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25.05.10Kommentieren

Interview mit Malte Metzing, myBuslive.com

"Ein modernes Fahrgastinformationssystem führt immer zu mehr Fahrgästen"

Ein Start-up gegen lange Wartezeiten an Bushaltestellen, für vereinfachte Fahrpläne und Displays in allen Fahrzeugen. myBus will den öffentlichen Personennah- und Regionalverkehr verbessern und so die Fahrgastzahlen erhöhen. Wie das funktioniert, berichtet Geschäftsführer Malte Metzing im Gespräch mit förderland.

Malte Metzing, einer der Geschäftsleiter der myBus GmbHMalte Metzing, einer der Geschäftsleiter der myBus GmbH

förderland: Guten Tag Herr Metzing! Stellen Sie sich unseren Lesern bitte kurz vor. Wer sind Sie und was machen Sie?

Malte Metzing: Mein Name ist Malte Metzing. Ich habe 2006 meinen Abschluss als Diplom-Ingenieur im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin gemacht, habe aber Teile meines Studiums auch in Barcelona absolviert. Nach dreijähriger Tätigkeit in der freien Wirtschaft (Accenture und Seat) habe ich 2009 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und das seitdem nicht einen Tag bereut.

Ihr aktuelles Projekt ist die "myBus GmbH" in Gründung. Was bieten Sie genau an?

Metzing: Bevor ich auf unser Produkt eingehe, möchte ich zunächst gern unser Team vorstellen: myBus wurde 2009 vom Wirtschaftsingenieur Bastian Albers, dem Betriebswirt Luis Höfer und mir ins Leben gerufen. Seit April dieses Jahres verstärkt der Programmierer David Salinas Vila unser Team.

Nun zu unserem Projekt: Wir bieten schlüsselfertige Telematiklösungen für Verkehrsunternehmen jeder Art und Größe. Unsere Philosophie basiert auf Kosteneffizienz, Benutzerfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Dabei setzen wir auf modularisierte Hard- und Software und agieren so in einem sehr wettbewerbsfähigen Preissegment. Das kommt in erster Linie mittleren und kleinen Verkehrsbetrieben entgegen. Besonders wichtig ist uns außerdem, dass der Endkunde unsere Produkte sofort versteht und problemlos handhaben kann – immer nach der Devise: der Mensch im Mittelpunkt.

Vielleicht noch ein paar Stichwörter zu unseren verschiedenen Produkten: Unser Angebot umfasst u. a. Ist-Ankunftszeiten, Routenplanung, Flottenmanagement und Full-HD-Informationsanzeigen in den Fahrzeugen. Darüber hinaus strebt myBus die Einführung des Klimazertifikatehandels in den öffentlichen Verkehr an. In diesem Segment existiert dieses Konzept nämlich so noch gar nicht. Auf diese Weise tragen wir dann auch zur klimaneutralen Gestaltung des ÖPNV bei.

Sie testen gerade Ihren Prototypen in Vic (Spanien) ...

Metzing: Zunächst einmal muss man wissen, dass die Linienbusse in Vic über keinerlei Fahrgastinformationssysteme verfügen. Deshalb installieren wir Computer und Bildschirme in diesen Bussen. Die Entwicklung unseres Systems fand natürlich in unseren Arbeitsräumen an der TU Berlin statt. Allerdings ist die Umgebung in einem Linienbus gänzlich verschieden: Der Dieselmotor führt zu einer konstanten Vibration des Fahrzeugs. Außerdem erschüttern Bodenwellen den Bus immer wieder. Darüber hinaus sind die Temperatur- und Klimabedingungen in Vic recht extrem: Im Sommer herrschen dort schon mal 40 Grad und letzten Winter hatten wir mit viel Schnee und bis zu minus 10 Grad zu kämpfen. Alles in allem eine sehr feindliche Umgebung für unsere elektronischen Geräte. Es war also unabdingbar, sie unter realen Bedingungen zu testen. Die Stadt Vic und der dortige Verkehrsbetreiber haben uns das ermöglicht und sind gleichzeitig unser erster Kunde.

Und wie sind die bisherigen Reaktionen?

Metzing: Ja, auf jeden Fall. Die Reaktionen sind durchweg positiv, und das, obwohl – wie Sie sich sicher denken können – jeder an der Gestaltung des öffentlichen Verkehrs einer Stadt teilhaben möchte. Und da gibt es die unterschiedlichsten Interessengruppen: die Stadtverwaltung, die Busgesellschaft, die Busfahrer und nicht zuletzt die Fahrgäste. Bis jetzt ist es uns sehr gut gelungen, diese verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen – eine unbezahlbare Erfahrung!

Auch mit den Ergebnissen unserer Tests am Prototyp sind wir bisher sehr zufrieden: Der erste Bus funktioniert schon seit einem halben Jahr ohne Schäden an unseren Geräten und die Zuverlässigkeit steigt ständig.

