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08.12.08Kommentieren

Interview mit Marcel Tilmann, B!GRÜNDET

"Die jetzige Krise wird bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle wieder in Frage stellen"

Zur Person: Marcel Tilmann ist Netzwerkkoordinator bei B!GRÜNDET. B!GRÜNDET ist ein Zusammenschluss von Berliner Hochschulen und Unternehmungen, die spezielles Know-how für Hochschulgründer anbieten können. Die ipal GmbH koordiniert als Patentverwertungsagentur der Hochschulen die Aktivitäten des Netzwerkes.

Marcel Tilmann ist Netzwerkkoordinator bei B!GRÜNDETMarcel Tilmann ist Netzwerkkoordinator bei B!GRÜNDET.

förderland: Herr Tilmann, welche Ziele verfolgt die Gründernetzwerk B!GRÜNDET?

Tilmann: Das primäre Ziel von B!GRÜNDET ist, zum einen den potenziellen Hochschulgründern Zugang zum EXIST-Förderprogramm der Bundesregierung zu vermitteln und den Gründern erstklassige Beratung für den Aufbau ihrer Unternehmen zu bieten. Zum anderen wollen wir mit einer professionellen Außendarstellung Berlin als Standort für wissensbasierte Ausgründungen hervorheben und Gründer aus anderen Regionen für Berlin begeistern.

förderland: Wie viele Gründungen hat das Netzwerk bisher begleitet und in welcher Form wurden die Gründer unterstützt?

Tilmann: Nach nun drei Jahren wurden im Netzwerk über 80 Gründungskonzepte aktiv begleitet. Die Hochschulen geben den Gründerteams die Möglichkeit, während des Förderzeitraums eigene Räumlichkeiten und Infrastrukturen kostenlos zu nutzen. Erfahrene Business-Coaches übernehmen die Aufgabe, im Gründerteam Kompetenzen zu stärken. Im Fokus steht natürlich die Herausforderung, innerhalb von einem Jahr ein solides Finanzkonzept auf die Beine zu stellen, denn der Staat unterstützt die Projekte nur für zwölf Monate in Form eines Gründerstipendiums.

förderland: Warum sollte sich ein Gründer gerade für Berlin als Standort für das eigene Unternehmen entscheiden?

Tilmann: Berlin zeichnet sich durch eine vielfältige Hochschullandschaft aus, mit einem starken Fokus darauf, auch das Gründungsgeschehen innerhalb der Fachbereiche aktiv zu stützen. Über das EXIST-Programm finden hier auch viele Nicht-Berliner Zugang zu diesem einmaligen Gründermilieu. Weiterhin punktet Berlin mit den Erfolgsgeschichten von Gründungen im Internet-/Mobile-Umfeld wie Jamba, Gate5, Zanox, StudiVZ, Brands4friends. Das lockt, neue Konzepte in dieser Stadt zu realisieren. Nicht zuletzt ist der Zugang zu günstigen Mieten und qualifizierten Angestellten recht gut.

förderland: Sie unterstützen Gründungen aus der Hochschulen heraus - mit welchen Hürden haben Hochschulgründer besonders zu kämpfen?

Tilmann: Zunächst sind Gründungen aus den Hochschulen häufig getrieben von ihrer Technik und dem eher wissensbasierten Alleinstellungsmerkmal. Da diese Gründungen nicht so sehr „marktgetrieben“ sind, fehlt es an Feedback von Kunden, um überhaupt die Relevanz der innovativen Konzepte für den Markt beurteilen zu können. Bis zum Marktreintritt vergeht deshalb viel wertvolle Zeit. Die Bereitschaft, diese Durststrecke bis zum ersten Verkaufserfolg zu verkraften, ist nicht immer bei allen Gründern gleich hoch vertreten.  

förderland: Werden Ihrer Ansicht nach Gründungen aus den Hochschulen heraus zu wenig gefördert?

Tilmann: Nein, die Gründerteams können inzwischen auf eine sehr breite Förderung ihrer Ideen zurückgreifen und diese Unterstützung auch gewinnbringend für sich nutzen. Allerdings fehlen meiner Ansicht nach häufig noch die geeigneten Instrumente an den Hochschulen, die Gründungen frühzeitig mit potenziellen Kunden aus der Industrie in Kontakt zu bringen.

förderland: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Tilmann: Lieber schon mit einer halbfertigen Lösung an erste ausgewählte Kunden heranzutreten, als wertvolle Zeit für die Entwicklung der für alle Ewigkeit perfekten Lösung zu verlieren. 

förderland: Gibt es eine Gründung, die Sie in der letzten Zeit besonders beeindruckt hat?

Tilmann: Die Firma Tortoise Design. Sie stammt aus unserem Netzwerk und konnte sich recht schnell am Markt etablieren. Aus meiner Erfahrung: eine große Leistung!

förderland: Momentan sprechen viele von der neuen deutschen Gründerszene. Wieder nur ein Strohfeuer?

Tilmann: Sicher waren die letzten Jahre von einem Hype im Internet-/Mobile-Umfeld geprägt, die zu beachtlichen Unternehmensbewertungen geführt haben. Das hat viele Personen zum Gründen animiert. Die jetzige Krise wird bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle wieder in Frage stellen. Das wird die deutsche Gründerszene erheblich beeinflussen.  

förderland: Vielen Dank für das Interview.

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