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09.12.10Kommentieren

Interview mit Lukas Weber von investiere.ch

"Die Projekte müssen innovativ und sexy sein"

Mit investiere.ch ist in unserem Nachbarland der Schweiz ein interessantes Investitionsmodell gewachsen, dessen erklärtes Ziel es ist, Start-ups die Kapitalfindung zu erleichtern. Der Managing Partner des Projekts, Lukas Weber, verrät uns heute einige interessante Details und vielleicht kann auch der ein oder andere deutsche Gründer oder Investor hier noch etwas dazu lernen. Viel Vergnügen!

Lukas Weber, investiere.chLukas Weber, investiere.ch

Guten Tag Herr Weber! Sie sind Partner eines ziemlich interessanten Investment-Projekts in der Schweiz. Worum geht es genau bei investiere.ch?

Lukas Weber: investiere.ch eröffnet Startup-Investitionen einer breiteren Anlegerschaft. Dies sind insbesondere Leute, die zwar nicht dem klassischen Business Angel entsprechen, aber beruflich erfolgreich sind und in einem spezifischen Gebiet Expertise und Netzwerk vorweisen können.

Die zweite Aspiration von investiere.ch besteht darin, die Zeit welche Unternehmer in Frühphasen benötigen um Kapital zu finden von aktuell zwischen 6 und 12 Monaten signifikant zu reduzieren. Das sind wertvolle Monate, die das Unternehmen später am Markt ist.

Wie wird man als Gründer in Ihr Portfolio aufgenommen? Und was kostet es, das Start-up?

Weber: Sie brauchen ein vielversprechendes Projekt! Wir erhalten mittlerweile täglich spannende Businesspläne, von Unternehmern zugeschickt, wobei die spannendsten oft über andere Unternehmer aus unserem Netzwerk zu uns gelangen. In der Auswahl arbeiten wir in drei Stufen.

Im Screening geht's primär darum, das Projekt auf wenige, grundlegende Kriterien zu überprüfen. Wenn das Projekt diesen entspricht, unterziehen wir es in einem Pre-Assessment und danach in einer Business Due Diligence einer zunehmend detaillierten Prüfung. Dabei treffen wir den Unternehmer mehrmals und holen uns zusätzlich externe Meinungen ein. Dann entscheiden wir als Team, ob wir das Projekt aufnehmen wollen.

Es gibt keine Kosten für die Bewerbung und wir arbeiten primär erfolgsbasiert – unser Honorar hängt also davon ab, welchen Investitionsbetrag wir für ein Projekt zur Verfügung stellen können. Die Hälfte des Honorars erhalten wir dabei in Firmenanteilen. Wir glauben also an die Projekte, die es auf die Plattform schaffen.

Und wie gelangen Investoren in Ihr Anleger-Netzwerk? Was sind die Hürden?

Weber: Im Vergleich zu Angel Clubs ist der Zugang zu investiere.ch offen. Wir glauben an offene Netzwerke und an Konkurrenz – sowohl zwischen den Unternehmern, wie auch zwischen den Investoren. Investoren finden uns meist über persönliche Empfehlungen bestehender Investoren oder einfach über das Internet. Der Zugang zu bzw. die Abwicklung von Investitionen über investiere.ch ist für Investoren aktuell kostenlos.

Die Ansprüche, welche wir an die Investoren stellen, stehen weniger im direkten Zusammenhang mit dem Vermögen der Investoren oder mit einer persönlichen Einladung in den Kreis, als mit einem gewissen Mindset.

Die Investoren auf investiere.ch haben gemeinsam, dass sie selbständig und speditiv Entscheidungen treffen und diese auch vertreten und dass sie das mit einer solchen Investition verbundene Risiko nicht nur begreifen, sondern es als Teil der unternehmerischen Investition gar schätzen.

Nach welcher Methodik werden der Anteilswert bei investiere.ch berechnet?

Weber: Klassischerweise ist die Bewertung das Resultat der Verhandlungen zwischen dem Unternehmer und einem Leadinvestor. Das ist auch auf investiere.ch oft so. Eine interessante Alternative zu diesem traditionellen Vorgehen bietet die Wandelanleihe, eine mezzanine Form der Finanzierung, bei der sich der Anteilswert an einer professionellen Bewertung in der Zukunft orientiert (z.B. Verkauf der Firma oder eine Folgefinanzierung). Damit stellt sich die Bewertungsfrage erst zu einem Zeitpunkt, wenn die Unternehmensentwicklung eine solideres Fundament bietet. Zusätzlich spannend ist, dass das Modell eine Zinskomponente hat, welche diejenigen Investoren belohnt, welche sich früher zu einer Investition entscheiden.

Wichtig ist aber in jedem Fall, dass die Investitionsbedingungen, wenn sie einmal festgelegt sind, für die anderen Investoren ein "take-it-or-leave-it" Angebot sind. Nur so lässt sich eine effiziente Abwicklung der Transaktion verwirklichen.

Und sind Sie offen für Unternehmen aus aller Herren Länder oder beschränken Sie sich auf Start-ups aus der Schweiz und Umgebung?

Weber: Vorerst liegt der Fokus klar auf Schweizer Unternehmen. Es ist aber davon auszugehen, dass bereits nächstes Jahr erste Unternehmen aus dem Ausland auf die Plattform kommen werden.

Kann sich ein Investor bei Ihnen überhaupt noch mit seiner Beteiligung identifizieren? Oder läuft alles darauf hinaus, dass er am Computer das steigen und Fallen seiner Anteile beobachtet?

