefsttemperaturen, absolutem Vakuum und höchsten Magnetfeldern eingesetzt werden. Hinter dem Erfolg steht eine Unternehmenskultur, in der Verantwortung und Vertrauen eine ebenso große Rolle spielen wie exzellente Produkte und der Anspruch, Kunden nicht nur zufrieden zu stellen, sondern auch glücklich zu machen.

Herr Dr. Haft, wollten Sie schon immer Unternehmer werden oder hat sich diese Laufbahn eher zufällig ergeben?

Dr. Dirk Haft: Unternehmer zu sein liegt bei uns in der Familie. Mein Vater war freiberuflicher Patentanwalt, und auch ich hatte schon früh Lust auf berufliche Selbständigkeit. Bereits mit 14 Jahren habe ich neben der Schule mit Computerdienstleistungen mein erstes Geld verdient. Etwas erfolgreich zu verkaufen, hat mir Freude gemacht, und auch während meines Physikstudiums hat es mich stets interessiert, wie sich aus guten Ideen verkaufsfähige Produkte entwickeln lassen. Zum Glück hatte ich während meiner Diplomarbeit einen Professor, der mich darin unterstützte, aus seinen Ideen marktreife Produkte zu entwickeln und der auch offen war für eine mögliche Firmengründung.

Hat Sie die Teilnahme am Business Plan Wettbewerb zusätzlich motiviert, attocube zu gründen? 

Haft: Der Wettbewerb hat auf jeden Fall zur Fokussierung unserer Geschäftsidee beigetragen. Außerdem haben wir viele Kontakte zu Coaches und Business Angels knüpfen können, die für uns sehr hilfreich waren. Das alles hat uns einen großen Schub gegeben. Gegründet hätten wir jedoch auch ohne den Wettbewerb.

Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gekommen und wodurch wussten Sie, dass dafür ein entsprechendes Marktpotential vorhanden ist?

Haft: Die Produkte, die ich als Student entwickelt habe, stießen bei vielen Gastprofessoren immer wieder auf großes Interesse. Viele fragten, ob man diese bereits kaufen kann, und dadurch wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und der Bedarf im Markt vorhanden ist.

Wie haben Sie Ihre Gründungspartner gefunden? Und was waren die größten Herausforderungen bei der Teambildung?

Haft: Gegründet habe ich gemeinsam mit zwei Kommilitonen, mit denen ich mir eine Zusammenarbeit gut vorstellen konnte. Heute weiß ich, dass es nicht reicht, miteinander befreundet zu sein. Wichtig ist, dass jeder Partner unternehmerisch denkt und bereit ist, auch persönlich mit ins Risiko zu gehen. Das war leider nicht bei jedem der Fall, so dass wir uns inzwischen wieder getrennt haben – zum Glück einvernehmlich. Wie wichtig das unternehmerische Denken im Team ist, haben wir auch von dem Business Angel gelernt, der bei uns als Investor beteiligt ist und langjährige Unternehmererfahrung hat. Auf seinen Rat hin hat deshalb jeder Gründungspartner die gleiche Anzahl an Anteilen bekommen, jedoch mit der Auflage, dass derjenige, der sich nicht hundertprozentig engagiert, wieder einen Teil der Anteile abgeben muss.

Gibt es bei attocube eine spezielle Unternehmenskultur und wie haben Sie diese entwickelt?

Haft: Wir haben von Anfang an Wert auf Top-Qualität gelegt. Nicht nur bei der Produktentwicklung, sondern in jeder Hinsicht. Deshalb war es uns zum Beispiel wichtig, Büroräume in einem schönen Ambiente zu beziehen und nicht in irgendeinem Industriegebiet, so dass wir unseren Mitarbeitern auch räumlich einen attraktiven Arbeitsplatz bieten konnten. Auf gute Bezahlung haben wir ebenfalls von Anfang an Wert gelegt, damit wir hochkarätige Mitarbeiter bekommen. Um höchste Qualität erreichen zu können, sind jedoch auch menschliche Werte wie Vertrauen und Verantwortung wichtig. Ich bin gerne dazu bereit, anderen Menschen zu vertrauen und meinen Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen.

Umgekehrt bemühe ich mich darum, selbst vertrauenswürdig zu sein und verantwortungsvoll zu handeln. Diese Werte sind die Säulen unserer Firmenkultur und haben viel zu unserer Reputation und unserem Erfolg beigetragen. Denn jedes Business ist menschlich, und Kunden kaufen nicht in erster Linie ein Produkt, sondern wollen es auch in geschäftlichen Beziehungen mit Menschen zu tun haben, denen sie vertrauen können.

Wie schaffen Sie es, dieses Vertrauen bei Ihren Kunden aufzubauen? 

