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13.11.12Kommentieren

Interview mit Sandro Günther, Werbeboten Media

"Eine Marke, die nicht authentisch kommuniziert, wird über kurz oder lang verlieren"

Die Werbeboten entwickeln ihre Produktpalette fleißig weiter. Passend zur Jahreszeit gibt es den Adventskalender als Facebook App. Ebenso neu im Programm: ein Tool, das den Social Rank eines Unternehmes bestimmt. Gründer und CEO Sandro Günther erklärt im Interview mit förderland, wie erfolgreiches Marketing auf Facebook aussieht und wie es mit den Werbeboten auch außerhalb von Facebook weitergeht.

Sandro Günther, Geschäftsführer von Werbeboten MediaSandro Günther, Geschäftsführer von Werbeboten Media

förderland: Hallo Sandro, bitte stell dich doch unseren Lesern kurz vor ...

Sandro Günther: Hallo, ich bin Sandro Günther, Geschäftsführer von Werbeboten Media. Wir sind eine Social Media Agentur mit Fokus auf Facebook Marketing. Wir entwickeln Konzepte und Technologien, mit denen Unternehmen Facebook als Marketingkanal für sich gewinnen können. Dazu zählen einfache saisonale Aktionen wie an Weihnachten bis hin zu komplexeren Produktlaunchstrategien.

Mit Werbeboten wurdet ihr – gerade frisch gegründet –  im Juni 2010 von der Financial Times Deutschland als Gründer des Monats ausgezeichnet. Wie haben sich die Werbeboten seit dem weiter entwickelt?

Günther: Wir haben uns stark weiterentwickelt, sowohl inhaltlich als auch in der Außendarstellung. Insgesamt sind wir viel digitaler und auch technologischer geworden. Das Thema Botschafterkampagnen verfolgen wir somit fast nur noch online über die einzelnen Communities und nur partiell auch in offline Kanälen. Im letzten Jahr haben wir ein CMS zur Erstellung eigener Facebook Apps entwickelt, welches bereits fünfstellige Nutzerzahlen hat. In dieser Richtung werden wir auch stark weiter arbeiten. Aktuell haben wir ein eigenes Analyse- und Benchmarktool für die sozialen Kanäle in der Entwicklung.

Im letzten Jahr habt Ihr eure Kunden neben Facebook-Apps mit einem CMS für Facebook begeistert. Jetzt habt Ihr gerade einige schöne Apps zu Weihnachtszeit entwickelt ...

Günther: Produktneuheiten sind natürlich sehr wichtig für uns. Weihnachten ist für jedes Unternehmen Hochsaison, somit müssen auch wir entsprechende Produkte liefern, die den Unternehmen entsprechenden Mehrwert liefern. Dieses Jahr haben wir, mit Verlaub einen sehr schönen, Adventskalender für Facebook entwickelt.

Es ist eine Facebook App, die Unternehmen in ihre Fanpage einbinden können und ihre Fans jeden Tag mit einem neuen Geschenk überraschen können. Für preissensible Kunden haben wir auf unserer Fanpage eine kostenfreie Version zur Verfügung gestellt. Sinnvoll ist eine solche Aktion, da mit Hilfe eines Adventskalenders echtes Storytelling über die gesamte Vorweihnachtszeit betrieben werden kann. Unternehmen können die App nutzen, um die eigene Reichweite auf Facebook zu steigern, aber auch saisonale Produkte zu promoten und über Gutscheineinbindungen die Abverkaufszahlen zu steigern.

Wichtig ist bei dem Einsatz, wie bei jeder anderen App auch, dass ein Konzept dahinter stehen sollte, welches die Marke glaubwürdig repräsentiert.

Kannst du unseren Lesern einige Tipps für erfolgreiches Marketing auf Facebook mit auf den Weg geben?

Günther:
 Ich denke der wichtigste Tipp ist Authentizität. Eine Marke, die nicht authentisch kommuniziert, wird über kurz oder lang verlieren. Des Weiteren ist ein durchdachtes Konzept erfolgsentscheidend. Oft erhalten wir Anfragen von Kunden zur Durchführung von einzelnen Aktionen ohne konkrete Strategie und Ziele dahinter.