Weber: Im Gegenteil: wir setzen sehr stark auf die unternehmerische Direktinvestition, die eben eine bewusste Auseinandersetzung und Identifikation des Investors mit dem Unternehmen mit sich bringt. Hiermit unterscheiden wir uns einerseits stark von Funds, anderseits aber auch von Crowdfunding Konzepten, welche mit so kleinen Tranchen arbeiten, dass ein Investitionsverlust vernachlässigbar ist. Startup-Investitionen sind nicht nur eine Beteiligung sondern immer auch eine Geschichte an der man teilnimmt.

Was bietet investiere.ch Start-ups noch außer Finanzierungsmöglichkeiten?

Weber: Im Kern der Dienstleistung ist der Zugang zu interessanten Investitionsmöglichkeiten respektive die effiziente Finanzierung. Aufgrund des bisherigen Erfahrungsaustausches mit unseren Investoren und Unternehmern werden wir aber zukünftig vermehrt Services im Anschluss an, respektive zwischen Finanzierungsrunden anbieten. Mehr kann ich hierzu aktuell noch nicht erzählen.

Gibt es bestimmte Branchen, die auf der Plattform zur Zeit das Portfolio dominieren oder mit anderen Worten: Gibt es bevorzugte Themen bei investiere.ch?

Weber: Die Projekte müssen innovativ und sexy sein. Wir haben keinen engen Branchenfokus und streben zukünftig sogar an, noch mehr Projekte aus dem non-hightech Bereich zu machen. Ich nenne jeweils gerne das Beispiel eines innovativen Gastrokonzeptes, z.B. einer Bar an einer guten Location. Das kann sehr spannend für unsere Investoren sein.

Aktuell haben wir mit ShopAlive und Livebeats zwei äusserst spannende Startups aus dem Online Bereich, welche klar das Potential haben e-Commerce, respektive die Vermarktung von Musik zu revolutionieren. Bereits finanzierte Projekte kommen aus den Bereichen Nanotech, Medtech und Semantic Search. Entsprechend breit wird das Spektrum auch zukünftig sein.

Für Bauch-Gründer haben VCs meist wenig übrig. Sicher vertreten Sie auch die Ansicht, dass ohne Businessplan nichts läuft?

Weber: Bauch-Gründer zu sein in dem Sinne, dass der Bauch einem "vorschreibt" Unternehmer zu werden, ist grundsätzlich überhaupt nicht schlecht. Und Geschäftsmodelle entwickeln sich typischerweise in den ersten zwei Jahren sowieso signifikant.

Wichtig ist aber trotzdem, dass zum Zeitpunkt einer Finanzierungsrunde gegenüber den Investoren ein klares Konzept präsentiert werden kann. Schlussendlich muss der Investor genau verstehen, welche Wette er mit einer Investition eingeht. Oft arbeiten wir deshalb im Vorfeld einer Finanzierung mit den Unternehmern insbesondere an der Konkretisierung der Ertragsströme.

Sie bieten verschiedene Beteiligungsmodelle an: Können Sie uns einen Überblick geben?

Weber: Im Kern ist es immer eine Direktbeteiligung am Unternehmen und ein Mitsprache-Pooling kleinerer Investoren. Die Beteiligung erfolgt entweder in der Form von Aktien oder Partizipationsscheinen, vergleichbar zu Genussscheinen in Deutschland. Je nach Situation des Unternehmens arbeiten wir auch mit Pflichtwandelanleihen, die dann in Aktien oder Partizipationsscheine konvertiert werden.

VCs sind recht verschlossene Gemüter: Kein Wort von Geld, Anteilen oder Klauseln darf nach außen dringen. Die vereinnahmten Start-ups bekommen in der Regel einen Maulkorb verpasst. Warum ist das so?

Weber: Kommuniziert werden typischerweise nach Abschluss die Größe einer Runde, sowie die Namen der größten Investoren. Interne Vereinbarungen werden in der Tat selten nach außen gekehrt.

Dies liegt daran, dass mit den Details einzelner "Terms" des "Deals" an den realen Machtverhältnissen und am Spielraum des Managements nochmals signifikant gedreht werden kann – auch unabhängig der vieldiskutierten pre-money Bewertung. Und VCs müssen natürlich neben der Wahrung ihrer Interessen und diejenigen ihrer Investoren auch ihren Verhandlungsspielraum für die Zukunft erhalten.

Während dies legitim ist, glauben wir, dass man mehr Wert schaffen kann, wenn sich Investoren und Unternehmer über viele Startups und Investitionsrunden transparent auf Best-Practice Terms einigen. Wir werden entsprechend diesen Weg beschreiten.

Zum Abschluss möchte ich Sie noch bitten uns die Perspektiven von investiere.ch selbst zu skizzieren. Wird es weitere Modelle und Dienstleistungen rund ums Investieren geben?

Weber: Wir streben an, über die nächsten Jahre zunächst in der Schweiz einer der wichtigsten Finanzierungsplayers in der Early-stage zu werden. Wir werden einer neuen Art von selbstbewussten Privatinvestoren eine Plattform bieten, um diese Investitionen immer effizienter zu tätigen und ihr Netzwerk und ihre Fähigkeiten in den Aufbau von vielversprechenden Firmen einbringen zu können. Welche zusätzlichen Modelle und Dienstleistungen dazu nötig sind, werden uns Investoren und Unternehmer schon zustecken.

Vielen Dank für das Interview, wir hoffen noch von Ihnen zu hören!

Weber: Herzlichen Dank für Ihr Interesse!

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