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28.11.13

Klassische Gründer vs. Start-ups

Die Gründungslandschaft in Deutschland

Die Zahl der Existenzgründungen nimmt seit geraumer Zeit ab. Grund dafür sei der Aufschwung am Arbeitsmarkt, heißt es häufig. Dieses Bild ändert sich jedoch, wenn man sich die verschiedenen Arten von Existenzgründungen vor Augen führt. Dann wird deutlich, dass zwar insgesamt die Anzahl an Gründungen zurück geht, für Start-ups der digitalen Wirtschaft gilt dies jedoch nicht. Und vielleicht gäbe es sogar noch mehr Start-ups in Deutschland, wenn hier ein freundlicheres Start-up-Klima herrschen würde.

Bild: © Butch - Fotolia.com

Der KfW-Gründungsmonitor 2013 zeichnet zunächst ein düsteres Bild von der Selbstständigkeit in Deutschland. So haben sich in Deutschland im Jahr 2012 so wenig Menschen selbständig gemacht wie zuletzt im Jahr 2000 (775.000 Personen). „Der Rückgang der Gründungstätigkeit ist besorgniserregend, denn Gründer helfen unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, im Mai bei der Vorstellung der Ergebnisse der Analyse zum Gründergeschehen in Deutschland.

Festanstellung aus Sicherheitsgründen bevorzugt

„Auch im Jahr 2013 erwarten wir keinen Gründungsboom. Sollte sich der Arbeitsmarkt jedoch wider Erwarten nicht so stabil zeigen wie vorhergesagt, könnte dies die Gründungstätigkeit etwas beleben.“ Denn als einer der Hauptgründe für den allgemeinen Rückgang an Existenzgründungen wird von vielen Institutionen wie der KfW und der IHK, die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt angesehen. Wer die Wahl hat, der entscheidet sich eben lieber für die sichere Variante der Festanstellung. Die ist eben nicht nur finanziell sicherer, sondern auch weniger belastend für das Umfeld und für den Arbeitenden selbst. So zeigt der Gründungsmonitor, dass der Anteil derjenigen, die Bürokratie und Belastung für die eigene Familie als Gründungshemmnis angaben, jeweils etwa um 7 Prozent zugenommen hat. Gründer wünschen sich, passend zum allgemeinen gesellschaftlichen Trend, eine bessere Work-Life-Balance.

Gründer ist nicht gleich Gründer

Doch so einfach ist es nicht, denn Gründer ist nicht gleich Gründer. So finden sich im KfW-Gründungsmonitor beispielsweise die „Gründer aus der Arbeitslosigkeit“. Ihre Zahl ist seit der veränderten BA-Bezuschussung um 32 Prozent gesunken. Eine weitere Kategorie, die „Chancengründer“ scheinen laut Zeuner „auf Dauer nachhaltiger zu sein als andere Gründungen.“ Dieser Gründertypus sieht den Start in die Selbstständigkeit als Chance und möchte mit seinem Gründungsprojekt eine explizite Geschäftsidee umsetzen. Die Zahl dieser Gründer ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (47% vs. 35%). Die Aussage, gehe es dem Arbeitsmarkt gut, sinke die Zahl der Gründer, muss also differenzierter betrachtet werden.

Chancengründer Start-ups

Der „Deutsche Startup Monitor (DSM) 2013“ ist die erste Ausgabe einer jährlich stattfindenden Online-Befragung von Start-ups in Deutschland und ein Projekt des neu gegründeten Bundesverbands Deutsche Startups e.V. (BVDS) und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.  In diesem Monitor entsprechen Start-ups dem, was der KfW-Gründermonitor als „Chancengründer“ bezeichnet hat.  So heißt es im „Deutschen Startup Monitor“: Startups seien wachstumsorientierte Unternehmen auf der Suche nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell, die sich „von klassischen Gründungen im Hinblick auf ihre Innovationsfähigkeit und Beschäftigtenzahl“ unterscheiden. Während klassische Gründer im Durchschnitt gerade mal 0,8 Mitarbeiter beschäftigen, arbeiten rund vier Angestellte in einem Start-ups, mit steigender Tendenz. Der BVDS geht davon aus, dass es in Deutschland rund 5000 Start-ups gibt. Bei dem „Startup Monitor“ lag der Schwerpunkt auf Start-ups aus der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie auf aus Start-ups aus Berlin, da sich hier, so lautet auch das Ergebnis des KfW-Gründungsmonitors die höchste Gründerquote findet.

Der Gründermonitor des BVDS zeigt auch, welchen Hürden Start-ups bei ihrer Entwicklung nehmen müssen. So sind Banken nur zu 19 Prozent ein wichtiger Finanzierungspartner. Im Rahmen des Wachstums benötigen jedoch 34 Prozent der Start-ups eine Kapitalzufuhr von mehr als einer Millionen Euro. Gleichzeitig ist es aber für über 70 Prozent der Unternehmen schwierig, Venture Capital zu erhalten. Finanzierung bleibt also weiterhin eine große Hürde, nicht nur für klassische Gründer, sondern vor allem auch für Start-ups.

Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für Gründungen

Mit den Kürzungen am Gründungszuschuss hat sich die Regierung in letzter Zeit bei Gründern in Deutschland wenig beliebt gemacht. Nun wollen CDU und SPD den Anspruch auf einen Existenzgründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit wieder einführen. Die Koalitionsverhandlungen machen also Hoffnung, dass die Förderung von klassischen Gründern und Start-ups einen neuen Stellenwert bekommt. Zudem hat kürzlich die Arbeitsgruppe Wirtschaft beschlossen, dass die Rahmenbedingungen speziell für Start-ups und Investoren verbessert werden sollen. Bestehende Investitionszuschüsse sollen beispielsweise verlängert und aufgestockt werden. Darüber hinaus wurde der vom BVDS geforderte Ausschuss zu einer digitalen Agenda nun in den Koalitionsverhandlungen als Unterarbeitsgruppe gegründet, mit dem Ziel einen Ausschuss für Internet und digitale Gesellschaft einzurichten und die Gründungen in Deutschland voranzutreiben.

Gründerinnen auf dem Vormarsch – langsam aber sicher

Laut Start-up Monitor sind nur 13 Prozent aller Gründer und Gründerinnen von Start-ups Frauen. Die Gründungslandschaft in Deutschland zu stärken, heißt also auch, Frauen zur Gründung zu ermutigen. Die bundesweite gründerinnenagentur (bga) zeigt in ihren neu erschienen bga-Broschüren zwar auf, dass der Anteil Gründerinnen kontinuierlich auf 31,6 Prozent im Jahr 2012 gewachsen ist, allerdings in den letzten zehn Jahren insgesamt nur um 3 Prozent. Dabei prägen Frauen insbesondere Branchen wie Gesundheit und Pflege, die angesichts des demografischen Wandels immer wichtiger werden. „Frauengründungen und von Frauen geführte Unternehmen werden das Wirtschaftsgeschehen der Zukunft maßgeblich prägen und die Arbeitswelt verändern", erklärt Iris Kronenbitter, Leiterin der bundesweiten Gründerinnenagentur.

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