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28.01.10Kommentieren

Interview mit Eva Missling von 12designer

"Ende 2006 hat Jeff Howes vom Wired Magazine den Begriff Crowdsourcing geprägt"

Crowdsourcing - Diese englische Wortschöpfung, die den Begriff "Outsourcing" mit dem Begriff "Crowd" kombiniert, benennt ein Geschäftskonzept, das in Deutschland noch nicht sehr intensiv besetzt ist. Welche Möglichkeiten diese Herangehensweise Gründern bietet und mit welchen Problemen man konfrontiert ist, erläutert und Eva Missling, Gründerin der Crowdsourcing-Plattform 12 designer, hier im Interview.

Eva Missling von 12designerEva Missling von 12designer

Guten Tag Frau Missling, heute möchten wir einiges von Ihnen über das Thema Crowdsourcing erfahren. Und Sie sind als Gründerin von 12designer sicherlich jemand, der sich mit der Materie auskennt. Was war Ihre Motivation, in diesem Bereich zu gründen?

Eva Missling: In den letzten acht Jahren war ich als Konzepterin und Projektleiterin in großen Internetagenturen tätig und habe in meiner täglichen Projektarbeit sowohl mit Auftraggebern, als auch mit den ausführenden Kreativen zu tun gehabt und zwischen ihnen vermittelt, sowie an vielen Pitches um Agenturetats teilgenommen. Dabei ist die Idee herangewachsen, dass man Angebot und Nachfrage für Design-Projekte direkt über das Internet zusammenführen kann. In einem Brainstorming mit einem Kollegen im Jahr 2007 entstand dann die Idee, Kreativ-Projekte als Wettbewerb anzubieten.

Die Idee hat mich von da an nicht mehr losgelassen und ich habe sie in vielen Gesprächen mit Kollegen, Designern und Auftraggebern weiter ausgestaltet und verfestigt bis mit dem Einstieg des Inkubators Grupo Intercom alles ganz schnell Form und Gestalt angenommen hat. Zur gleichen Zeit sind auch in anderen Bereichen Crowdsourcing-Portale entstanden und haben mich zusätzlich bestätigt, dass die Zeit für diese Idee reif ist.

Crowdsourcing war schon vor circa zwei Jahren ein größeres Thema. Damals war VoDA ein Vorreiter in dem Bereich. Hat sich mittlerweile Ernüchterung eingestellt?

Missling: VoDA hat das Thema in Deutschland sehr früh besetzt und erstmals als Agentur die Kreativarbeit nicht an Angestellte sondern an eine Crowd von Designern vergeben und als Marketing-Event für Firmen inszeniert. Mit unserem Geschäftsmodell verfolgen wir einen anderen Ansatz: Bei 12designer geht es darum den Auftraggeber effizient mit Kreativen in Kontakt zu bringen und anhand konkreter Ergebnisse die Entscheidung für einen Dienstleister zu treffen. Bei 12designer geht es nicht um die Marketingwirkung eines Projekts, sondern um das einzelne Logo, den Flyer oder das Webdesign. Wir machen individuelles Design für Auftraggeber einfach über das Internet verfügbar und bieten Designern die Möglichkeit, sich ohne Akquiseaufwände an spannenden Kreativprojekten zu beteiligen.

Aus meiner Sicht wird Crowdsourcing unsere Dienstleistungslandschaft nachhaltig und langfristig beeinflussen. Hinsichtlich der Umsetzung der richtigen Konzepte und Wege stehen wir dabei noch am Anfang. Erst Ende 2006 hat Jeff Howes vom Wired Magazine den Begriff Crowdsourcing geprägt und dem Phänomen einen Namen gegeben. Das ist noch nicht lange her. Seitdem haben sich schon zahlreiche Anbieter die Crowdsourcing-Modelle nutzen auf dem Markt erfolgreich etabliert. Die Phase einer weiteren Ausdifferenzierung der Crowdsourcing-Ansätze hat noch gar nicht richtig begonnen. Neben dem Creative Crowdsourcing gibt es weitere Dienstleistungsbereiche zu besetzen und die Formen der Online-Zusammenarbeit werden weiter ausgestaltet und differenzierter werden.

Es haben sich in Deutschland bereits einige Unternehmen an dem Thema versucht, oft sogar mit unterschiedlichen Ansätzen. Mal mit mehr Erfolg und mal mit weniger. Mit 12designer gingen Sie in eine Richtung, die bereits von einigen Konkurrenten wie criggle oder designenlassen besetzt war. Was wollten Sie besser machen?

Missling: Als wir 2007 die ersten Ideen für unser Portal entwickelt haben, gab es diese Anbieter noch nicht. Als wir dann Anfang 2009 an den Start gingen, habe ich das eher als Bestätigung für meine Geschäftsidee gesehen und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Entsprechend haben wir von Anfang an großen Wert auf intensive Betreuung und Beratung der Auftraggeber und der Designer gelegt. Eine Design-Jury bestehend aus erfahrenen Community-Mitgliedern hilft die Qualität zu sichern. Das hat sich ausgezahlt. Kunden die bei uns Projekte gemacht haben kommen gerne wieder. Und von den Designern, die meist auch die Konkurrenz-Plattformen kennen, bekommen wir oft das Feedback, dass wir ihr Lieblingsportal sind.

Das Thema Design ist natürlich ein sehr dankbares, wenn man von Crowdsourcing spricht. Doch auch Namensfindung, das Texten von Slogans oder Konzeptideen werden mehr und mehr über Crowdsourcing abgewickelt. Wird es in Zukunft noch weitere Themen geben?