Werden Sie Ihre Anwendung auch in einer deutschen Stadt testen?

Metzing: Testen sicher nicht, dafür reicht uns der Prototyp in Vic, aber natürlich zielen wir auch auf den deutschen und gesamteuropäischen Markt ab und werden auch hier unsere Produktpalette anbieten. Es ist ja überall auf der Welt wünschenswert, wenn der öffentliche Verkehr gut funktioniert und Fahrgastinformationssysteme gehören heutzutage einfach dazu.

Was war für Sie der Anlass, sich dem ÖPNV zu widmen?

Metzing: Ich habe in den letzten Jahren viele Reisen nach Osteuropa unternommen und bin immer wieder auf hervorragend ausgebaute ÖPNV-Netze gestoßen – die allerdings auch immer wieder ihre Tücken hatten: Selbst für einen erfahrenen Verkehrsmittelnutzer erschließt sich nämlich häufig nicht, wie er von A nach B kommen kann. Fahrgastinformationssysteme fehlen meist gänzlich. Als Berliner kenne ich die Vorzüge eines gut funktionierenden Systems, also habe ich mich gefragt, warum dieser Service nicht überall angeboten wird. Die Antwort auf diese Frage spiegeln die Produkte von myBus wider. Ganz bewusst bieten wir ja unsere Dienste auch – aber nicht ausschließlich – kleinen und mittleren Verkehrsbetrieben an.

Wie finanzieren Sie das Projekt? Kommen Kosten auf den Endnutzer zu?

Metzing: Nein, es gibt keine zusätzlichen Kosten für die Fahrgäste! Aber lassen Sie mich zunächst auf den ersten Teil Ihrer Frage eingehen: Wie in jeder ordentlichen Existenzgründergarage haben wir das Projekt im ersten Jahr aus der eigenen Tasche finanziert. Natürlich haben wir uns von Anfang an auch nach Finanzierungsmöglichkeiten umgesehen und uns bei verschiedenen Förderprogrammen beworben. Schließlich konnten wir die Jury des EXIST-Gründerstipendiums des BMWi und der Europäischen Union für unser Vorhaben begeistern.

Nun zu den Kosten für den Endnutzer: Unser System kostet den Endnutzer zunächst einmal gar nichts. Auf den Busbetreiber kommen trotz unserer günstigen Kostenstruktur selbstverständlich gewisse Investitionen zu. Ein modernes Fahrgastinformationssystem führt aber immer auch zu mehr Fahrgästen, was die Investitionskosten mittelfristig überkompensiert. Zudem bieten wir den Verkehrsunternehmen das innovative Werkzeug standortbezogener Werbeeinblendungen an. So amortisieren sich die Kosten schnell.

Eine Ausnahme bei den Kosten für die Endnutzer bildet das – optional angebotene – Öko-Ticket: Es ist angedacht, dass sich auch die Fahrgäste durch einen geringen Obolus (unter 5 Cent pro Fahrt) an den Kosten für den Klimazertifikatehandel beteiligen und somit entscheidend zu einem klimaneutralen öffentlichen Verkehr beitragen können.

Sie sind Anfang März auf der CeBit zu einem der Hauptpreisträger des "Gründerwettbewerbs – Mit Multimedia erfolgreich starten" gekürt worden. Mit welchen Erwartungen sind Sie in den Wettbewerb gegangen?

Metzing: Der "Gründerwettbewerb – Mit Multimedia erfolgreich starten" ist ein Wettbewerb, wie der Name schon sagt. Nun tritt man sicherlich bei keinem Wettbewerb mit der festen Überzeugung an zu gewinnen. Natürlich haben wir uns mächtig ins Zeug gelegt und uns umso mehr über diese Anerkennung unserer Arbeit gefreut. Gerade zu Beginn einer Existenzgründung kann man diesen Zuspruch sehr gut gebrauchen. Neben dem Preisgeld öffnen das im Preis enthaltene Coaching und die exzellente Öffentlichkeitsarbeit des VDI viele Türen und Perspektiven.

Zum Abschluss: Was sollte bei einer Gründung unbedingt beachtet werden?

Metzing: Man sollte unbedingt am Ball bleiben und sich bei Misserfolgen nicht gleich entmutigen lassen. Das ist ganz wichtig. Ich weiß, das sagt einem jeder, aber das ist wirklich das A und O. Wenn man konsequent an seine Idee glaubt und mit Enthusiasmus daran arbeitet, wird sich der Erfolg auch irgendwann einstellen. Und noch etwas: Die Meinung anderer ist zwar wichtig, ich denke allerdings, man sollte sich pro Themenfeld auf einen kompetenten Berater beschränken. Das kann der Partner sein oder auch ein Freund, ein Coach oder sogar ein Wettbewerber. Wenn man seine Gesprächspartner hier nicht filtert, ist das wie beim Fußball: Alle meinen, die beste Aufstellung zu kennen…

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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