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12.04.12Kommentieren

E-Commerce

E-Commerce mit CIVETS im Blick – Chancen und Risiken!

Nicht nur die BRIC Staaten Brasilien, Russland, Indien und China bieten Chancen für deutsche Unternehmen, die für E-Commerce Zielgruppen auf neuen Märkten suchen. Es kann durchaus auch interessant sein, sich einmal die so genannten CIVETS Länder anzusehen. CIVETS steht als englisches Akronym für die wirtschaftlich aufstrebenden Länder Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten, Türkei und Südafrika. 

Ein Beitrag von Christian Arno

Der Begriff wurde Ende 2009 erstmals von Robert Ward von der "Economist Intelligence Unit" verwendet und steht für diejenigen Staaten, die hinter den BRIC Staaten als kommende Märkte gelten. Sie bieten möglicherweise auch Chancen für E-Commerce in Bereichen, in denen es in BRIC Staaten vielleicht bereits schwieriger geworden ist. Es könnte sich also lohnen, sich im Bereich E-Commerce einmal etwas intensiver mit den CIVETS Staaten zu beschäftigen.

Was zeichnet CIVETS Staaten aus?

Generell zeichnen sich CIVETS Staaten durch eine im Vergleich mit vielen anderen Staaten relativ (!) hohe politische Stabilität aus, wobei etwa das Beispiel "Ägypten" zeigt, dass sich die Situation möglicherweise auch verändert. Die Ägyptische Revolution war wohl gut für die Ägypter, aber die politische Stabilität ist seither nicht unbedingt größer geworden. Weitere Eigenschaften der CIVETS Staaten: Die Bevölkerung ist im Ländervergleich eher jung und die allgemeinen wirtschaftlichen Tendenzen sind positiv.

Ein paar Informationen in Kürze

Die folgenden Kurzportraits mit wirtschaftlichen und Internetdaten zu den CIVETS Staaten helfen bei den ersten Schritten zur Entscheidung, ob sich ein wirtschaftliches Engagement über das Internet in einem der CIVETS Länder wirklich lohnt.

Kolumbien
Kolumbien verzeichnete zwischen 2004 und 2007 ein Wirtschaftswachstum, dass pro Jahr bei über sechs und 2007 sogar bei 7,5 Prozent lag. Die weltweite Wirtschaftskrise brachte jedoch auch für Kolumbien deutliche Einschnitte. Seit 2010 geht es wieder aufwärts und das Land hat ein Wachstum von über vier Prozent. Laut Daten von MVF Global sind etwa 21,5 Millionen und damit 47 Prozent der Bevölkerung Kolumbiens Internetnutzer. Facebook ist das bedeutendste soziale Netzwerk im Land, gefolgt von Twitter und YouTube. Der Internet-Markt hat ein Volumen von 43 Million US-Dollar.

Indonesien
Das Wirtschaftswachstum Indonesien lag 2010 und 2011 (bisher geschätzt) jeweils über sechs Prozent. Die Verflechtung mit dem Ausland gilt im Vergleich als eher gering. Trotz der guten Wirtschafts-Wachstumszahlen lebt noch immer etwa ein Viertel der Indonesier in Armut. Prozentual betrachtet, ist die Zahl der Internetnutzer Indonesiens laut MVF Global mit 14,2 Prozent eher gering. Aufgrund der hohen Bevölkerungszahl liegt die absolute Zahl der Internetnutzer jedoch etwa bei 34,8 Millionen und damit durchaus in einem für E-Commerce attraktiven Bereich. Google ist auch in Indonesien Marktführer der Suchmaschinen mit über neunzig Prozent Marktanteil. Facebook ist wichtigstes soziales Netzwerk.

Vietnam
Vietnam gehört ebenso wie Indonesien zu den hoffnungsvollsten aufstrebenden Wirtschaftsnationen Asiens hinter China und Indien. Seit 2009 ist Vietnam ein "Middle Income Country", wobei vor allem die Minderheit der Stadtbewohner dazu beigetragen hat. Laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds lag das reale Wirtschaftswachstum 2011 bei 5,8 und wird 2012 bei 6,3 Prozent liegen. Laut MVF Global gibt es in Vietnam knapp 24,27 Millionen Internetnutzer. Google führt mit über neunzig Prozent Marktanteil den Markt der Suchmaschinen an.

Ägypten
Ägypten gilt laut Länderinformationen des Auswärtigen Amtes als die Nummer 2 der industrialisierten Länder Afrikas hinter Südafrika. Wichtiges und bisher noch nicht gelöstes Problem ist ein großer Abstand von Arm und Reich im Land. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs laut Internationalem Währungsfond 2011 um 1,2 Prozent und für 2012 werden 1,8 Prozent prognostiziert. Etwas unklar bleibt die weitere Entwicklung nach der Ägyptischen Revolution. Nach Angaben von MVF Global liegt die Internet-Population Ägyptens bei etwa siebzehn Millionen. Google hat bei den Suchmaschinen einen Anteil von knapp 96 Prozent. Facebook und YouTube gehören neben Google zu den Top 3 der am häufigsten besuchten Websites.