Haft: Unsere Maxime ist, »No is no option«. Das bedeutet, dass wir alles daransetzen, dem jeweiligen Kunden die bestmögliche Lösung zu liefern. Deshalb nehmen wir auch Aufträge an, wenn wir das angefragte Produkt noch nicht haben. Das Risiko dabei tragen wir, denn der Kunde bezahlt erst, wenn er das Produkt geliefert bekommt und zufrieden damit ist. Doch Zufriedenheit alleine genügt uns nicht. Erst wenn der Kunde mit dem, was wir ihm anbieten, auch glücklich ist, haben wir unsere Arbeit gut gemacht. Diese Haltung hat uns viel gute Mundpropaganda eingebracht und dadurch neue Kunden.

attocube wird auch von einem Business Angel finanziert. Hat dieser zur Entwicklung der Unternehmenskultur beigetragen?

Haft: Er war der erste Investor, mit denen wir Kontakt aufgenommen hatten, der wirklich zugehört hat. Alle anderen haben uns erzählt, was wir machen sollen. Ohne jedoch zu verstehen, was wir tun und wohin wir wollen. Dass wir uns dann für diesen Business Angel als Investor entschieden haben, hatte mit seinem Verhalten uns gegenüber zu tun. Seine Bereitschaft, zuzuhören, hat unsere Unternehmenskultur auf jeden Fall mitgeprägt. Inzwischen haben wir ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, was sich zusätzlich positiv auf unsere Zusammenarbeit auswirkt. Vor allem jedoch freut es mich, dass ich mit ihm insbesondere über unternehmerische Perspektiven und Visionen reden kann, und er sich aus unserem Tagesgeschäft heraushält.

Sind solche menschlichen Qualifikationen eines Investors der wahre Mehrwert für einen Jungunternehmer?

Haft: Ja, denn ein Investor sollte nicht nur Finanzier sein, sondern das Unternehmen auch menschlich begleiten. Deshalb ist es wichtig, dass er sowohl die betreffenden Gründer als auch die Gründung versteht. Er muss nachvollziehen können, wie die Gründer denken, wohin sie wollen und was sie dafür an Fähigkeiten mitbringen. Wenn er außerdem noch dazu beitragen kann, dass fehlendes Know-how im Team optimal ergänzt wird, ist das ebenfalls sehr hilfreich.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Unternehmer aus?

Haft: Dass er konkrete Ziele hat und diese konsequent verfolgt. Denn diese Konsequenz führt auch dazu, dass man das, was man anfängt, zu Ende bringt. Selbst wenn es viele Jahre dauert und man etliche Hindernisse überwinden und auch Risiken eingehen muss.

Kann man es lernen, ein guter Unternehmer zu sein? 

Haft: Bestimmte unternehmerische Fähigkeiten kann man sich sicher aneignen. Ich habe zum Beispiel durch das Segeln gelernt, wie man Führung übernimmt und klare Anweisungen gibt. Auf dem Segelboot sind diese Eigenschaften genauso wichtig wie in einem Unternehmen. Sonst erleidet man Schiffbruch in jeder Hinsicht.

Was können Jungunternehmer dabei vor allem von älteren Entrepreneuren lernen?

Haft: Vor allem das langfristige Denken und Durchhalten sind Eigenschaften, die erfahrene Unternehmer mitbringen. Davon sollten Jungunternehmer unbedingt etwas lernen, denn wenn jemand dreißig oder vierzig Jahre lang erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut hat, weiß er, wie es geht. Vorbildhaft sind generell solche Unternehmer, die mehr Macher als Plauderer sind, die es jedoch in allen Altersstufen gibt und an denen sich Jungunternehmer orientieren sollten.

Was waren Ihre bisher größten unternehmerischen Erfolge?

Haft: Als wir 2006, fünf Jahre nach der Gründung von attocube, den Bayerischen Innovationspreis gewonnen haben, war dies ein Meilenstein für uns; ebenso 2007 die Nominierung für den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Dass wir außerdem für die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" als ein besonders innovatives und kreatives Unternehmensbeispiel ausgewählt wurden, macht uns auch stolz. Doch der wirkliche unternehmerische Erfolg ist, dass wir unsere Geschäftsidee so verwirklichen konnten, dass sowohl wir als auch unsere Kunden Freude daran haben.

Würden Sie heute etwas anders machen als damals, als Sie attocube gegründet haben?

Haft: Das Einzige, was ich heute anders machen würde, wäre, mehr auf die Zusammensetzung des Gründerteams zu achten. Denn heute weiß ich, dass jeder im Team wie ein Unternehmer denken und handeln muss, damit alle an einem Strang ziehen können. Alles andere würde ich genauso machen wie damals.

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Monika Thiel am 29. April 2008 für die Gesprächsreihe "Entrepreneure im Dialog" des Münchener Business Plan Wettbewerbs und Monika Thiel, PR-Consulting. Eindrücke von der Veranstaltung gibt's auf förderland hier.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer