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14.05.10Kommentieren

Interview mit Annette Meisl, La Galana Zigarrenmanufaktur

"Die jüngsten ausgebildeten Zigarren-Rollerinnen in Deutschland dürften so um die 85 Jahre alt sein"

Wenn man an ihr zieht, hat man es geschafft. - So das Bild von der Zigarre, das auch heute noch von Rauchern, vor allem aus Unternehmer-Kreisen noch gerne gepflegt wird. Damit am Ende aber exklusiver Rauch und nicht nur heiße Luft herauskommt, braucht es Zigarren von angemessener Qualität und tadellosem Ruf. - Was für ein Glück, dass es da eine kleine, aber angesehene Manufaktur im Kölner Stadtteil Ehrenfeld gibt, deren Gründerin Anette Meisl uns heute einige schmackhafte Details aus Ihrer Werkstatt verrät.

Annette Meisl, La Galana ZigarrenmanufakturAnnette Meisl, La Galana Zigarrenmanufaktur

Ich begrüße Sie, Frau Meisl. Heute wollen wir von Ihnen einiges über Ihre Zigarren-Manufaktur "La Galana" in Köln erfahren. Doch bevor wir ans Eingemachte kommen, stellen Sie sich doch bitte unseren Lesern vor: Was können Sie und was machen Sie?

Annette Meisl: Was ich kann? Oh, das könnte eine lange Antwort werden:
Ich bin kreativ, habe viele Ideen, kann 5 Sprachen, kann Projekte ausdenken und umsetzen, kann große Herausforderungen lösen, gut auf Menschen eingehen, verborgene Potentiale aufspüren, das Leben genießen, Musik machen, Schreiben und vieles mehr … und alles was ich kann, das mache ich auch, wäre ja sonst schade drum.

Eine Zigarrenmanufaktur. Das hört sich nach anno tobak an. Wie stellen Sie es an, dieses Gewerbe ins 21. Jahrhundert zu retten und dabei auch noch erfolgreich zu sein?

Meisl: Ich liebe die Kunst der Handarbeit, die liebevolle Herstellung. Ich habe dieser Spezialität mit meiner Manufaktur ein Schaufenster eingeräumt. Hier können Menschen, die wie ich solche alte Traditionen schätzen, auf ihre Kosten kommen. Das ist ein schöner Austausch.

Ihre Zigarren werden ja von Fachfrauen aus Kuba gerollt? Wie haben Sie es geschafft, an solch seltenes Personal zu kommen?

Meisl: Das ist mein Geheimnis. Aber eines verrate ich Ihnen: ich habe auch angefangen, Zigarrenrollerinnen auszubilden. Ich möchte mich in Kürze auch an die IHK wenden und fragen, ob wir das auch offiziell machen können, es gab den Beruf "Zigarrenrollerin" früher in Deutschland als Lehrberuf, so hörte ich jedenfalls. Die jüngsten ausgebildeten Rollerinnen in Deutschland dürften so um die 85 Jahre alt sein, da würde ich gerne eine Lücke schließen.

Und warum rollen eigentlich größtenteils Frauen Zigarren? Ist das Aberglaube oder hat das ganz praktische Gründe?

Es gibt ja auch viele männliche Zigarrendreher, auf spanisch Torcedores genannt. Allerdings ziehe ich Frauen vor. In meinem Betrieb LA GALANA gibt es nur Damen als Mitarbeiter. LA GALANA ist Spanisch und heißt soviel wie "gentlewomen", also eine Lady, die das Leben und ihre Weiblichkeit genießt; diese Figur erinnert mich ein bisschen an das Berlin der 20er Jahre, da waren Frauen emanzipiert und gleichzeitig sehr weiblich. Diese Philosophie verkörpern hier alle Ladies und das macht viel Spaß.

Wie haben Sie Ihre Gründung eigentlich finanziert? So eine Manufaktur ist doch sicherlich eine recht kostspielige Angelegenheit?

Meisl: Ich habe alles aus eigenen Mitteln finanziert. Also peu è peu; sowie ich Geld verdient habe, habe ich es gleich wieder hier hineingesteckt. Ich bin eine Verfechterin der "schwarzen Zahlen" und mag keine Kredite.