Die einzige "Währung", die sie kennen, sind die Likes. Dabei sind diese nicht die wichtigste Kennzahl auf Facebook. Wie die gewonnenen Fans langfristig genutzt werden können, ist den meisten nicht klar. An dieser Stelle leisten wir noch viel Aufklärungsarbeit. Es gibt viele gute und schlechte Beispiele für Facebook Marketing, an denen sich Unternehmen orientieren können. Ein Start im Social Web sollte mit einer Analyse beginnen, um herauszufinden, ob und welches Image bereits im Social Web besteht. Darauf aufbauen kann eine Strategie und einzelne Maßnahmen zur Umsetzung entwickelt werden. Wichtig ist die klare Definition von Zielen qualitativ und quantitativ, denn nur so kann auch eine Erfolgskontrolle durchgeführt werden.

Facebook hat nach seinem verpatzten Börsengang einige neue Werbeformate eingeführt, wie z. B. eine erhöhte Sichtbarkeit von Statusmeldungen gegen Gebühr oder Werbebeiträge in den Neuigkeiten der Nutzer. Was hältst du von den Neuerungen?

Günther: Ehrlich gesagt, bin ich nicht allzu erfreut darüber. Das Geschäftsmodell des Unternehmens basiert auf Werbeeinnahmen, aber der radikale Ausbau einzelner Werbeformate geht meines Erachtens nach über kurz oder lang gegen die Usability und die Kundenzufriedenheit. Bereits jetzt werden Stimmen gegen die übermäßige Schaltung von Anzeigen laut. Hier sollte Facebook sehr sensibel vorgehen.

Die Klickraten der neuen Formate sind deutlich besser als die bisherigen, wodurch ein Shift v.a. auch auf die mobilen Geräte stattfindet. Mit Einführung der eigenen "Facebook Angebote" hat das Unternehmen einen guten Schritt gemacht, kann doch so die Frage des ROI von Facebook teilweise beantwortet werden. Facebook stellt die Schaltung solcher Angebote zwar in Abhängigkeit zur Schaltung von Werbeanzeigen dafür, jedoch refinanzieren sich diese, durch den Abverkauf der promoteten Produkte.

Unsere Kunden sind größtenteils zufrieden mit diesem Produkt. Zur Erfolgskontrolle haben wir selbst ein Tool zur Ermittlung des ROI entwickelt, welches unsere Kunden sehr dankbar einsetzen.

Wie wird sich Facebook Deiner Meinung nach in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Günther: Die Erfolgsstory Facebook bleibt weiterhin spannend, vor allem unter dem Druck des Shareholder Value. Facebook muss einerseits seine hohe Unternehmensbewertung durch echte Werte wie Umsatz, Gewinn oder KGV rechtfertigen. Andererseits hat es sich als Marketingkanal in Unternehmen erst teilweise etabliert. Hier muss es durch deutlich greifbare und vor allem messbare Argumente punkten, da es sich im Wettbewerb zu anderen digitalen Werbekanälen wiederfindet, die alle einen ganz deutlich performanceorientierten Ansatz fahren.

Für Unternehmen ist das Netzwerk insofern interessant, als dass sich nicht nur Kunden sondern auch Wettbewerber dort aufhalten. Die Transparenz des Netzwerkes lässt eine übersichtliche Analyse des Marktes zu, so dass Unternehmen mit Einsatz entsprechender Tools viel von ihren Kunden aber auch Wettbewerbern lernen können.

Ich persönlich bin nach wie vor von dem Thema Social bzw. Facebook Commerce überzeugt, nur fehlt es bisher an innovativen Ansätzen, die über eine reine Shopeinbindung hinaus gehen. Mit Einführung der Facebook Angebote oder des eigenen Geschenkestores (bisher nur in den USA) geht das Unternehmen bereits deutliche Schritte in diese Richtung. Die Entwicklung bleibt also spannend.

Und wie wird’s mit den Werbeboten weitergehen?

Günther: Wir stellen uns natürlich auch breiter auf, um nicht zu stark am Nabel von Facebook zu hängen. So sind wir für unsere bisherigen Kunden im gesamten digitalen und immer mehr auch mobilen Bereich aktiv. Ein neues Geschäftsfeld, welches wir aufbauen, ist das Thema Social Analytics. Dazu haben wir ein eigenes Tool entwickelt, welches den Social Rank eines Unternehmen bestimmt und die eigenen Social Media Aktivitäten analysiert, monetär quantifiziert und mit dem Wettbewerb in Vergleich stellt.

Dienlich ist das für Unternehmen, die sich stark am Wettbewerb orientieren oder deutlich abgrenzen wollen. Zusätzlich können wir dank dieser Analyse Heavy User von Marken identifizieren. Diese Influencer beeinflussen die Kommunikation einer Marke beträchtlich und können dann in entsprechende Botschafterprogramme aufgenommen werden. Sie werden also zu Werbeboten und somit schließt sich der Kreis für uns.

Vielen Dank für das Interview!

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