Missling: Mit der Namensfindung, die wir bereits sehr früh als Service angeboten haben, haben wir ein neues Tor in die Kreativwelt aufgestoßen und die große Nachfrage vor allem von Startups hat uns darin bestärkt noch weitere Textservices anzubieten. Auch andere Themen haben wir bereits in Planung, aber da die Konkurrenz sicher mitliest, bitte ich noch um etwas Geduld.

Am kreativen Crowdsourcing gibt es immer allerlei Kritik. Von mangelnder Qualität, fehlender Beratung ist da einerseits die Rede. Auf der anderen Seite steht das mangelhafte Vergüten, die Nichtvergütung von Nutzungsrechten oder das gegenseitige Unterbieten der Designer. Wie sollten diese, ja oft auch berechtigten Kritikpunkte in Zukunft angegangen werden?

Missling: Wir haben es hier mit einem vollkommen neuem Geschäftsmodell zu tun, welches neue Vorteile aber auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Ich sehe in dem Bereich ein großes Potential für alle, sowohl Auftraggeber als auch Designer. Ich bin sicher dass alle Portale versuchen werden attraktive und faire Bedingungen sowohl für Designer als auch Auftraggeber zu schaffen, ansonsten werden die Portale nicht bestehen können.

Die Entwicklung bei den Bilddatenbanken zeigt, dass Crowdsourcing eher Chance denn Bedrohung ist. Als Anbieter wie istockphoto oder fotolia mit günstigen Fotos auch von Amateur-Fotografen den Markt für Stock-Fotografie aufmischten, war das Wehklagen in der Branche groß. Heute hat sich ein völlig neuer Markt für Stockmaterial entwickelt und aus den Amateuren von einst, sind längst Profis geworden, die mit ihrer Arbeit Geld verdienen.

Nichts desto trotz nehmen wir alle Kritik sehr ernst und auf unserer Plattform wird über diese Themen intensiv diskutiert, denn natürlich kann das Modell nur funktionieren, wenn die Qualität gut ist, die Designer gerne die Plattform nutzen und auch entsprechend für ihre Arbeit vergütet werden. Für uns ist Transparenz und Offenheit auf der Plattform daher ganz besonders wichtig: Jeder Beteiligte soll genau wissen, worauf er sich einlässt, ehe er an einem Design-Wettbewerb teilnimmt. Dementsprechend ist ein Unterbieten der Designer untereinander bei uns auch nicht zugelassen.

Das Berliner Projekt jovoto verfolgt ja einen anderen Ansatz. Dort werden meist größere, imageträchtige Projekte angegangen und durch die Art der Vergütung das Einhalten von Berufsstandards zumindest anvisiert. Hat das Zukunft?

Missling: Jovoto ist ein tolles Portal, wir tauschen uns als Berliner Startups über Creative Crowdsourcing aus und sehen, dass wir unterschiedliche Wege beschreiten. Jovoto hat aus meiner Sicht eher den Fokus auf kreative Ideenfindung, was als Ansatz sicherlich für große Unternehmen spannend ist – auch um mal eine Alternative zur Agentur auszuprobieren. Wir wollen dagegen Designer und Auftraggeber in kurzer Zeit zusammenbringen und der Auftraggeber soll konkret einsetzbare Designs erhalten. Wir sehen uns als Marktplatz für Kreativleistung.

Welche Ansätze finden Sie noch interessant im Bereich Crowdsourcing, auch international?

Missling: Nach einer kurzen Pause ist namethis.com wieder online und die sind sicher ein spannendes Vorbild, weil sie nicht nur bei der Erstellung von Namensvorschlägen die "Crowd" nutzen, sondern auch bei der Bewertung der Vorschläge, um dem Auftraggeber zusätzlich eine Indikation zu geben, welche Namen von den Nutzern präferiert werden. Im Mobile-Bereich geht mob4hire.com einen spannenden Weg. Sie testen mit ihrer Crowd mobile Applikationen und helfen damit der unüberschaubaren Vielfalt von Endgeräten Herr zu werden.

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um 12designer zu monetarisieren? Gehen Sie auch ganz eigene Wege?

Missling: 12designer steht kurz vor der Einführung von Gebühren, die vom Auftraggeber für die Nutzung der Plattform erhoben werden. Dabei wollen wir aber andere Wege als die Konkurrenz beschreiten und werden auch weiterhin eine kostenlose Projektvariante anbieten.

Verraten Sie uns doch zum Abschluss, was für Ideen Sie noch in der Schublade haben! Wo geht es persönlich hin? Gibt es neue Ideen für 12designer? Könnten Sie sich vorstellen, erneut zu gründen?

Missling: Einige dieser Ideen haben wir gerade umgesetzt: Heute gehen wir mit zwei weiteren Sprachfassungen (italienisch und französisch) online und werden damit zu echten Europäern. Auch planen wir mit unserem Partner codingpeople, der Webdesigns in kurzer Zeit in valides XHTML/CSS konvertiert, einen Ausbau der Partnerschaft für alle unsere europäischen Sprachen.

Natürlich würde ich nochmal gründen. Es gibt derzeit viele spannende Dynamiken im Internet die neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Auch habe ich mit 12designer Erfahrungen gesammelt, gerade was den Eintritt in neue Märkte betrifft, da reizt es einen schon diese in ein neues Portal einfließen zu lassen. Da 12designer eine spannende Zeit vor sich hat, stellt sich die Frage kurzfristig aber nicht.

Vielen Dank für das Interview!

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