Warum haben Sie sich Köln als Standort ausgesucht?

Meisl: Ich wohne schon seit 20 Jahren in Köln und liebe diese Stadt. Ich bin nach Kölner Ermessen also "Immi", aber fühle mich eigentlich wie eine waschechte Kölnerin. Ich liebe auch mein Viertel, mein "Veedel Ihrefeld" und möchte hier niemals weg.

Gab es bei der Gründung irgendwelche Probleme oder Widerstände? und wie haben Sie sie gemeistert?

Meisl: Es ist höchst kompliziert eine Zigarrenmanufaktur zu gründen. Man muss sich mit jeder Menge Papierkram auseinander setzen, mit Zoll und Steuern und tausend Bestimmungen … Aber ich bin ja so gestrickt: Gebt mir ein Problem! Ich löse es! Ich liebe die Herausforderung … und ich hab sie erfolgreich gemeistert.

Wie sieht es mit dem Marketing aus: Was haben Sie sich ausgedacht, um Ihre Zigarren an den Mann zu bringen?

Meisl: Mein Marketing kann man eigentlich nur mit "Guerilla-Marketing" bezeichnen. Wir haben bis heute nicht eine einzige Anzeige geschaltet und haben es auch nicht vor. Es gibt keinen Vertrieb und das Schild vor unserem Laden ist so unauffällig, dass manche Kunden schon die ganze Venloer Straße hoch und runter gelaufen sind, um uns zu finden. Ich bin aber überzeugt, dass die Menschen, die zu uns kommen sollen, auch den Weg finden.
Ich habe jetzt mit intensivem Internet-Marketing angefangen, das macht mir sehr viel Spaß, weil es so persönlich ist, man also eins-zu-eins mit dem Kunden zu tun hat. Ich bin bei Facebook bei Twitter, und auch Xing.

Wie wird Ihr Zigarren-Café von den Kölnern angenommen? Haben Sie schon Stammgäste? Wer trifft sich dort?

Meisl: Das Café wird sehr gut angenommen, wir haben sehr sympathische Kunden, ich finde, jeder einzelne ist eine Persönlichkeit. Das liegt wahrscheinlich am Zigarrerauchen. Das ist wirklich Kultur und Genuss (im Gegenteil zur Sucht des Zigaretterauchens). Wir haben Vorstandsmitglieder , genauso wie den Malermeister von nebenan, der sich einmal pro Woche eine Torpedo gönnt. Wir haben prominente Gäste, die es schätzen, wenn sie abends mal unseren Salon für sich alleine reservieren dürfen, um mit Freunden gemütliche Gespräche zu führen. Manche kommen von weit her, aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland und schauen vorbei, wenn sie gerade mal in Köln zwischenlanden.

Zu etwas ganz praktischem: Wie und wo beziehen Sie die Rohmaterialien für Ihr Gewerbe? Leiden die Tabakblätter nicht beim Transport?

Meisl: Die Blätter kommen aus Nicaragua, aus dem berühmten Jalapatal, ein hervorragendes Anbaugebiet. Sie werden dort fermentiert und dann per Luftfracht verschickt. Da kann nix passieren!

Haben Sie vor eventuell noch zu expandieren? In anderen Städten ist die Nachfrage nach hoch-qualitativen Rauchwaren doch sicherlich auch vorhanden.

Meisl: Ich könnte mir vorstellen, ein Franchise-System ins Leben zu rufen oder Filialen zu eröffnen. Ich möchte aber weiter mein Leben und meine Arbeit genießen und auf keinen Fall in die Stressfalle laufen, das würde meiner Lebens- und Firmenphilosophie widersprechen. Wenn ein Geldgeber auftaucht, der mir einen guten Vorschlag macht, bin ich gerne bereit, darüber nachzudenken.

Zum Abschluss: Verraten Sie uns doch, was man beim Zigarre rauchen tunlichst vermeiden sollte, da man dann sofort als Anfänger erkannt wird!

Meisl: Ich finde es nicht schlimm, wenn man bei irgendetwas als Anfänger entlarvt wird. Das Wichtigste im Leben ist: genieße den Moment. Und das heißt dann: Genieße Deine Zigarre, lehn' dich zurück und schließe die Augen …

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen viel Erfolg!

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