Türkei
2009 war kein gutes Jahr für die türkische Wirtschaft. Damals sank die Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent. Seither geht es aber wieder aufwärts. 2010 wuchs die Wirtschaft um 8,9 Prozent. Die Schätzwerte des Internationalen Währungsfonds für 2011 und 2012 liegen bei  6,6 beziehungsweise 2,2 Prozent. Auch das türkische Wachstum verlangsamt sich also. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Laut comScore – Analyse zur Internetnutzung in Europa vom Sommer 2011 gab es zu jenem Zeitpunkt 22,9 Millionen türkische Nutzer. Mit durchschnittlich 32,7 Stunden online im Monat lagen die Türken hier im europäischen Ranking auf Rang 3. Google ist auch in der Türkei die deutlich führende Suchmaschine.

Südafrika
Wie die Türkei hatte Südafrika 2009 mit den Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise zu kämpfen und verzeichnete ein wirtschaftliches Minus-Wachstum (minus 1,8 Prozent). Aktuelle Schätzwerte fürs Wirtschaftswachstum liefert der Internationale Währungsfonds: 3,1 Prozent für 2011 und 2,5 Prozent für 2012. Das Auswärtige Amt veröffentlicht höhere Zahlen, spricht aber nur von einer moderaten Erholung des Konsumsektors. Laut der Seite „Internet World Stats“ gab es Ende 2011 insgesamt 6,8 Millionen südafrikanische Internetnutzer, sodass 13,9 Prozent der Bevölkerung erreicht werden könnten.

Zum Vergleich Daten aus Deutschland

Laut "Internet World Stats" sind etwa 67 Millionen und damit 82,7 Prozent der Deutschen Internetnutzer (Stand 31. Dezember 2011). Das vom Internationalen Währungsfonds geschätzte Wirtschaftswachstum liegt 2011 bei drei und 2012 bei nur noch 0,3 Prozent.

Regeln für den E-Commerce

Angesichts der teils großen Unterschiede zwischen den einzelnen CIVETS Staaten ist es schwierig, allgemeine Regeln für den E-Commerce zu definieren. Allgemein gilt: Bevor man ein Engagement startet, sollte man möglichst viele Informationen einholen, um Chancen und Risiken einzuschätzen. Möglich ist das etwa bei den deutschen Auslands-Handelskammern. Besonders wichtig sind Informationen:

  • zum Markt der Produkte, die man im jeweiligen Land verkaufen möchte,
  • zu den allgemeinen Bedingungen für E-Commerce,
  • zur logistischen Infrastruktur, damit Ware den Kunden möglichst schnell erreicht,
  • zu Zahlungssystemen, Zahlungsmoral etc. 

Basis der E-Commerce Aktivitäten in den CIVETS Ländern ist der lokalisierte Onlineshop in der Landessprache, der auch die fremde Kultur berücksichtigt. Sich intensiver mit der jeweiligen Kultur zu beschäftigen, ist immens wichtig: Tabus werden in jedem Land unterschiedlich definiert. Was die einen mehrheitlich lustig finden, ist für andere bereits geschmacklos oder einfach nicht komisch. Die Grenze zwischen erlaubter Erotik und verbotener in der Werbung unterscheidet sich ebenfalls von Land zu Land. Religion kann bei alledem ebenso Regeln definieren, die man beachten sollte, wie Kultur im Allgemeinen oder die Politik. Auch die Türkei wird etwa noch immer zu den Ländern gezählt, in denen der Staat relativ stark zensierend ins Internet eingreift.

Onlinemarketing

Ebenso eintauchen wie in die Kultur allgemein muss man in die Internetkultur des jeweiligen Landes. Wo erreicht man die Zielgruppe im Internet? Wie viel Erfolg versprechen SEO, Bannerwerbung, Werbevideos und wie sehr muss das mobile Internet berücksichtigt werden? Solche Fragen sollte man beantworten und die Antworten in eine kluge Strategie einfließen lassen.

Fazit

Die CIVETS Staaten als Zielland des E-Commerce für sich zu entdecken, kann eine Chance bedeuten. Aber es bedarf intensiver Vorbereitung, zu der als erste Schritte Recherchen und Analysen gehören, ob das Land überhaupt für einen selbst Potenzial bietet. Deutsche Standards bei Werbung und Kundenansprache auf die Zielgruppe im fremden Land anzuwenden, ist kein Erfolgsrezept. Einmal eben so gute Geschäfte mit einem der CIVETS Länder zu machen, funktioniert eher nicht.

Autor: Christian Arno

Christian Arno

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